Nutria-Abschussrate steigt auf 238 Exemplare

Nutrias werden zur Plage

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Sie stammen usprünglich aus Südamerika und wurden in Deutschland einst als Pelztiere gezüchtet: Nutrias.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Bis zu 65 Zentimeter lang und bis zu 15 Kilogramm schwer können diese Nager werden: Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Nutrias machen sowohl Unterhaltungsverbänden als auch Jägern große Sorgen, weil sie sich ungehemmt vermehren – auch im Landkreis Diepholz.

Kreisjägermeister Cord-Hinrich Hespe kann das mit konkreten Zahlen beweisen. Erlegten die Jäger im Jagdjahr 2015/16 noch vier Exemplare dieser Art, waren es ein Jahr später bereits 92, während es im gerade abgeschlossenen Jagdjahr sage und schreibe 238 waren.

Im Landkreis Cloppenburg hat sich das possierliche Pelztier bereits zur Plage entwickelt. Dort ist nicht nur die Sorge um den Hochwasserschutz groß. Weil die auch Biberratten genannten Tiere durch ihre Wühltätigkeit Böschungen, Deiche und Dämme unterhöhlen können, waren Landwirte immer wieder gewarnt worden: Schwere landwirtschaftliche Maschinen könnten einsacken und umkippen.

Die Tiere sind jagdbares Wild, ihr Fleisch kann – nach der zwingend vorgeschriebenen Trichinenschau – verzehrt werden. Doch Jäger könnten, so erklärt der Diepholzer Kreisjägermeister, ungewollt eine Straftat begehen. Nämlich dann, wenn sie ein Junge führendes Muttertier erlegen. „Das sieht man aber erst am Gesäuge“, erläutert Cord-Hinrich Hespe.

Nutrias vermehren sich rasant

Weil sich Nutrias rasant vermehren und ausbreiten, gibt es landesweit Bestrebungen, den Mutterschutz für diese Tiere aufzuheben. „Dass Tierschützer sich damit schwer tun, kann ich verstehen“, sagt der Kreisjägermeister. Aber da Nutrias zu wenig natürliche Feinde hätten, bestehe Handlungsbedarf.

Mit der Aufhebung des Mutterschutzes „wären wir auf der sicheren Seite“, sagt der Kreisjägermeister. Zurzeit sei die Lebendfalle das Mittel der Wahl. Entdeckt der Jäger am Gesäuge ein führendes Muttertier, muss er es wieder frei lassen.

Zwei bis dreimal pro Jahr können Nutrias Nachwuchs, sprich bis zu acht Jungtiere, bekommen. Wurzeln, Blätter und Stängel stehen auf dem Speiseplan dieser Tiere. Sie fressen aber auch Flussmuscheln, Schnecken und Würmer.

Die Europäische Union hat Nutrias auf die Liste der so genannten invasiven Arten gesetzt – Tiere aus fremden Regionen, die sich in einer anderen Kulturlandschaft ausbreiten. Nutrias waren usprünglich in Pelzfarmen gehalten worden. Es gilt als gesichert, dass sich von dort entkommene Tiere weiter vermehrten und verbreiteten. Aus anderen Quellen geht hervor, dass Nutrias bewusst ausgesetzt wurden.

Vorkommen rund um den Dümmer besonders groß 

„In den Niederlanden werden Nutrias sogar stattlich bekämpft“, blickt der Kreisjägermeister auf den westlichen Nachbarstaat. Für die Niederlande ist die Bekämpfung der Nagetiere eine existenzielle Frage, weil große Teile des Landes nur knapp über dem Meeresspiegel oder darunter liegen. Rund 3 000 Kilometer Deich schützen das Land.

Im Landkreis Diepholz ist das Nutria-Vorkommen rund um den Dümmer besonders groß. Über die Hunte gelangen die Nager in den Seebereich – und verbreiten sich über den Ausfluss der Hunte weiter. Handlungsbedarf ist für Hespe dringend geboten: „Die Jägerschaft muss sich engagieren und den Nutria kräftig bejagen.“

Der Wasserverbandstag, ein Zusammenschluss der Unterhaltungsverbände in Niedersachsen, hat längst eine „gemeinsame Bekämpfungsstrategie“ gefordert, an der sich Landwirtschaftsministerium, Landesjägerschaft, Wasser- und Bodenverbände sowie alle Betroffenen beteiligen sollten. Ziel müsse es sein, „dass die Hochwasserschutzanlagen erhalten bleiben und keine Menschen zu Schaden kommen“.

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