Nicht nur Musik abspielen

Regionalrepräsentant des Berufsverbandes Discjockey im Interview

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Er setzt sich für ein anerkanntes DJ-Berufsbild ein: Hans-Hermann Dittmer (DJ „MakeMeSmile“) ist Regionalrepräsentant des Berufsverbandes Discjockey. 

Diepholz - Von Eberhard Jansen. DJ darf sich jeder nennen. Der Beruf, der früher „Discjockey“ genannt wurde, ist nicht geschützt. Folglich tummeln sich sehr unterschiedlich qualifizierte Männer und Frauen an den Musikanlagen und sorgen mal mehr, mal weniger für gelungen-stimmungsvolle Partys und sonstige Veranstaltungen. Hans-Hermann Dittmer kämpft für Qualität am DJ-Pult. Sein Ziel ist ein anerkannter Beruf mit entsprechender Ausbildung. Der Diepholzer ist seit 30 Jahren selbst DJ und Moderator. Jetzt wurde der 50-Jährige zum Regionalrepräsentanten des Berufsverbandes Discjockey (BVD) ernannt. Anlass für unsere Zeitung, ein Interview mit ihm zu führen.

Der Berufsverband Discjockey dürfte vielen nicht bekannt sein. Was steckt dahinter?

Hans-Hermann Dittmer: Der BVD ist die 1982 gegründete, größte bundesweite Vereinigung von Discjockeys für Discjockeys. Mit über 1 000 Mitgliedern ist der BVD der größte Zusammenschluss von DJs in ganz Europa. Auch Fördermitglieder, Künstler, Manager, Produzenten und andere Funktionäre der Unterhaltungsbranche gehören dazu. Der Verband gibt auch die Fachzeitschrift DJ-Magazin heraus – mit Berichten über Neuigkeiten aus den Bereichen Musik, Technik und Trends.

Welche Ziele hat der BVD?

Dittmer: Kontakte zu knüpfen unter den Mitgliedern, Austausch und Vernetzung untereinander, die Anerkennung der Branche in der Öffentlichkeit sowie die Weiterbildung und Qualifizierung der Mitglieder zu kompetenten Partnern in Sachen Musik und Entertainment. Ein wichtiges Ziel ist, ein Berufsbild beziehungsweise ein IHK-Zertifikat für DJs zu schaffen. „Fachkraft für Musik-Entertainment“ könnte das beispielsweise heißen.

Was sind ihre Aufgaben als Regionalrepräsentant?

Dittmer: Ich organisiere die DJ-Treffen hier in der Region. Das erste Treffen ist für den 28. November in Diepholz im „Haus Herrenweide“ geplant. Eingeladen habe ich fast 350 Kollegen.

Wie sind Sie DJ geworden?

Dittmer: Ich hatte schon als Kind mit zehn Jahren die Idee, mit Schallplatten auf Feiern Musik zu machen. Damals war das in unserer Region noch undenkbar. Entweder, man hatte eine Kapelle – so hieß das damals – oder es gab keine Party. Ein Keyboard hieß damals noch Orgel. Den klassischen Alleinunterhalter gab es auch nicht – abgesehen von alten Männern mit einem „Schifferklavier“. In der Konfirmandenzeit habe ich dann auf „Konfirmandenpartys“ die ersten Gehversuche unternommen. Von da an nahm der Wahnsinn seinen Lauf. Jetzt bin ich mit 50 Jahren einer der „alten Säcke“ in der Branche und seit über 30 Jahren als DJ und Moderator unterwegs.

Seit dem hat sich sehr viel getan...

Dittmer: In der Tat. Früher legten wir Schallplatten auf. Die Plattenspieler – heute sagt man Turntable – kamen von Thorens, Dual oder Lenco. Schallplatten wurden nass abgespielt. Eine Lichtanlage brauchten wir nicht. Nebel war nicht notwendig, denn ein guter Gastgeber bot seinen Gästen „Rauchwaren“ an. Irgendwann gab es dann den Umstieg auf CD. Und plötzlich kamen neue Probleme auf mich zu. Im Winter, kurz vor einer Veranstaltung aufgebaut, liefen die CDs nicht. Durch den Temperaturunterschied waren sie beschlagen. Und die ersten CD-Spieler hatten auch noch keinen Schockspeicher. Erschütterungen, wie sie auf Zeltböden normal sind, führten nicht nur zu einer kurzen Unterbrechung der Musik, sondern zu einem Abbruch.

Was zeichnet einen guten DJ aus?

Dittmer: Gefühl und Erfahrung. Ein DJ muss Stimmungen erkennen können. Einfaches Abspielen von Musik reicht nicht. Deswegen kann es problematisch sein, zwischendurch Musikwünsche von Gästen zu erfüllen, die gerade nicht passen. Ein DJ muss sich bewusst sein, dass er eine große Verantwortung für das Gelingen der Feier hat. Dazu gehören auch Vorgespräche mit Gastgebern und technische Dinge, die oft nicht gesehen werden. Heute ist man als DJ mehr ein Komplettanbieter. Innovative Beleuchtungskonzepte, Vermittlung von anderen Künstlern wie Zauberer, Comedy-Kellner oder Schnellzeichner gehören fast zur Tagesordnung. Sehr oft wird auch die FotoBox happy-selfie von den Kunden mitgebucht. Auch Schäfer Heinrich von „Bauer sucht Frau“ bestand darauf, dass ich zu seinem 50. Geburtstag diese Box mitnehme. Auf der „Checkpoint DJ“ in Hannover, der größten Fachmesse speziell für DJs, werde ich dazu Fachvorträge halten. Die Messeveranstalter erwarten an zwei Tagen 6 000 Besucher.

Sie engagieren sich ja auch über die eigentliche Tätigkeit bei Veranstaltungen hinaus für Ihren Beruf...

Dittmer: Ich bin immer schon Netzwerker gewesen. Ich fahre zu DJ-Treffen nach Hamburg, ins Ruhrgebiet, nach Hannover oder Bielefeld. Da ich so stark vernetzt bin, bin ich oft auch die Notfallnummer, wenn mal DJs ausfallen. Zum Glück konnte ich bisher immer helfen. Ich bin sehr froh, dass die Frau an meiner Seite so viel Verständnis für meinen Beruf und meine Leidenschaft hat. Unsere gemeinsame Zeit, gerade an den Wochenenden, ist durch das DJ-ing sehr strapaziert.

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