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Novum: Hälfte der Fraktionsvorsitzenden im Kreistag weiblich

Sie sind Sprachrohr ihrer Partei im Kreistag: Die Fraktionsvorsitzenden haben eine besondere Funktion. Drei von sechs Fraktionen haben in dieser Wahlperiode eine Frau an der Spitze – in der SPD schon lange: Schon seit zehn Jahren führt Astrid Schlegel den sozialdemokratischen Flügel. Dass sie mit Kristine Helmerichs (Grüne) und Stephanie Budke-Stambusch (FDP) nun zwei Kolleginnen hat, begrüßt Astrid Schlegel: „Ich finde das toll! Beide sind Frauen mit sehr viel kommunalpolitischer Erfahrung.“

Landkreis Diepholz – Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen an der Fraktionsspitze? „Wahrscheinlich ist die Herangehensweise an politische Themen unterschiedlich“, vermutet Astrid Schlegel. In der praktischen Arbeit spiele das aber keine Rolle: „Da wird sehr sachorientiert an den Themen gearbeitet.“ Unterschiede gebe es in der Persönlichkeit eines jeden: „Man hat verschiedene Lebenswege und verschiedene Lebenserfahrungen.“ Das habe sicherlich Einfluss auf die Zusammenarbeit.

Für Astrid Schlegel (SPD) gibt es keine männlichen oder weiblichen Themen

Astrid Schlegel liegt es am Herzen, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen. „Das ist auf dem Weg, keine Frage“, sagt sie. Dennoch müsse man noch mehr dafür werben. Frauenspezifische Themen gibt es für die Weyherin nicht: Es gebe nur gesellschaftspolitische Themen, die alle betreffen: „Frauen, Männer, Senioren, Kinder, Jugendliche...“

Astrid Schlegel, Fraktionsvorsitzende der SPD

Welche sind die wichtigsten im Landkreis? „Wie gehen wir mit der Pandemie um?“, antwortet die 67-Jährige, „denn das Thema Krankenhaus und das Thema Gesundheitsversorgung – das ist nicht unbedingt identisch!“ Nicht zu vergessen die hausärztliche Versorgung, fügt die Sozialdemokratin hinzu: „Das ist nach wie vor ein dringendes Thema!“

Helmerichs (Grüne): Klimaschutz muss ernsthaft betrieben werden, auch wenn das unbequem ist

Die Gesundheitsversorgung müsse unbedingt gesichert sein, sagt Kristine Helmerichs, die neue Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen. Deshalb sei es wichtig, dass der Landkreis sein eigenes Krankenhaus betreibe, in das die Bürger gerne gehen, „weil die Qualität stimmt!“ Wichtig seien auch die Digitalisierung, an der ja schon gearbeitet werde, und die Verkehrssituation.

Kristine Helmerichs, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen

Das dringendste Thema ist für die 56-Jährige aber der Klimaschutz: „Da muss sich der Landkreis gut aufstellen und mehr tun als heute!“ Eine günstige Lage habe er bei den erneuerbaren Energien, bei Flächen für Windkraftanlagen. Aber auch im ÖPNV, im Baubereich und beim Radwegebau müsse der Landkreis „eine Menge tun, um seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“. Enorm wichtig für Kristine Helmerichs: „Das muss man mit Ernsthaftigkeit betreiben!“In dem Wissen: „Manchmal ist die Wahrheit unbequem.“

Frauen sind in der Politik noch immer unterrepräsentiert

Dass in dieser Wahlperiode drei Frauen an der Fraktionsspitze stehen, ist für Kristine Helmerichs eigentlich selbstverständlich: „Konsequenterweise ist das die Hälfte der Menschheit“, lacht sie. Trotzdem seien Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. „Gefühlt liegt der Frauenanteil bei einem guten Drittel“, sagt sie spontan, „es scheint, dass er sinkt“. Das sei eine Schieflage, denn die Gesellschaft bestehe nun mal zur Hälfte aus Männern und Frauen.

Handeln sie politisch unterschiedlich? „Frauen haben einen anderen Zugang zu Kooperation, Integrität und gemeinsamem Machen. Da haben sie ihre Stärke“, so Kristine Helmerichs. Ihrer Erfahrung nach arbeiten Frauen eher im Team und sind kooperativ: „Sie stellen das politische Ziel und die Leistung der Fraktion in den Vordergrund, sie legen keinen Wert auf Selbstdarstellung.“

Die Stuhrerin weiß aber auch: „Natürlich gibt es Gegenbeispiele.“ Ihr persönliches Fazit lautet aber: „Frauen sind ein bisschen pragmatischer und an der politischen Sache orientiert.“

Budke-Stambusch (FDP) warnt vor zu starker Überschuldung

Dass sich gleich drei an der Fraktionsspitze im Kreistag einbringen, empfindet Stephanie Budke-Stambusch als ganz normal und eigentlich nicht der Rede wert: „Wir haben 16 Jahre lang eine Bundeskanzlerin gehabt.“

Stephanie Budke-Stambusch engagiert sich seit 25 Jahren in der Kommunalpolitik und führt nun die FDP-Kreistagsfraktion. Zu Beginn ihrer politischen Arbeit damals habe es zwei Frauen im Ortsrat Lemförde gegeben, heute seien es sechs: „Da hat sich eine Menge getan!“ Unterschiede in der politischen Arbeit von Männern und Frauen hat die 48-Jährige nicht festgestellt: „Das hängt eher von der Chemie ab“, ist ihre persönliche Erfahrung. Und auch davon, „wie die Leute ticken!“, fügt sie bewusst salopp hinzu.

Stephanie Budke-Stambusch, Fraktionsvorsitzender der FDP

Politisch gebe es in der Tat viele Dinge zu gestalten, aber das wichtigste Thema seien die Finanzen: „Wir wissen jetzt schon, dass wir die Haushalte des Landkreises Diepholz in den kommenden Jahren nicht ausgleichen können“, stellt sie nicht ohne Soge fest, „und Corona tut das Übrige.“ Deshalb werde der Landkreis seine Ausgaben ganz genau prüfen müssen. Stephanie Budke-Stambusch ist sicher: „Wir werden in einigen Bereichen auf freiwillige Aufgaben verzichten müssen. Leider.“

Landkreis sollte nicht zu viele Kosten tragen, die in Landesbereiche fallen

Gerade im Jugend- und Sozialbereich müsse gründlich geprüft werden. Mit Sorge betrachtet sie die förmlich explodierenden Kosten bei der Schulbegleitung. Außerdem: Die Schulsozialarbeit und die kostenlose Schülerbeförderung in der Sekundarstufe II seien wichtig, sagt die liberale Fraktionsvorsitzende. „Aber sie gehören nicht in den Haushalt des Landkreises, sondern in den des Landes in Hannover“, betont sie die Zuständigkeiten. „Wir müssen darauf achten, dass wir uns nicht zu stark verschulden“, mahnt sie, denn der Landkreis müsse große und wichtige Projekte finanzieren – wie den Breitbandausbau und die Zentralklinik in Borwede.

Unabhängig davon: Die FDP-Fraktionsvorsitzende wünscht sich von Herzen, dass Kinder und Jugendliche nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder einen Alltag ohne Einschränkungen erleben können – beim Sport und in der Freizeit sowie bei Klassenfahrten: „Das kennen sie schon gar nicht mehr!“, bedauert Stephanie Budke-Stambusch – und mahnt: „Kinder und Jugendliche sind in den Jahren der Pandemie auf der Strecke geblieben.“

Rubriklistenbild: © Seidel

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