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Peta fordert wegen Gesundheitsrisiken ein Verbot von Tieren im Zirkus

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Von: Marten Vorwerk

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Das Zelt des Circus Belly auf dem Diepholzer Marktplatz.
Das Zelt des Circus Belly auf dem Diepholzer Marktplatz. © jansen

Der Circus Belly ist noch bis Sonntag auf dem Marktplatz in Diepholz zu Gast. Teil der Shows: Aufführungen von und mit Tieren. Die Tierrechtsorganisation Peta hat kürzlich Kritik an Tierhaltung im Zirkus geäußert und fordert wegen gesundheitlicher Risiken für die Tiere ein Verbot von Tiernummern in Zirkussen.

Landkreis Diepholz – Der Hauptkritikpunkt, den die Peta in einer Mitteilung äußert, lautet: „Die mangelhaften Haltungsbedingungen, die häufigen Transporte und belastenden Dressurmethoden führen oftmals zu gesundheitlichen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten.“ Was ist dran an der Kritik?

Annette Engelhardt verwaltet mit ihrem Ehemann André ehrenamtlich die Ballermann Ranch in Scholen-Blockwinkel, die das Paar, das die Rechte an der Marke „Ballermann“ hält, der Tierschutzorganisation Gut Aiderbichl überschrieben hat. 60 Tiere leben auf dem Gnadenhof – vorrangig Pferde. Annette Engelhardt ist häufig mit Zirkusbetrieben in Berührung gekommen. Sie versteht die Peta-Kritik, sagt aber: „Kleine Zirkusse mit ein paar Pferden oder Eseln sind meiner Meinung nach kein Problem.“

Noch keine Zirkusbetreiber erlebt, die ihre Tiere nicht lieben

Sie habe noch keine Zirkusbetreiber erlebt, die ihre Tiere nicht lieben und fürsorglich pflegen. Über Privatpersonen könne sie das so nicht sagen. „Da habe ich schon einige Privatpersonen erlebt, die sich kaum um ihr Pferd gekümmert und es dann hier abgegeben haben. Da können sich einige ein Beispiel an manch einen Zirkus nehmen.“

Große Zirkusse hält Annette Engelhardt für problematisch. „Wenn zum Beispiel 20 Pferde auf engestem Raum gehalten werden, ist das was anderes. Das ist nicht gut und führt zu gesundheitlichen Schäden“, sagt sie.

Fünf Pferde auf ihrer Ranch seien früher Zirkustiere gewesen. Sie seien nicht im besten Zustand zu ihr gekommen, allerdings auch in keinem besonders schlechten Zustand.

Sportpferde tragen größere Schäden davon

Ein viel größeres Problem sieht André Engelhardt bei Pferden im Leistungssport. „Ein Pferd, das bei uns lebt, war sieben Jahre lang im Springsport aktiv. Es kam im Alter von zwölf Jahren zu uns. Es ist fertig. Reiten geht da nicht mehr. Der Rücken und die Beine sind kaputt“, sagt der „Rancher“.

Mit gesundheitlich geschädigten Tieren hat sich auch der Syker Tierrechtler Peter Hübner beschäftigt. Er begleitet und beobachtet das Zirkustreiben seit mehreren Jahren, kritisiert insbesondere Transport- und Haltungsbedingungen und nennt immer wieder vorkommende Unfälle als Grund für seine Position. Für Hübner gebe es keinen Zweifel daran, dass „Tiere nicht für kommerzielle Zwecke eingesetzt dürfen“.

In Zirkusbetrieben werden mindestens 100 Quadratmeter für bis zu fünf Pferde gefordert

Dies ist aber erlaubt und viele Zirkusbetriebe profitieren davon. Sie müssen bestimmte Richtlinien einhalten, die sind aber weniger streng als für private Betriebe. Christoph Koldewey vom Veterinäramt in Diepholz erklärt: „Für bis zu zwei Pferde muss eine Auslauffläche von mindestens 150 Quadratmeter zur Verfügung stehen, während in Zirkusbetrieben mindestens 100 für bis zu fünf Pferde gefordert werden.“ Dieser Umstand müsse allerdings damit aufgefangen werden, dass die Tiere täglich ausreichend verhaltensgerechte Beschäftigung erfahren.

Das Veterinäramt glaubt wegen einer Forschungsarbeit nicht, dass es zum Beispiel Pferden im Zirkus übermäßig schlecht geht (siehe Infokasten).

Der Syker Peter Hübner hat Lösungsansätze entwickelt

Um die Tierhaltung in Zirkusbetrieben zu verbessern, hat der Syker Peter Hübner Lösungsansätze entwickelt. „Wenn schon nicht ganz auf Tiere verzichtet wird, ist mein Vorschlag, dass Zirkusse einen festen Standort haben sollten und nicht mehr reisen. Das erspart den Tieren die Transporte.“ Mit einigen Zirkusbetrieben habe er darüber schon gesprochen. „Und das ist bei einigen gar nicht so schlecht angekommen“, sagt Hübner.

Für den Tierrechtler bleibt allerdings klar, dass ein Zirkus ohne Tiere „durchaus begeistern kann. Da sind teilweise Weltklasse-Akrobaten am Werk. Da braucht man keine Tiere mehr“, betont er.

Circus Belly besteht weiterhin auf Tiere

Das sieht der Circus Belly anders. „Ohne Tiere ist es kein Zirkus mehr, sondern Varieté. Unsere Tiere werden jede Woche von Amtstierärzten kontrolliert. Der Auslauf, die Boxen, die Ernährung: Es gibt nichts zu beanstanden, im Gegensatz zu manch einem Pferdehof“, sagt der Juniorchef Orlando Köhler und ergänzt: „Tiere müssen im Zirkus auftreten, erst das macht es abwechslungsreich.“

Keine überdurchschnittlichen Auffälligkeiten beim Pferd

Aus der Dissertation „Haltungsbedingungen von Zirkustieren in 25 Zirkussen in der Bundesrepublik Deutschland“ von Daniela Teophil von der Tierärztlichen Hochschule Hannover geht laut Christoph Koldewey vom Veterinäramt Diepholz hervor: „Für Pferde kann daraus angenommen werden, dass in den Bereichen Ernährungszustand, Verletzungen, Vernarbungen, Lahmheiten, Atemwegserkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten und Hufpflege keine überdurchschnittlichen Auffälligkeiten bezüglich der genannten Aspekte in Zirkusbetrieben dokumentiert werden konnten.“ Ob dies bei anderen Tieren auch so ist, ließ das Veterinäramt unbeantwortet.

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