1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Diepholz

Nicht nur an der GFS in Diepholz geschätzt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Werner Zeeb, früherer Leiter der Graf-Friedrich-Schule (GFS) Diepholz, starb im Alter von 89 Jahren.
Werner Zeeb, früherer Leiter der Graf-Friedrich-Schule (GFS) Diepholz, starb im Alter von 89 Jahren. © Jansen

Diepholz – Ein Mann, der nicht nur am Gymnasium Graf-Friedrich-Schule (GFS) große Spuren hinterlassen hat, der dort ebenso menschlich geschätzt wie respektiert wurde und sich in Diepholz auch in anderen Bereichen engagierte, ist tot: Werner Zeeb starb im Alter von 89 Jahren. GFS-Geschichtslehrer Frank Wiggermann würdigt Zeeb im folgenden Nachruf:

Ursprünglich wollte Werner Zeeb Tiermedizin studieren. Als er jedoch in der Abschlussklasse als „freiwilliger Aushilfslehrer“ vorübergehend in einigen Klassen 5 stundenweise Unterricht erteilen durfte, machte ihm das so viel Spaß, dass er beschloss, den Lehrerberuf zu ergreifen. Die ideellen Gründe waren für Werner Zeebs Berufswahl ausschlaggebend. Er spürte, dass ihm dieser Beruf Freude machen würde, und so ist es von seinem Eintritt in das Lehrerkollegium der Graf-Friedrich-Schule 1960 bis zu seinem Ausscheiden als Schulleiter 1997 geblieben. Er hat seine gesamte Lehrerlaufbahn an der GFS absolviert.

„1932 in Uelzen geboren; 1952 Abitur, anschließend Studium in Marburg und Göttingen (Englisch, Latein und Leibesübungen), 1957 1. Staatsexamen, Referendarausbildung in Celle und Lüneburg, 1960 2. Staatsexamen und Anstellung als Assessor an der GFS. Seit 1965 verheiratet, 4 Kinder. Außerschulisch aktiv und passiv im Sport engagiert – z. Zt. Vorsitzender der SG Diepholz, von 1962 – 1977 als stellv. Landessportwart und Lehrwart im Niedersächsischen Behinderten-Sportverband.“ Diesen stichwortartigen Lebenslauf lieferte der frischgebackene Oberstudiendirektor Werner Zeeb den kritischen Redakteuren der damaligen Schülerzeitung „Einblick“ (1978/79). Ins „Kreuzverhör“ nehmen wollte die mittlerweile politisierte Schülerschaft ihren jungen Schulleiter. An Zeebs Antworten prallten die gesellschaftlichen Polarisierungen der Zeit einfach ab: Materielle Gründe bei der Berufswahl habe er nicht gehabt, berufliche „Desillusionierung“ war ihm (zeit seines Lebens) fremd, unter seiner neuen Stellung als Direktor stelle er sich einen „Gleichen unter Gleichen“ vor, eröffnete er den jugendlichen Redakteuren. Sein Führungsstil ziele auf Mitarbeit und Mitverantwortung der für das innere Schulleben verantwortlichen Gremien wie Kollegium, Schülervertretung und Elternrat. Er wolle eine mehr als nur „erträgliche“ Schul- und Unterrichtsatmosphäre schaffen. Das war Balsam in den Ohren der Jugendlichen. Einen „Feind“ hatten sie im ehemaligen Vertrauenslehrer Zeeb nicht.

Seit 1960 am Diepholzer Gymnasium

Das Geburtsjahr 1932 hatte Werner Zeeb das Glück eines glatten Starts in die zweite deutsche Demokratie, die Bundesrepublik Deutschland, beschert: Er war nach der vierten Volksschulklasse in Uelzen auf eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Ilfeld im Südharz gegangen. Die herausragende Rolle des Sports hatte ihn geprägt, nicht aber die politische Indoktrination, die er nach 1945 hatte abwerfen können.

Diepholz war 1960 Werner Zeebs „Wunschstadt“ nicht gewesen, aber das Eis mit dem damaligen GFS-Schulleiter Heinrich Müller-Hartmut brach. An der Abiturentlassung im Frühjahr 1966 hielt Studienrat Zeeb der Masse von Oberstufenschülern deren Gleichgültigkeit und Lethargie vor Augen. Eindringlich verlangte er von den Schülerinnen und Schülern Konzentration und Engagement. Seit 1977 hat der neue Schulleiter Zeeb das Erbe der 68er-Zeit angetreten und einen dialogischen Zugang zur Schülerschaft gefunden, ohne die fachlichen Anforderungen eines Gymnasiums infrage zu stellen.

Zeit des Umbruchs

Gleich Zeebs erstes Schulleiterjahr 1977/78 war eine Zeit des Umbruchs: Im Juni 1978 hat Zeeb den letzten Abiturientenjahrgang des in Klassenverbänden gegliederten alten Oberstufensystems verabschiedet. Das neue Kurssystem der reformierten Oberstufe war schon in die Jahrgänge 11 und 12 eingezogen. Einführung der Orientierungsstufe, Gesamtschuldiskussionen und massiver Unterrichtsausfall – Zeeb sorgte in schwierigen Zeiten für Kontinuität. Er ging auf die Schülerinnen und Schüler zu, die die Lehrerschaft mit Parolen wie „Einheitsschule ohne Zensurengebung“ provozierten, bot politische Arbeitsgemeinschaften an und las im Englischkurs mit ihnen Bücher über die Revolte der Schwarzen in Amerika. Manche Gemüter beruhigten sich.

Initiator des Stelenpfades am Diepholzer Schloss

Werner Zeeb war nicht nur als GFS-Direktor engagiert, sondern auch ehrenamtlich. 60 Jahre war er Mitglied der Sportgemeinschaft (SG) Diepholz und zehn Jahre lang (1977 bis 1987) Vorsitzender dieses großen Vereins, der ihn 2003 zum Ehrenmitleid ernannte. Auch engagierte er sich im Vorstand des Heimatvereins Diepholz. Zeeb war Initiator des Stelenpfades, der rund um das Diepholzer Schloss über Entwicklungen, Institutionen und Firmen der Stadt informiert.

Schulleiter Zeeb hat mehrfach Eltern auf dem Land, in Barnstorf und Lemförde, besucht, da einige Erziehungsberechtigte den Besuch eines Gymnasiums trotz hervorragender Zensuren ihrer Kinder nicht für notwendig erachteten. Die Kinder legten glänzende Abschlüsse an der GFS hin. Die Graf-Friedrich-Schule hat in der Ära Zeeb die Schüleraustauschprogramme weiter gepflegt und internationalisiert: unter anderem die Kontakte nach Thouars (Lycée Jean Moulin) in Frankreich und unter Leitung von Paul M. Boggs zur Unionville High School in Pennsylvania (USA). Später wurde das Programm für Global Classroom (seit 1997) erarbeitet.

Schüler-Spalier am letzten Schultag

Sein souveränes Schulleiterhandeln mit seiner Ehefrau Hedda an der Seite hat die Graf-Friedrich-Schule endgültig dahin zurückgeführt, wo sie 1923 gestartet war: in die Demokratie. Mit einer großen Aufführung des Shakespeareschen „Sommernachtstraums“ hat Manfred Redetzky (Regie) den abtretenden Schulleiter 1997 zum Abschied beschenkt. An seinem letzten Schultag holte ihn die Schulgemeinschaft von zu Hause aus der Storkmannstraße ab. Die GFS-Schülerschaft bildete ein langes Spalier bis zum Eingang der Graf-Friedrich-Schule.

Auch interessant

Kommentare