Bremer Travestiekünstler begeistert Publikum im Tuchmacherhaus

Von „La Paloma“ bis „New York, New York“

Kleine Bühne, großer Gesang: Sally Williams aus Bremen hatte keine Mühe, die Zuschauer im Tuchmacherhaus in ihren Bann zu ziehen. - Fotos: Bredemeyer

Diepholz - Von Helge Bredemeyer. Im Taubenschlag des Tuchmacherhauses wartete ein Publikum mit Spannung und Neugier auf den Travestiestar Sally Williams aus Bremen. Es war schon ein Fanpublikum, denn nur wenige Gäste waren ganz neu. Das erfragte sich Sally gleich in ihrer Begrüßung. Sally hatte für sie wirklich Neues dabei.

Gut für das kritische Publikum. Es sah und hörte genau hin. Nein, mehr Falten trotz drei vergangener Jahre konnten sie nicht ausmachen, vielleicht ein paar mehr Lachfalten. Die Tenorstimme war einschmeichelnd wie eh und je. Und, so beteuerte es Sally mehrmals: „Ich bin immer noch 39!“

Vor drei Jahren widmete sie die Show ihrer 30-jährigen Karriere. Immerhin fing die schon im Kleinkindalter als Fotomodell an. Die 18-jährige Mutter hatte das Kind zur Adoption freigegeben. Bei den Adoptiveltern zeigte sich das Talent. Er – noch nicht sie – liebte Musik und hing wie alle Pubertierenden seiner Zeit dem Bravo-Berater „Dr. Sommer“ an den Lippen. Gesangs- und Ballettunterricht zeigten neue Wege auf. Bald folgte eine gelungene Teilnahme am einer Travestie-Talentshow in Hamburg. Die Karriere begann im Kabarett „Sally and Suggar“, sie wurde zur „Wilden Sally“ und durchlief Musicals, Produktionen im Fernsehen, Lokale der Reeperbahn, Bühnen im Norden und Süden der Republik, besuchte Open-Air-Veranstaltungen wie Rockertreffen in Wildeshausen, den Krammarkt in Delmenhorst und ist aktuell auf Tournee mit ihrem Comedy Musical „Diva – von nun an geht’s bergab“.

Diepholz konnte als Abstecher mit einem „hausgemachten Programm“ eingefügt werden. Wenn hier auch kein zahlreiches Publikum im Taubenschlag Platz findet, so ist es doch ein sehr nahes und freundliches. 30 Gäste, die ihm näher als sonst auf die Finger, besser hier auf die schlanke Gestalt schauen, das hell gelockte Haar und die schicken Kostüme unter die Lupe nehmen und wie im Zimmertheater auf Tuchfühlung gehen.

„Die Knochen sind älter als das Gesicht“, räumt Sally ein und es wäre nicht ohne, ein ansprechendes Programm mit Gesang, Mimik und tänzerischen Bewegungen flott auf das Parkett zu legen. Dabei musste sie aufpassen, nicht mit den hoch eleganten Stöckelschuhen in den alten Bohlen des Taubenschlags stecken zu bleiben.

Im Blickkontakt mit ihrem Partner „Muckel“ (Markus Kock) in der Technik und der jeweils passenden Musikeinspielung, präsentierte sie ein Potpourri alter Melodien. „Beherzigen Sie meine Songs als Lebenshilfe“, riet sie und sang betörend „So schön kann doch kein Mann sein“ und „Wunder gibt es immer wieder“.

Ein bisschen mehr „Sexy Williams“ gab es nach der Pause. In Diepholz wollte sie ein „Zweitgeschäft“ aufmachen, verriet Sally. Kommentar aus dem Publikum: „Leere Geschäfte haben wir genug, herzlich willkommen!“ Sie suchte sich als Partner einen „Uwe“ (Sallys Fantasiename) unter den Gästen aus, der dann allerdings verblüfft wahrnehmen musste, dass es hieß, „auf den Strich zu gehen“.

„Spaß muss sein, sagte Sally, die mit einem „Happy Finale“ das Programm schloss. Es erklang noch Hans Albers’ „La Paloma “ und Liza Minnellis „New York, New York“. Klar, dass den Zuhörern eine geforderte Zugabe gewährt wurde.

Am Ende saßen die Künstlerin und das Publikum noch bei einem Glas Wein in der Klönstube beisammen. „Ich komme gerne wieder, sagte Sally Williams, die die Tuchmacherhaus-Atmosphäre sichtlich genoss.

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