Petra Bultmann lebt in Diepholz und arbeitet in Frankfurt

391 Kilometer bis zum Schreibtisch

Petra Bultmann ist in der Kreisstadt Diepholz fest verwurzelt.

Diepholz/Frankfurt - Von Anke Seidel. Genau 391 Kilometer sind es von Tür zu Tür – eine Strecke, die Petra Bultmann zweimal in der Woche bewältigt. Denn sie ist in ihrer Heimatstadt Diepholz fest verwurzelt, hat ihren Arbeitsplatz aber in Frankfurt. „Ich sage immer: Mein Schreibtisch steht in Frankfurt“, sagt die 53-Jährige schmunzelnd.

Seit fast fünf Jahren lebt sie „multilokal“, sprich an zwei Orten. Ihre Erfahrungen bringt sie jetzt in das Forschungsprojekt „TempALand“ ein, das genau diese Multilokalität untersucht.

Die digitalisierte Reisekosten-Abrechnung – von der Online-Buchungsmaschine bis zum Reporting, also Berichtswesen – ist ihr Aufgabenbereich bei „Concur“, einer Tochtergesellschaft des Unternehmens SAP. Denn zum Thema Reise hat die Diepholzerin seit fast vier Jahrzehnten eine besondere Affinität. 

Sie ist gelernte Reiseverkehrskauffrau, hat 1980 im Alter von 16 Jahren ihren Ausbildungsplatz bei Wolters in Bremen angetreten. Acht Jahre später wechselte sie zur HRG (Hogg Robinson Group) und arbeitete 22 Jahre in deren Bremer Niederlassung, bevor sie für zwei Jahre nach Wolfsburg wechselte.

In Diepholz verwurzelt 

Ihr Lebensmittelpunkt blieb zu jeder Zeit Diepholz. „Ich habe darüber nie nachgedacht. Es hat sich so ergeben“, sagt die 53-Jährige. „Aber rückwärts betrachtet bin ich dort verwurzelt“, bestätigt sie. Bultmanns Festzelt war eine Institution auf dem Diepholzer Großmarkt – betrieben von Petra Bultmanns Eltern. Nach deren Tod setzten die Töchter die Tradition fort und erweiterten sie um Schützen- und Betriebsfeste sowie andere Veranstaltungen.

„Wir haben viel gearbeitet, aber auch sehr viel Spaß gehabt“, spricht Petra Bultmann auch für ihre Schwester Jutta Holtermann. Doch nach zehn Jahren zogen beide einen Schlussstrich. „Das Veranstaltungsbusiness hat sich stark gewandelt“, sagt Petra Bultmann – und blickt auf steigende Auflagen, Bürokratie und Administration.

Ihr Traum wäre es gewesen, ihre Frankfurter Berufsaufgaben von zu Hause in Diepholz aus erfüllen zu können. Es blieb ein Traum. Jetzt versucht sie, ihre Kundengespräche wenn möglich mit ihrer Nord-Süd-Achse, wie sie ihre Fahrtroute nennt, in Einklang zu bringen.

Wenn sie ihr Leben in einem Satz beschreiben soll, nennt Petra Bultmann einen Werbeslogan: „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ Denn ihre „Leitplanken“ habe sie durch ihr aktuelles Arbeits- und Lebensfeld enorm verbreitern können: „Ich muss raus, komme aber immer wieder.“

Spontanität kaum möglich

In Frankfurt – dort bewohnt sie ein Appartement – hat sie „unheimlich viele neue Erfahrungen gemacht“, neue Dinge, neue Menschen und neue Orte kennengelernt. Andererseits kann sie sich nicht spontan mit Freunden in Diepholz treffen, zum Beispiel zum gemütlichen Essen beim Griechen. In Frankfurt habe sie sehr viele soziale Kontakte, sagt die 53-Jährige: „Es ist nicht so, dass ich mich einsam oder unwohl fühle. Wenn die Zeit es zulässt, gehe ich auch zum Sport.“

An ihrer Heimat in Diepholz jedoch hängt ihr Herz: „Da tanke ich wieder auf.“ Als kontaktfreudiger Mensch trifft sie sich gern mit Freunden, besucht Veranstaltungen und schätzt an Diepholz nicht nur das Wohnen im Grünen, sondern genauso Theater, Kino, Hallen- und Freibad.

Zeit für Lebensfreude

In ihrer Lebenssituation muss die gestandene Frau in wenig Zeit enorm viel organisieren: „Da muss man Prioritäten setzen, und daraus ergibt sich schnell, was mir wichtig ist und was nicht.“ In ihrer eng begrenzten Freizeit gilt: „Diese Zeit gehört der Lebensfreude. Die will ich nicht mit Problemen belasten.“

Lebensfreude ist es für Petra Bultmann aber auch, anderen Menschen etwas zu geben, sie in ihren Stärken zu bestärken und im Vertrauen in das eigene Können: „Das gibt mir etwas.“ Deshalb schult sie Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit – für das Unternehmen „Pippa & Jean“, das Designer-Modeschmuck und Lifestyle-Produkte vertreibt. 

„Das macht mir großen Spaß“, sagt die 53-Jährige – und formuliert ein Zukunftsziel so: „Ich will zurück in den Norden.“ Erfüllung sei dabei enorm wichtig: „Wenn Du Deine Passion gefunden hast, dann brauchst Du nie wieder arbeiten. Denn was man gerne tut, ist keine Arbeit.“ Petra Bultmann ist fest überzeugt: „Zwei Heimaten gibt es nicht. Für mich jedenfalls nicht.“

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