Rund 100 Interessierte beim Informationsabend „Flüchtlinge in Diepholz“

„Es nimmt Fahrt auf“

Rund 100 Interessierte kamen zum Informationsabend „Flüchtlinge in Diepholz“. - Foto: Reckmann

Diepholz - Den Blick in die Glaskugel konnte und wollte niemand wagen. Wie geht es weiter beim Thema Flüchtlinge? Werden die Zahlen der ankommenden Menschen wieder steigen? Wie sieht es mit dem Familiennachzug aus? „Ich kann Ihnen dazu keine Antwort geben“, räumte Bürgermeister Dr. Thomas Schulze gleich zu Beginn des Informationsabends „Flüchtlinge in Diepholz“ am Mittwoch im Rathaus ein. Die Weichen werden auf anderen Ebenen gestellt.

Doch auch und vor allem vor Ort – auf der lokalen Ebene – stehen Menschen vor den Herausforderungen, die sich aus der Flüchtlingsfrage ergeben und sie nehmen sie an.

Auf Einladung der Stadt und des Diakonischen Werks stellten sich am Mittwochabend viele der Akteure vor, die sich um die Neuankömmlinge kümmern, und sie standen den Bürgern Rede und Antwort. Moderator Ulrich Halfpap, Vorsitzender des städtischen Ausschusses für Familie, Sport und Kultur, konnte rund 100 Besucher im Ratssaal begrüßen.

„Dezentral, nah am Menschen“, so nannte Schulze die Maxime, die die Stadt bei der Unterbringung und Versorgung der Neuankömmlinge verfolge. Und das solle so bleiben. Man werde keine „große Einrichtung“ schaffen müssen, so der Bürgermeister, „da bin ich sicher, dass wir das schaffen werden.“

Schulze lobte die Anstrengungen, die die vielen Akteure in ehrenamtlicher und hauptamtlicher Flüchtlingsarbeit sowie Verwaltung unternähmen, um die Menschen hier ankommen zu lassen. Nach der Unterbringung stehe jetzt die Integration im Zentrum.

Die verschiedenen Akteure in der Flüchtlingsarbeit stellte Brigitte Suckut, Flüchtlingssozialarbeiterin mit Sitz im Diakonischen Werk, in ihrem Vortrag vor, von den Familienpaten über die ehrenamtlich betriebene Kleiderkammer bis hin zu ehrenamtlichem Deutschunterricht. Man habe angefangen mit einer Handvoll Ehrenamtlicher, mittlerweile bestehe der Kreis aus rund 60 ehrenamtlichen Familienpaten, regelmäßig gibt es Arbeitstreffen. „Es nimmt Fahrt auf“, sagte Suckut. Seit Anfang des Monats wird sie von Lena Vornhusen unterstützt. Diese stellte beispielhaft vor, welche Gänge die Neuankömmlinge bewältigen müssten, wenn sie nach Diepholz kommen: Anmeldung, Versorgung, Behörden. Die Arbeit der Familienpaten sei dabei eine große Hilfe.

Auch wenn das von den Maltesern betriebene „Haus Malta“ am Fliegerhorst eine Landeseinrichtung ist und damit nicht in die Zuständigkeit der Stadt fällt, so war dessen Leiter, Rainer Scherer, dennoch als Referent gefragt am Mittwochabend. Scherer hatte ein Lob für die Bürger parat: „Ich bin froh, dass Diepholz so positiv gestimmt ist gegenüber Asylbewerbern, denn ich habe nicht ein negatives Wort gehört.“

Die für 288 Bewohner ausgestattete Erstaufnahmeeinrichtung ist derzeit mit 45 Menschen belegt. Etwa 1800 Flüchtlinge seien seit Gründung der Einrichtung schon hier angekommen, etwa 1200 seien geblieben, die durchschnittliche Verweildauer der Menschen betrage drei Wochen, bis sie dann an die Kommunen weiterverteilt werden.

