Agenda-21-Bürgerstiftung Diepholz:

„Mut machen zum Handeln“ - Volle Zuhörerreihen bei Auftaktveranstaltung 

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Volle Zuhörerreihen bei der Auftaktveranstaltung der Diepholzer Agenda-21-Bürgerstiftung zu Veranstaltungsreihe „Mut machen zum Handeln“. 

Konsumverzicht sei keine Lösung für das Klima,  sagt Dr. Wolfgang Kessler. Der Wirtschaftsjournalist gestaltete den Auftakt der Reihe „Mut machen zum Handeln“, die von der Agenda-21-Bürgerstiftung Diepholz initiiert ist. 

Diepholz - Konsumverzicht sei keine Lösung für das Klima und andere Umweltprobleme. Dieser führe zu Arbeitslosigkeit und Radikalisierung, meint Dr. Wolfgang Kessler. Er setzt auf bewusstes Konsumieren und auf eine andere Form der Wirtschaft – nämlich eine, die nicht nur auf Wachstum ausgelegt ist. Der Wirtschaftsjournalist, Buchautor und langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift „Publik-Forum“, fesselte am Montagabend seine Zuhörer in der gut gefüllten Diepholzer St.-Nicolai-Kirche. „Fair wirtschaften – anders leben. Gelebte Alternativen zu einer entfesselten Weltwirtschaft“ war sein Thema als Referent bei der Auftaktveranstaltung zu der Veranstaltungsreihe „Mut machen zum Handeln“.

Diese hat die Diepholzer Agenda-21-Bürgerstiftung organisiert. Gleichzeitig war der Abend Auftakt für die Ausschreibung des Diepholzer Agenda-Preises 2020 zum Thema „Klima und Nachhaltigkeit“.

„Es geht auch anders“

Anderthalb Stunden lang schilderte Dr. Wolfgang Kessler Probleme der Weltwirtschaft, stellte Forderungen, nannte positive Beispiele. „Es geht auch anders“, war sein Fazit.

Kessler berichtete beispielsweise über ein Spezialglas-Unternehmen in Bayern, das die mehr als 600 Mitarbeiter angesichts des drohenden Verkaufs selbst erworben hatten. „Arbeit hat Vorrang vor Kapital“ sei dort nun ein Grundsatz. Ein „Faires Handy“, für das die Rohstoffe nicht aus Minen mit katastrophalen Arbeitsbedingungen für die Menschen kommen und das sich sehr gut verkaufe, war ein weiteres Beispiel. Allerdings ist das (noch) kein Thema für die großen Hersteller.

Dr. Wolfgang Kessler sprach in der St.-Nicolai-Kirche über „Alternativen zu einer entfesselten Weltwirtschaft“.

Der Referent aus Hessen forderte, dass der Staat wieder mehr übernimmt beziehungsweise die Aufsicht verstärkt – in den Bereichen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen beispielsweise. Diese dürften nicht Kapitalgesellschaften überlassen werden, die die Häuser komplett auf Rendite trimmen.

Unter dem Beifall der mehr als 130 Zuhörer fordert Kessler Steuern auf spekulative Finanzgeschäfte, die Trockenlegung von Steueroasen und „Fair Trade“ statt freien Welthandel, bei dem nur die Kosten im Mittelpunkt stehen.

Digitalisierung ist Herausforderung

Eine große Herausforderung komme auf die Menschen durch die Digitalisierung zu. Es gebe immer weniger, die abgesichert arbeiten. Die meisten bekämen Zeit- oder Honorarverträge. Künstliche Intelligenz werde die Arbeitswelt weiter stark verändern.

Aber Dr. Wolfgang Kessler malte nicht alles schwarz: „Es ist wieder Hoffnung da.“ Politiker ändern ihr Bewusstsein, Bürger gehen für Klimaschutz und Umweltpolitik auf die Straße. Und es habe im Markt noch nie so viele Bio- und Fair-Trade-Produkte wie heute gegeben.

„Umdenken ist notwendig“

Das Umdenken sei notwendig, denn die Welt halte es nicht aus, wenn alle so wirtschaften wie Deutschland und die USA. „Aber alle arbeiten darauf hin.“

Das derzeitige Wirtschaften hatte auch Pastor Lutz Korn eingangs als „Hausherr“ der St.-Nicolai-Kirche in seinem längeren Grußwort kritisiert. Er verglich die derzeitige Klimaschutzpolitik mit dem Ablasshandel vor 500 Jahren, kritisierte Massentierhaltung und Umweltzerstörung.

Monatliche Veranstaltungen bis Juni 2020

Gregor Korte begrüßte die Besucher als Vorsitzender des Kuratoriums der Agenda-21-Bürgerstiftung. Er freute sich über die vollen Reihen und wies auf die folgenden monatlichen Vortrags-Veranstaltungen bis Juni 2020 hin.

Bürgermeister Florian Marré als Schirmherr des Diepholzer Agenda-Preises 2020 lobte die Veranstaltungsreihe mit namhaften Referenten und betonte, was die vor 20 Jahren gegründete Agenda-21-Bürgerstiftung in Diepholz schon an Projekten umgesetzt habe – beispielsweise den Moor-Erlebnispfad, den Skulpturenpfad und die Freiwilligen-Agentur.

Für die musikalische Umrahmung des Auftaktabends sorgte der Pop- und Gospelchor „Pfeffer & Salz“ sowie das Diepholzer Duo Alica und Janina Christen.

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