Personalstärke eine Woche auf dem Stand von Norwegen

Neue Erfahrungen: Projekt „Schüler leiten eine Station“ an der Klinik Diepholz

Auch die Dokumentation von Pflegeleistungen und das Schreiben von Dienstplänen gehört zu Alltag einer Stationsleitung (von links): Dilber Ersu, Franziska Delicat und Michelle Bruns.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. So viele Pflegekräfte auf einer Station – das ist in Norwegen und Schweden normal. In Deutschland fällt es Patienten gleich auf. Eine Woche lang übernahmen 22 Schülerinnen und ein Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Alexianer Landkreis Diepholz die Leitung einer Station in der Klinik Diepholz und verdreifachten dadurch praktisch die Personalstärke.

In der Station 3 der „Inneren“, in der vorwiegend Herzpatienten behandelt werden, verstärkten im Frühdienst elf Nachwuchskräfte, im Spätdienst acht und im Nachtdienst eine junge Kraft die maximal vier diensthabenden examinierten Pflegekräfte. Diese begleiteten die Schülerinnen beziehungsweise den Schüler selbstverständlich.

Doch die Verantwortung für den Ablauf, für Organisation und Pflege lag zunächst bei den Neulingen. Sie stellten Dienstpläne auf, wechselten Verbände, organisierten Aufnahmen und Entlassungen und lernten so den kompletten Arbeitsalltag kennen, den sie in ihrer Ausbildung bislang nur blockweise oder theoretisch erfahren hatten.

„Vieles habe ich mit nach Hause genommen und konnte in der Woche nachts nicht gut schlafen“, gab Antonia Capsius zu, etwas Angst gehabt zu haben, Fehler zu machen. Ihre Mit-Auszubildende Dilber Ersu sah das ähnlich: „Ich bin mit gemischten Gefühlen in das Projekt gegangen und hatte Respekt vor der Aufgabe.“

Durch den zeitweise stark vergrößerten Personalbestand hatten die Schülerinnen und der Schüler auch mal Zeit für intensivere Gespräche mit den Patienten. Das wird später in ihrem Berufsalltag wohl nicht die Regel sein.

„In Deutschland liegt der Personalschlüssel bei einer Pflegekraft auf zehn Patienten“, erklärte Bernd Pache, Leiter der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, „in Norwegen und Schweden liegt der Schlüssel bei 1 : 3,5 Patienten.“ Dort sei das Gesundheitssystem staatlich finanziert.

Petra Schöning, eine der examinierten Pflegekräfte der Station, lobte das große Engagement der Nachwuchskräfte: „Sie waren alle gut drauf!“

Das Projekt „Schüler leiten eine Station“ sei durch die Mitarbeiter des Pflegedienstes unter der Leitung von Anke Voss angeregt und aktiv begleitet worden, betonte Bernd Pache. Auch die Ärzte der Station mit Chefarzt Dr. Michael Höge unterstützten das Projekt, das zudem den Zusammenhalt der Schüler gefördert habe.

Derzeit gebe es für die dreijährige Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege in der Region Diepholz noch genügend Interesse: „Wir stellen 30 Auszubildende ein und haben etwa 60 Bewerber“, sagte Schulleiter Pache auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die jungen Schülerinnen beziehungsweise der Schüler sind mit Spaß bei ihrer beruflichen Sache, erfuhren aber jetzt auch, dass es im Alltag immer wieder Stressfaktoren wie ungeplante Gespräche mit Angehörigen, Telefonate und Notfälle gibt.

An dem Projekt „Schüler leiten eine Station“ waren folgende Auszubildende beteiligt: Farina Balz, Ismet Bingöl, Isabella Borgward, Alena Böttcher, Michelle Bruns, Antonia Capsius, Julia-Franziska Delicat, Dilber Ersu, Anica Firlus, Brigita Glavinskaite, Michelle Husmann, Verena Nadine Kühn, Fabienne Mandel, Gamze Nouri Oglou, Daniela Radtke, Jennifer Radula, Christina Reum, Sara Rix, Anika Schröder, Gabriela Stoll, Jennifer Maria Elke Wallace, Rike Willms und Juliane Zielke.

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