Oberstleutnant aus Mali absolviert Praktikum auf dem Fliegerhorst Diepholz

Logistik-Einblicke und erstes Krabbenbrötchen

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Gast aus Mali auf dem Fliegerhorst Diepholz: Oberstleutnant Batio Traoré mit dem Kommandeur des Waffensystem-Unterstützungszentrums 2, Oberst Olaf Stöcker.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Nahezu weltweit ist die Uniform von Luftwaffen-Soldaten blau. Nicht so in Mali. In dem westafrikanischen Staat haben nur die Schulterstücke diese Farbe. Aber nicht nur diese Äußerlichkeit soll sich ändern: Die Streitkräfte Malis stehen vor einer Umstrukturierung – unterstützt von der Bundeswehr. Im Rahmen des Ausbildungshilfe-Programms ist Oberstleutnant Batio Traoré auf dem Diepholzer Fliegerhorst zu Gast.

Der 39-jährige Logistik-Offizier aus Mali bekommt bei seinem Truppenpraktikum Einblicke in das Waffensystem-Unterstützungszentrum 2 – insbesondere in den Bereich der Wartung von Hubschraubern und Radar-Geräten. Dazu besucht der Offizier der malischen Luftwaffe auch die zu dem Diepholzer Verband gehörenden Standorte Wunstorf, Trollenhagen (bei Neubrandenburg) und Erndtebrück (Nordrhein-Westfalen). Begleitet wird er von Hauptmann Philipp Münster.

Der Gast aus Mali, der im Laufe seiner militärischen Karriere schon Ausbildungs-Stationen in China, Frankreich und den USA hatte, gibt aber den Soldaten des Fliegerhorstes auch Wissen zurück: Im Rahmen der politischen Bildung berichtet er über sein Land, das fünf mal so groß ist wie Deutschland, aber nur 15 Millionen Einwohner hat.

Traoré spricht schon gut Deutsch, obwohl er diese Sprache erst seit August beim Bundessprachenamt in Hürth lernt.

Nach seinem Praktikum in Diepholz geht er nach Hamburg, um am internationalen Generalstabslehrgang teilzunehmen. Bis Mitte 2016 bleibt Oberstleutnant Traoré in Deutschland. Seine Familie in Afrika wird der Vater von drei Kindern bis dahin nur im Urlaub sehen – und über Skype per Internet.

Traoré gehört laut Oberst Olaf Stöcker, Kommandeur des Waffensystem-Unterstützungszentrums 2, zu der neuen Generation malischer Offiziere, die sich nicht mehr stark an der Armee der früheren Kolonialmacht Frankreich orientieren. Die Ausrüstung der Streitkräfte Malis stammt teils aus Russland. So fliegt die dortige Luftwaffe Jets des Typs MiG 21 und hat Antonow-26-Transportflugzeuge.

Die Bundeswehr engagiert sich seit mehreren Jahren in Mali, um zur Stabilisierung des seit 1960 unabhängigen Landes beizutragen. Zurzeit sind 168 deutsche Soldaten dort im Einsatz – schwerpunktmäßig Pioniere, die malische Soldaten ausbilden. Das Pionierwesen der Streitkräfte Malis ist daher sehr an das der Bundeswehr angelehnt.

Vom Fliegerhorst Diepholz waren 2014 drei Soldaten als Spezialisten in Mali. Umgekehrt sind zurzeit knapp 20 Offiziere und Unteroffiziere zur Ausbildung bei Heer und Luftwaffe in Deutschland.

Bei seinem Aufenthalt in Diepholz lernt Batio Traoré, der vor seinem Eintritt in die Streifkräfte vor 20 Jahren Agrarwissenschaft studiert hatte, auch Kultur und Landschaft in Deutschland kennen. So sind private Ausflüge mit Oberst Stöcker an die Nordsee und ins Europäische Fachzentrum Moor und Klima („Moorwelten“) in Ströhen geplant.

Am Dümmer hat der afrikanische Offizier das erste Krabbenbrötchen seines Lebens gegessen. Sein Kommentar gestern beim Gespräch auf dem Fliegerhorst: „Es war lecker!“

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