Organisatoren im Interview

„Fridays for Future“ in Diepholz: „Wir müssen unbequem sein“

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Paula Tabke und Veit Mengedoth gehören zur Gruppe Diepholz „Fridays for Future“, die sich für mehr Klimaschutz engagiert und eine zweite Demo veranstaltet.

Diepholz – Sie engagieren sich für mehr Klimaschutz: Paula Tabke und Veit Mengedoth gehören zur regionalen Aktionsgruppe, die am Freitag, 23. August, die zweite Demonstration „Fridays for Future“ in Diepholz veranstaltet.

Außer den beiden Schülern des Diepholzer Gymnasiums Graf-Friedrich-Schule (GFS) gehören noch Johannes Luber, Hagen Nicolaysen und Joel Hoff dazu. Die zweite Demo in Diepholz ist Anlass für ein Interview. Die Fragen an Paula Tabke (16) und Veit Mengedoth (17) stellte Eberhard Jansen.

Etwa 350 Teilnehmer gab es bei der ersten Demonstration „Fridays for Future“ am 14. Juni. Wie viele erwartet Ihr dieses Mal?

Veit Mengedoth: Wir haben etwa 250 Teilnehmer angemeldet, hoffen aber, dass es mehr werden.

Die Schule hat begonnen, durch die Teilnahme an der Demo verpassen die Schüler Unterricht. Warum gab es „Friday-for-Future“-Aktionen in Diepholz nicht während der Ferien?

Veit Mengedoth: Wir bekommen Unterstützung von außen – unter anderem für die Technik bei der Kundgebung. In der Urlaubszeit wäre das schwierig gewesen.

Paula Tabke: Es gab in Deutschland viele Demonstrationen während der Ferien, die aber kaum auf Interesse stießen. Wir müssen unbequem sein und die Aktionen während der Schulzeit veranstalten. Arbeiter streiken ja auch nicht in ihrer Freizeit.

Wie reagieren Eure Lehrer darauf, dass Ihr statt in die Schule zur Demo geht? Wird das im Unterricht behandelt?

Paula Tabke: Die Teilnehmer wissen, was sie im Unterricht verpassen und nachholen müssen. Generell haben die Lehrer Verständnis.

Veit Mengedoth: In den Fächern Werte und Normen und Politik findet das Thema Platz und wird diskutiert.

Was tut Ihr persönlich für den Klimaschutz?

Veit Mengedoth: Ich minimiere meinen Fleischkonsum. Auch habe ich bislang erst eine Flugreise unternommen. Ich nutze viel das Fahrrad und für Fahrten zwischen meinem Wohnort Lemförde und Diepholz den Zug. Das klappt ganz gut.

Paula Tabke: Ich achte zum Beispiel bei Kosmetik auf Umweltverträglichkeit, nutze keine Einmal-Tücher zum Abschminken mehr. Für Zuhause kaufen wir nur noch Getränke in Glasflaschen. Ich versuche durch mein politisches Engagement, Leute von der Notwendigkeit des Klimaschutzes zu überzeugen.

Paula, Du bist im Urlaub auf Ibiza gewesen und hast ein Flugzeug als Verkehrsmittel benutzt. Wie passt das zu Deinem Engagement für den Klimaschutz?

Paula Tabke: Wir möchten nicht alle Sachen verbieten und technisch in die Steinzeit zurück. Ich habe aber auf einen weiteren Flug in den Ferien verzichtet und fordere auch, den Flugzeugtreibstoff Kerosin höher zu besteuern.

Gibt es weitere „Fridays-for-Future“-Aktionen in Diepholz?

Paula Tabke: Es gibt ja nicht nur die Demos. Unsere Gruppe arbeitet auch viel im Hintergrund – und das in unserer Freizeit. So haben wir zum Beispiel ein Gespräch mit dem Diepholzer Bürgermeister Florian Marré über Maßnahmen zum Klimaschutz in Diepholz geführt.

Wie beurteilt Ihr die kritischen, teilweise hämischen Kommentare in sozialen Netzwerken?

Veit Mengedoth: Das ist von erwachsenen Leuten ein extrem trotziges Verhalten. Wir rufen jeden auf, zu unserer Demo zu kommen und mit uns zu reden statt etwas im Internet zu posten. Jeder muss begreifen, dass Klimaschutz alle, die ganze Welt betrifft. Es macht keinen Sinn, wenn man sich dem Klimaschutz in den Weg stellt und zum Beispiel postet, dass man während der Demo eine Extra-Runde mit seinem Diesel-Auto durch Diepholz fahren werde.

Zur Info: Demo ab 11.40 Uhr

Die zweite „Fridays-for-Future“-Demonstration in Diepholz startet am 23. August um 11.40 Uhr an der Mediothek (Thouarsstraße). Für 12.15 Uhr ist einer Kundgebung auf dem Marktplatz vorgesehen. Die Ortsgruppe lädt nicht nur Schüler zur Teilnahme ein, sondern alle Bürger.

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