In der anschließenden Fragerunde meldeten sich mehrere Zuhörer zu Wort, die über Hürden bei der Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt berichteten, aber auch über Wege, wie dies gelingen könnte.

Ingrid Kock bilanzierte für die Kleiderkammer an der Hinterstraße, dass sie bisher 120 Familien versorgt habe. Sie monierte, dass es bislang keine Fahrtkostenerstattung der Stadt für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer gebe.

Es gelte, die Ehrenamtlichen gleich zu behandeln, antwortete der Bürgermeister. Man wolle keine Ausnahmen schaffen, so Schulze, die bei anderen Ehrenamtlichen, beispielsweise bei der Feuerwehr, „zu Unfrieden“ führen könne.

Quote verlängert

Eine wichtige Nachricht kam einige Stunden zu spät: Bei der Informationsveranstaltung „Flüchtlinge in Diepholz“ hatte Florian Marré, bei der Stadt Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, Familie und Bildung, über die derzeitige Unterbringungsquote gesprochen. Bis Ende April hat die Stadt demnach ein Aufnahme-Soll von 297 Personen; bei 249 Flüchtlingen und Asylbewerbern, die hier bereits leben, wären es also noch 48 Personen, die bis dahin aufzunehmen sind.

Gestern Morgen erhielt Marré nun eine Nachricht aus Hannover: Die bisherige vom Land vorgegebene Quote für die Unterbringung von Flüchtlingen ist um drei Monate verlängert worden. Die Stadt hat also bis zum 31. Juli Zeit, die 48 Menschen unterzubringen.

Beim Info-Abend im Rathaus hatte der Fachbereichsleiter „Zahlen, Daten, Fakten“, zum Thema „Flüchtlinge“ mitgebracht. Von den 249 Personen, die derzeit hier leben, sind 210 im Asylverfahren, 39 Personen haben ein abgeschlossenes Asylverfahren mit dem Status „Duldung“.

Waren im Jahr 2011 noch sechs Asylbewerber in Diepholz gemeldet worden, waren es 2013 schon 28. Im vergangenen Jahr kamen 110 Flüchtlinge in die Kreisstadt, in diesem Jahr bereits 42.

Menschen aus 17 Nationen leben derzeit in den städtischen Unterkünften, die größten Gruppen kommen aus Syrien, Pakistan und Montenegro, die meisten von ihnen in der Altersgruppe von 21 bis 30 Jahren. Untergebracht sind sie im gesamten Stadtgebiet, wobei Wert auf dezentrale Unterbringung gelegt werde.

Marré stellte auch die finanziellen Leistungen für Flüchtlinge dar, die sich auf 364 Euro pro Monat für Einzelpersonen und 654 Euro für Ehepaare belaufen. Eine vierköpfige Familie erhält zwischen 1094 und 1234 Euro. Daneben gibt es weitere Leistungen, beispielsweise aus dem Paket Bildung und Teilhabe sowie Sprachkurse.

Schließlich war auch die Sicherheitslage Thema. Laut Polizei gebe es im Stadtgebiet keine nennenswerte Zunahme von Straftaten in den vergangenen sechs Monaten. Die Sicherheitslage sei absolut ruhig, zitierte Marré den Polizeibericht. Großer Wert werde auf Prävention gelegt, es gebe einen guten Austausch zwischen der Polizei und den Einrichtungen.

Wie schon Bürgermeister Dr. Thomas Schulze zuvor lobte der Fachdienstleiter den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Kräfte in der Flüchtlingsbetreuung. „Die Verwaltung würde das allein so nicht schaffen“, räumte Marré ein.

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

„Best Place to Learn“: Lloyd Shoes setzt in der Ausbildung auf Teamarbeit

„Best Place to Learn“: Lloyd Shoes setzt in der Ausbildung auf Teamarbeit

Platz eins für „Lloyd“

Platz eins für „Lloyd“

Nach Straftat traumatisiert

Nach Straftat traumatisiert

Kommentare