Sie haben gewonnen

Polizei warnt vor Gewinnversprechen am Telefon: Kontodaten sind Tabu-Thema

Ein schattierter Mann hält einen Telefonhörer in der Hand.
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Betrug am Telefon: Trotz aller Warnungen fallen immer wieder Menschen auf die Maschen hinein. Symbol

Bassum/Syke – Vorsicht bei Gewinnversprechen am Telefon. Mit Ansagen wie „Sie haben gewonnen!“ wollen Betrüger aus der Türkei und Osteuropa Verbraucher – meist älteren Semesters – über das Ohr hauen. „Doch auch Jüngere sind nicht davor gefeit“, sagt Kommissar Michael Wessels am Donnerstag in Kooperation mit der Volksbank. Er ist Präventionsbeauftragter der Polizeiinspektion Diepholz und leitete den dritten und letzten Teil einer virtuellen Vortragsreihe zum Thema: Gewinnversprechen am Telefon oder über das Internet.

Gerade in Pandemiezeiten, in der viele Menschen zu Hause bleiben und von dort mehr im Internet unterwegs seien, sollten Verbraucher noch umsichtiger sein, warnt Wessels. „Durch Vorspiegelung falscher Tatsachen erleichtert es das Internet den Betrügern, viele Menschen zu erreichen.“ Die Betrugsmaschen seien schier endlos und entwickelten sich stets weiter – Links mit Schadsoftware, Fake-Shops und falsche Microsoft-Mails. Der Experte kennt alle Beispiele.

Klassisch sei jedoch die sogenannte Gewinnbenachrichtigung per Telefon, sagt Wessels. „Unangekündigten Gewinn kann man getrost vergessen“, stellt der Kommissar klar. Die Masche diene rein dem Abgreifen persönlicher Daten, dem Abschließen eines Abos oder um an die Kontodaten des Betroffenen zu gelangen. „Die Fantasie kennt da keine Grenzen“, sagt Wessels.

Experte: „Unangekündigten Gewinn kann man getrost vergessen.“

Doch auch die Abzocke per Post sei ein weites Problemfeld, das immer wieder funktioniere. Es würde mitgeteilt, dass der Empfänger Geschirr oder andere Gegenstände gewinnt – falsche Gewinnversprechen. „Das ist alles andere aber definitiv kein Gewinn“, unterstreicht Wessels. Im Kleingedruckten stünden unvorteilhafte Zuteilungsbedingungen oder Gewinnausschüttungen hingen an unerfüllbaren Bedingungen.

Ebenso gehörten sogenannte Rabattversprechen zum Themenfeld. Verbraucher müssten enorme Mengen zusätzlicher Bestellungen aufgeben, um nennenswerte Preisvorteile zu genießen. Dies stehe grundsätzlich nicht im Verhältnis zum Geldeinsatz des Betroffenen, warnt auch hier Wessels.

Ein weiteres Problemfeld sind sogenannte Anruffallen, sagt der Beamte. Dabei zielten Anrufer auf die Codes von Gutschriftkarten oder wollten Gebühren für Postsendungen im Vorfeld abrechnen, die es nicht gibt.

„Im digitalen Zeitalter kann man jede Telefonnummer vortäuschen – sogar die der Polizei.

Eine weitere Masche seien Anrufe aus dem Ausland, aber mit einer deutschen Vorwahl als Telefonnummer auf dem Display. Betrugs-Experte Wessels: „Im digitalen Zeitalter kann man jede Telefonnummer vortäuschen – sogar die der Polizei.“

Problematisch sind auch Glücksspiele aller Art am Telefon. Die wahre Absicht dahinter ziele laut Wessels einzig auf die Übermittlung von Kontodaten ab. „Leider, leider funktioniert das tatsächlich immer wieder“, so der Beamte. Die Leute übermittelten Wildfremden ihre Bankdaten. „Häufig kommen Betroffene gar nicht sofort dahinter, wenn sie ihr Konto nicht regelmäßig überprüfen.“ Die Täter buchten unterschiedlich hohe Beträge ab oder ließen sich Zahlungsaufträge ausstellen. Die sogenannten Sepa-Mandate (Single Euro Payments Area, zu Deutsch: einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum) sind für Banken ein Massengeschäft. Dort komme es laut Wessels zu Fehlern. Betrüger nutzten das aus. Fehlende Unterschriften gingen durch und der dauerhafte Bankeinzug ist erst einmal da.

Über das Telefon versuchten Verbrecher auch die „Abzocke bei Rückruf“. Laut Wessels sieht der Betroffene auf seinem Telefon Anrufe in Abwesenheit. Ruft er diese Nummer zurück, wird es teuer. Der Provider zieht das Geld beim Betroffenen direkt ab. „Das können drei Euro pro Minute sein“, so Wessels. Der Tipp des Kommissars: Unbekannte Nummern nicht zurückrufen.

Doch hilflos ausgeliefert sind Betroffene nicht. „Sofort auflegen, sich nicht in Diskussionen verwickeln lassen“, rät Wessels. Denn: Die Täter redeten Betroffenen ein schlechtes Gewissen ein. Auch sollten keine privaten und familiären Verhältnisse preisgegeben werden. „Kontodaten bleiben Tabu-Thema“, betont Wessels.

Skepsis sei auch bei plötzlichen Millionenerbschaften aus dem Ausland geboten, so der Präventionsbeauftragte. Erben seien nicht greifbar, der Betroffene der Alleinerbe. „Das normale Denken schaltet da ab“, so Wessels.

Verdacht der Verbraucherzentrale melden

Betroffene können sich die Telefonnummer des Anrufers aufschreiben und im Internet suchen, ob diese bereits negativ aufgefallen ist oder die Nummer samt Vorgehen der Verbraucherzentrale melden (www.verbraucherzentrale.de). Diese „analysieren Fälle, die Verbraucher melden und erkennen so früh strukturelle Probleme“, heißt es dort laut Auskunft.

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