Normal ist anders

50 Jugendliche mit und ohne Behinderung beim gemeinsamen Workshop

Ninia LaGrande (Mitte), Autorin, Moderatorin, Bloggerin und Slam Poetin aus Hannover, erklärt den Jugendlichen beim Workshop in Diepholz, wie sie am besten eine Geschichte für ihr Gedicht entwickeln. - Foto: Spahr

Diepholz - Von Luka Spahr. Wer im Duden nach dem Wort „normal“ sucht, stößt auf Synonyme wie alltäglich, gewöhnlich, durchschnittlich oder bewährt. „Aber wer will denn bitteschön dann normal sein? Ich bin lieber anders!” Mit diesen Worten hieß die Diepholzer Diakonin Frauke Laging am Samstag etwa 50 Kinder und Jugendliche bei einem Workshop in der St.-Nicolai-Kirche willkommen.

Das Motto der Veranstaltung: „Normal ist anders“. Und diese Aussage wurde an dem Tag von den Teilnehmern mit allen Facetten gelebt. Doch was lockte diese große Anzahl von Jugendlichen, unter ihnen etwa ein Drittel mit einer Behinderung, zu der Veranstaltung?

Vermutlich waren es neben der Idee, Jugendliche mit und ohne Behinderung in Kontakt zu bringen, vor allem die Referenten des Workshops, die das Interesse der Teilnehmer weckten. Die Veranstalter sparten nämlich nicht am Programm. Über den ganzen Tag wurden rund um die Kirche und das Gemeindehaus drei verschiedene Workshops angeboten.

Monika Windels bastelte mit den Teilnehmern kleine Flip-Books, auch Daumenkinos genannt. Die in der Region und durch das Sat1-Frühstücksfernsehen auch überregional bekannten Musiker Jens Lühmann (alias Hens Hensen) und Sebastian Fabick luden die Jugendlichen dazu ein, ihren Song „Ich bin wie du” umzutexten und mit eigenen Aussagen zu versehen. Und dann war da auch die bekannte Hannoveranerin Ninia LaGrande, die das anbot, was sie am besten kann: Texte verfassen und sie in einem Poetry Slam vortragen.

Da war für reichlich Auswahl gesorgt, und als es am Vormittag nach einer Begrüßung durch Frauke Laging und Superintendent Klaus Priesmeier schließlich hieß, sich für einen Workshop zu entscheiden, fiel bereits vielen Teilnehmern die Entscheidung sehr schwer. So kam es auch vor, dass in der Mittagspause – bei Pizza und Limo – noch einmal kurz die Gruppe gewechselt wurde. Das stellte aber kein Problem dar.

Im Vorfeld hatte Frauke Laging für die Werbung in der Kirchenzeitung, bei der Diepholzer Lebenshilfe und in Veranstaltungen der evangelischen Kirchengemeinde gesorgt. Mit Erfolg. Über seine Lehrerin bei der Lebenshilfe hatte auch der 18-jährige Joris Baum-Renken aus Rehden von dem Workshop erfahren. Er war gleich begeistert und wollte dabei sein. 

„Ich bin wie du“

„Ich liebe Musik und singe den ganzen Tag”, sagte er und gab gleich eine kleine Kostprobe seines Gesanges. Joris hat sich daher für die Musiker-Gruppe von Jens Lühmann und Sebastian Fabick entschieden. Nachdem die knapp 15 Gruppenmitglieder sich den Song „Ich bin wie du” des Songwriter-Duos angehört hatten, ging es gleich in die Schreibwerkstatt. Behandelte der Text im Original noch den Flüchtlings-Zustrom in Deutschland, wurde er nun an das Motto der Veranstaltung angepasst und sollte fortan Vielfalt, Inklusion und ein gemeinsames Miteinander ausdrücken. Nach der Mittagspause übernahm Jens Lühmann den Staffelstab von Texter Fabick und richtete die Gesangsmikrofone auf die Gruppe. Das Ziel: Jeder soll am Ende des Tages eine MP3-Aufnahme des selbst eingesungenen Liedes mitnehmen können.

Eine beinahe ebenso große Begeisterung herrschte einen Raum weiter im Gemeindehaus beim Flip-Book-Basteln. Monika Windels wurde dabei durch ihre Tochter Anna unterstützt. Gemeinsam zeigten die beiden den Teilnehmern, dass die filigrane Arbeit neben Kreativität vor allem Fingerspitzengefühl erfordert. Louisa Wessel aus Barnstorf hatte bereits am Vormittag ihr erstes Daumenkino fertig. Es zeigt ein Eichhörnchen, das flink einen Baum hinaufklettert und sich versteckt.

Bunte Projekte

Während die Bastel-Gruppe vor dem Mittagessen bereits erste Erfolge vorweisen konnte, ging es im ersten Stock des Gemeindehauses etwas langsamer zu. Die Poetry-Slammerin, Autorin und Bloggerin Ninia LaGrande, die selbst eine Behinderung hat, lag der Workshop besonders am Herzen. Ihrer Gruppe will sie zuerst mit einigen Zeitungs-Schlagzeilen das Texten beibringen, bevor es am Nachmittag nach einer kurzen Aufwärm-Übung schließlich an den finalen Text geht. „Nicht jeder ist vielleicht ein Schreibtalent in der Gruppe, aber vielleicht können diejenigen ja die Texte super toll vortragen”, so die Hannoveranerin.

Als dann am frühen Abend schließlich alle Gruppen ihre Ergebnisse präsentierten, war die Anspannung groß. Der Workshop war am Ende aus Sicht der Veranstalter, der Teilnehmer und auch der begleitenden Jugendgruppenleiter mehr als gelungen.

„Wir hatten heute gar nicht den Anspruch, dass gleich tausende neue Freundschaften entstehen. Aber vielleicht ja einige Bekanntschaften. Das Ziel ist, dass die vielleicht bestehenden Unsicherheiten zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut werden. Da ist es dann auch ein Erfolg, wenn sich die Jugendlichen nach dem Workshop freundlich auf der Straße grüßen und hier eine schöne, gemeinsame Zeit hatten”, meinte Diakonin Frauke Laging.

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