Pilotprojekt soll Anbaumöglichkeiten im Landkreis Diepholz ausloten

Torfmoos – neue Chance für Landwirtschaft?

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Torfmoos speichert viel Wasser.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Das Moor: Einst war es unverzichtbarer Wirtschaftsraum, heute steht es in vielen Bereichen unter Naturschutz. Kann es in der Zukunft eine Einnahmequelle für Landwirte sein, zugleich Wirtschaftsraum und Naturschutz verbinden? Diese Chance besteht. Und sie ist durchaus realistisch. Das beweist ein internationales EU-Interreg-Projekt. Denn darüber könnten Versuchsflächen für die Kultur von Torfmoosen, Rohrkolben oder anderen Sumpfpflanzen angelegt werden: Pflanzen, mit denen Landwirte Geld verdienen könnten.

Ob sich der Landkreis Diepholz an diesem internationalen Projekt beteiligt, darüber diskutieren die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses am Dienstag, 15. September, ab 16 Uhr bei der AWG in Bassum. Ihre Sitzung ist öffentlich.

Zwei Institutionen aus England und den Niederlanden haben den Landkreis Diepholz um Beteiligung an dem Projekt „Managing Multifunctional Peatland Landscapes for Everyone“ gebeten – kurz Multi-PLE genannt. Ziel ist es, innovative Methoden zur Wiederherstellung der Ökosystem-Funktionen in Flachwasser-Seen und Mooren auf europäischer Ebene auszutauschen – und im Landkreis Diepholz ganz konkret anzuwenden.

„Das ist ein Erfolg der Netzwerk-Arbeit von Dr. Geerd Smidt und der Bekanntheit der Moorwelten“, freut sich Detlef Tänzer über das Beteiligungs-Angebot an einem internationalen Projekt, das es bisher in dieser Form im Landkreis Diepholz noch nicht gegeben hat. Dr. Geert Smidt hat als wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima („Moorwelten“) internationale Kontakte.

Geld für eine Projekt-Beteiligung könnte der Landkreis Diepholz zum einen aus den beschlossenen Moorschutz-Mitteln (jährlich 40000 Euro für zehn Jahre) generieren – und zum anderen aus den Zahlungen für Natur-Ausgleichsmaßnahmen bei Bauprojekten mit Flächenversiegelung. Geld, das nach Auffassung von Detlef Tänzer gut angelegt ist. Denn über das Projekt könnte im Lebensraum Moor Mehrwert entstehen.

Wenn durch die Flurbereinigungen „Donstorfer Moor“ und „Barver Nord“ die Voraussetzungen für eine effektive Nachbarschaft zwischen Landwirtschaft und Moor geschaffen sind, könnten wertvolle Pufferzonen in den Randbereichen des Moores oder des stark mit Nährstoffen belasteten Holter Meeres geschaffen werden. Naturschutz und Landwirtschaft könnten dann Hand in Hand arbeiten – zum Beispiel bei der so genannten Paludikultur: Dem Anbau von Sumpf- und Moorpflanzen auf nassen Boden zur Nutzung als Torfersatz, Energieträger oder Baumaterial. In einem Projekt in Polen, so Detlef Tänzer, würde aus Rohrkolben bereits Dämmmaterial produziert.

Multi-PLE könnte im Landkreis Diepholz noch einen dritten Mehrwert bringen, weil darüber möglicherweise Teilprojekte der Dümmersanierung – zum Beispiel die Entschlammung – laufen könnten.

Zurück zum Anbau von Torfpflanzen: Auf einer Fläche von 8,5 Hektar könnte im Landkreis Diepholz das Pilotprojekt umgesetzt werden. „Dafür brauchen wir einen steuerbaren Wasserstand, Wasserüberschuss und natürlich Torfmoose, die man ausbringen kann“, so Tänzer. Die erste Ernte sei nach drei oder vier Jahren möglich. Im Ammerland gebe es bereits ein solches Pilotprojekt auf einer Fläche von vier Hektar.

Multi-PLE sei ein „anwendungsorientiertes Innovationsprojekt und kein Forschungsprojekt“, so Tänzer. Es soll über vier Jahre laufen – von 2016 bis 2020.

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