Lager voll

Mit Notfall-Regelungen auf Gülle-Flut vorbereitet

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Land unter auf einem Feld in Bassum – solche Bodenverhältnisse gibt es zurzeit in vielen Regionen. Bleibt das Wetter so, können Landwirte ihre Gülle auch ab 1. Februar nicht ausbringen. Die aufgeweichten Böden sind nicht befahrbar. 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Die Gülle steht den Landwirten bis zum Hals – so könnte man die Lage beschreiben, die Viehhalter auch im Landkreis Diepholz zurzeit bewältigen müssen. Die Behälter sind randvoll, weil die Bauern den Wirtschaftsdünger bis zum Beginn der Sperrfrist im November kaum auf die Flächen bringen konnten. 

Die extrem starken Regenfälle hatten die Böden aufgeweicht und unbefahrbar gemacht. Landwirten in Not erlaubt der sogenannte „Havarie-Erlass“ die Gülle-Ausbringung jetzt innerhalb der Sperrfrist – aber nur unter strengsten Auflagen.

Regulär dürfen Landwirte den Wirtschaftsdünger ab 1. Februar wieder auf die Flächen bringen. Doch bleibt es beim Dauerregen und den unbefahrbaren Böden, würde sich die ohnehin stark angespannte Lage noch verschärfen. Deshalb wünscht sich Kreislandwirt Wilken Hartje vor allem eines: dass Güllefahrzeuge ab Februar auch auf gefrorenen Böden ihre Fracht ausbringen dürfen.

Der Landwirt aus Syke-Clues hat 2.500 Mastschweine im Stall. Tag für Tag steigt der Pegel im Güllebehälter. „Wir konnten kaum was ausbringen“, blickt Hartje zurück. Die neue Düngeverordnung, die späte Ernte und vor allem die Witterung hätten zu der jetzigen Lage beigetragen.

„Die Problematik ist da“

Wie angespannt sie ist, beweist das Notruf-Telefon, das die Landwirtschaftskammer in Nienburg schon über die Weihnachtsfeiertage eingerichtet hatte – für Landwirte, die ihre Gülle absolut nicht mehr unterbringen können. „Es hat aber keine Notfälle gegeben“, so berichtet Henrich Meyer zu Vilsendorf, Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer in Nienburg. „Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Entscheidend ist, wie es weitergeht“, sagt Meyer zu Vilsendorf.

Genau das fragt sich auch Henning Böse aus Bassum-Bramstedt. Er hält 100 Milchkühe und 100 Rinder auf seinem Hof. Auch er konnte einen großen Teil der Gülle vor Sperrfrist-Beginn nicht ausbringen. „Die Problematik ist da“, sagt Böse – und glaubt, dass die Kapazitäten des Güllebehälters auf dem Hof noch bis Anfang März halten – auch wenn er zurzeit besonders viel aufnehmen muss: „Er kriegt von oben Wasser“, blickt Böse auf die extremen Niederschläge. Außerdem fließt das Wasser der Siloplatte in den Behälter.

Freie Kapazitäten unverzüglich melden

Längst hat der Landvolkverband Diepholz einen Aufruf zur Nachbarschaftshilfe gestartet. „Bevor eine Ausbringung von Gülle aufgrund des ,Havarie-Erlasses’ erlaubt werden kann, müssen die Behörden alle Alternativen prüfen. 

Dazu gehört auch die Nutzung freier Lagerkapazitäten in der Nachbarschaft“, ist auf der Internetseite des Landvolks nachzulesen – und weiter: „Im Zusammenhang mit der Prüfung von Lagermöglichkeiten in Nachbarbetrieben inklusive von zuletzt nicht mehr genutzter Kapazitäten in Altgebäuden hat das Landvolk mit der Landwirtschaftskammer vereinbart, dass die Bezirksstellen die Erfassung solcher freien Kapazitäten ab sofort übernehmen. Wir bitten daher, die Ihnen bekannten freien Kapazitäten unverzüglich bei der jeweiligen Bezirksstelle zu melden“, appelliert das Landvolk an die Landwirte.

Notfall-Maßnahmen letzter Ausweg

Stefan Wöbse kennt die Lage genau, denn der Geschäftsführer des Maschinenrings Diepholz/Sulingen bringt ohnehin Landwirte zusammen – solche, die Gülle abgeben wollen, und solche, die den Wirtschaftsdünger aufnehmen. „Die Situation ist sicherlich angespannt“, beschreibt Wöbse die aktuelle Lage. Aber es gebe noch „die eine oder andere Kapazität.“ Dramatisch könne es aber werden, sagt der Geschäftsführer, wenn die Flächen im Februar nicht befahrbar wären.

Der „Havarie-Erlass“ des niedersächsischen Landwirtschafts- und Umweltministerium schreibt eindeutig vor: Erst wenn Landwirte alle nur denkbaren Alternativen ausgeschöpft haben, dürfen sie Notfall-Maßnahmen beantragen – wie die Gülle-Ausbringung per Sondergenehmigung oder den Bau einer provisorischen Güllelagune.

Energie aus Mais und Gülle

Nur in Abstimmung mit der Dünge- sowie der Wasserschutzbehörde ist das möglich. Letztere ist beim Landkreis Diepholz angesiedelt. Wie Erster Kreisrat Wolfram van Lessen auf Anfrage berichtete, hat noch kein Landwirt einen solchen Antrag gestellt. Ein Notfall sei bisher nicht bekannt geworden.

Zu den nachweislich zu prüfenden Alternativen gehört die Gülle-Verwertung in Biogas-Anlagen. Davon kann Wilken Hartje Gebrauch machen: „Ich bin froh, dass ich und meine Kollegen unsere Biogas-Anlage haben.“ 13 Kubikmeter Gülle kann sie aufnehmen. Aus zwei Dritteln Mais und einem Drittel Gülle entsteht dann Energie.

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