Polizei zeichnet Abiturientin und Jäger aus

Zivilcourage: Zeugin entlarvt Prahlhans

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Jäger Augustin Middendorf (von links) und seine Frau Regina erhielten vom Leiter der Polizeiinspektion Diepholz, Bernd Kittelmann, ebenso eine Urkunde für Zivilcourage wie die Abiturientin Anna. Domenico Corbo, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, gratulierte ebenfalls.

Diepholz - Von Ove Bornholt. Eigentlich wollte die 18-jährige Abiturientin Anna (Nachname ist der Redaktion bekannt) nur nach Bremen um zu shoppen, doch als sie im Zug von Diepholz in die Hansestadt saß, wurde sie plötzlich hellhörig: Eine Sitzreihe hinter ihr prahlte ein Mann am Handy, er habe gerade einen Einbruch in Diepholz begangen und wolle nun seine Beute „verticken“.

Die Schülerin schaltete an diesem Sonntagnachmittag, dem letzten im März dieses Jahres, schnell, setzte sich um und fotografierte den Täter. Dafür hat die Polizeiinspektion Diepholz sie nun mit einer Urkunde für Zivilcourage ausgezeichnet, die ihr der Leiter der Inspektion, Bernd Kittelmann, überreichte. Auch der Vechtaer Jäger Augustin Middendorf (64) erhielt eine Urkunde für seine Zivilcourage.

Zu der Ehrung für die Abiturientin wäre es allerdings gar nicht gekommen, wenn die 18-Jährige damals ihrem ersten Impuls gefolgt wäre und die Sache als Bagatelle abgetan hätte. „Ich dachte erst, der Mann sei alkoholisiert und er sah auch ganz harmlos aus“, erinnert sie sich während des Termins zur Übergabe der Urkunde bei der Polizeiinspektion in Diepholz. Doch ihr Vater, den sie mit ihrem Smartphone über den Internet-Dienst „Whats-App“ angeschrieben hatte, bestärkte die Teenagerin darin, Fotos zu machen.

Dass die Abiturientin, die gerade mitten in ihrer Prüfungsphase steckt, jetzt diese Auszeichnung bekommen hat, ist ihr etwas unangenehm. „Es ehrt mich natürlich, aber ich fühle mich nicht ganz wohl, wenn alle von Zivilcourage reden, denn ich habe mich ja nicht in Gefahr gebracht“, sagt sie bescheiden.

Da muss ihr Polizeisprecherin Uta-Masami Münch widersprechen: „Man braucht sich nicht in Gefahr zu bringen, um Zivilcourage zu zeigen.“ Die Polizei sei auf Hinweise wie diese angewiesen.

Im konkreten Fall zeigte die aufmerksame Schülerin ihre Fotos der Bundespolizei am Bremer Hauptbahnhof, die sich daraufhin mit den Diepholzer Kollegen austauschte. Dabei kam heraus, dass der Mann im Zug vermutlich zu einem Einbrecher-Duo gehört, das wenige Stunden zuvor einen Einbruch in einem Haus an der Gartenstraße versucht hatte. Den Komplizen (22) hatten die Beamten vor Ort festnehmen können, nach dem Mann aus dem Zug sucht die Polizei noch, aber er ist ihr namentlich bekannt.

Soweit sind die Ermittler noch nicht, was das Verbrechen angeht, das der Jäger Augustin Middendorf (64) und seine Frau Regina (63) aufdeckten. Dem Paar aus Vechta war am frühen Abend des 27. März, einem Freitag, in einem Wald bei Rehden abseits der Wege ein Auto aufgefallen, das dort eigentlich nicht hingehörte. Daraufhin sprach der Jäger die zwei Männer in dem Wagen an, die aber nur fadenscheinige Erklärungen parat hatten und schließlich das Weite suchten.

Middendorf gelang es jedoch, ein Foto von dem Fahrzeug zu machen, auf dem das Kennzeichen zu erkennen ist. Er alarmierte die Polizei, die daraufhin anrückte und vier laut den Beamten professionell versteckte Diebesnester mit gestohlenem Werkzeug – Bohrmaschinen, Sägen und andere Elektro-Arbeitsgeräte – entdeckte. Der Gesamtwert liegt bei rund 15000 Euro. Das Diebesgut konnte mittlerweile fast vollständig an die betroffenen Firmen zurückgegeben werden.

Was die Täter angeht, geht die Polizei von einer organisierten Gruppe aus, der durch den Zufallsfund des Jägers sieben Einbrüche im Landkreis Diepholz und darüber hinaus zugerechnet werden können. Die Ermittlungen laufen, wie auch im Fall des versuchten Einbruchs, noch.

Die Polizei verleiht die Urkunde für Zivilcourage anlassbezogen und nicht regelmäßig. „Bei einem Verdacht sollte man immer die Polizei rufen. Dafür sind wir da“, appelliert Münch an die Bürger, Zivilcourage zu zeigen.

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