„Ackerbau macht wieder Spaß“

So steht es um die Öko-Landwirtschaft im Kreis Diepholz

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Bio ist gefragt. 

Landkreis   Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Ökologische Landwirtschaft ist gefragt. 4,5 Prozent der niedersächsischen Anbaufläche sind schon dabei. Am stärksten ist die Nachfrage im Osten und Süden. „Wir werden förmlich überrannt von Landwirten, die umsatteln wollen“, erzählt Markus Mücke, Berater beim Fachbereich Ökolandbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der Landkreis Diepholz ist da noch etwas verhaltener. „Dort sind es etwa 3,5 Prozent. Man muss aber auch dazu sagen, dass es dort viel Tierhaltung gibt, und da ist die Umstellung nicht so leicht wie bei einem reinen Ackerbaubetrieb.“

Die Milchbetriebe seien die ersten gewesen, die umstellen wollten, so Mücke. Auslöser war die Milchkrise. „Aber inzwischen nehmen die Bio-Molkererien schon keine neuen Betriebe mehr an, weil der Markt das nicht verkraftet.“ Generell bereitet es Mücke ein wenig Sorgen, wenn er sich fragt, wie die Märkte in Zukunft reagieren.

Im Kreis Diepholz sei aber auch Schweinehaltung ein Schwerpunkt. „Dieser Bereich ist noch aufnahmefähig, Bio-Ferkel sind sehr gefragt.“ Allerdings ist eine Umstellung mit hohem Aufwand und auch Kosten verbunden, die nicht jeder Betrieb stemmen kann. „Die Tiere brauchen viel Auslauf. da muss man entweder umbauen oder gleich ganz abreißen und neu bauen.“ Ebenso sei es bei den Kühen, die entweder Auslaufboxen brauchen und auf die Weide müssen.

Im Bereich Geflügel herrsche Dynamik, aber auch dort sei es ruhiger geworden. „Viele Investitionen gehen in Mobil-Ställe. Mast und Eier werden gut nachgefragt.“

Am stärksten sei die Nachfrage jedoch bei Ackerbau. „Das hängt einmal mit dem gesellschaftlichen Druck zusammen, zum anderen wollen die Bauern aber auch selbst eine Veränderung. Sie sind frustriert, weil das Unkraut resistent geworden ist.“ Es sei nicht das Geld, dass die Landwirte locke, sondern wirklich ein Umdenken.

„Man muss wirklich offen sein“

Bei Bio-Getreide sei der Markt zurzeit unter Druck, weil aufgrund zu vieler Anbieter die Preise fallen. Anders sei es bei Gemüse, Kartoffeln und Rüben, die sehr gefragt seien. „Und in Diepholz gibt es einen hohen Anteil an Gemüse-Ökolandbau.“ Mit 6,6 Prozent liegt der Kreis 2018 auf Rang vier in Niedersachsen, noch hinter Nienburg (12,9 Prozent). Auf 141 Hektar werden Ökokartoffeln angebaut.

„Wer umstellen will, sollte sich einem Bio-Verband anschließen“, rät Mücke. „Märkte wie Rewe, Edeka und Lidl fordern das.“ Der Berater und seine Kollegen freuen sich über jeden Betrieb, der umsatteln möchte, aber „es muss auch passen“. Wenn sich herausstellt, dass es dem Betrieb schaden würde, raten sie auch davon ab. „Doch wenn einer richtig motiviert ist, suchen wir mit ihm zusammen nach Lösungen.“

Es gebe auch Landwirte, die mit dem Öko-Landbau das schnelle Geld wittern. „Die sagen: Ich hab meine Spritze verkauft, ich mach jetzt Öko. Aber das reicht nicht“, macht Mücke klar. „Man muss wirklich offen dafür sein, sich Zeit nehmen und damit beschäftigen. Nach der Umstellung geht die Arbeit richtig los.“ 

Umso mehr freut sich Mücke über Rückmeldungen wie diese: „Ein Ackerbauer sagte mir nach vier Jahren: Jetzt macht mir der Ackerbau wieder Spaß.“ Dafür spricht auch die Tatsache, dass es laut Mücke kaum Öko-Betriebe gibt, die sich wieder umstellen.

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