Silviu Roteunjeanu gilt in Aschen als Musterbeispiel für Integration

Nicht mehr zurück nach Rumänien

In Aschen glücklich: Silviu Roteunjeanu (rechts) aus Rumänien mit seiner Familie und den Nachbarn Karin und Albert Hain.
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In Aschen glücklich: Silviu Roteunjeanu (rechts) aus Rumänien mit seiner Familie und den Nachbarn Karin und Albert Hain.

Aschen – Silviu Roteunjeanu ist glücklich. „Das hier ist der perfekte Ort“, sagt er mit strahlenden Augen. Er meint Aschen. Dorthin sind er und seine Familie 2017 aus Rumänien gezogen und gelten heute als Musterbeispiel für Integration. Der 36-Jährige hat dafür viel getan. Er engagiert sich in seinem Beruf als Kfz-Mechaniker und ehrenamtlich in Vereinen. Auf seinem dunkelblauen Poloshirt ist „Feuerwehr Aschen“ zu lesen. Auch hier ist er ehrenamtlich aktiv. Sein Nachbar Albert Hain hat ihm bei der Integration geholfen.

2013 war Silviu Roteunjeanu zum ersten Mal in der Stadt Diepholz. Wie viele seiner Landsleute, die auch heute noch in Diepholz wohnen, arbeitete er in einem Wiesenhof-Geflügelschlachtbetrieb im Landkreis Vechta. Die schwierige wirtschaftliche Situation in seinem Heimatland hatte den heute 36-Jährigen nach Deutschland gebracht. Doch nach sechs Monaten ging er zurück. Zu hart waren für ihn die Arbeitsbedingungen und vor allem war es die Trennung von seiner Familie. Doch der Plan, in Deutschland ein neues Leben mit Fleiß und ohne Armut zu beginnen, blieb.

2017 unternahm Silviu Roteunjeanu einen neuen Anlauf, fand Arbeit in seinem Beruf beim Autodienst Pawelzik in Drebber – nachdem er durch eine Anzeige in unserer Zeitung die Wohnung in Aschen gefunden hatte. Seine rumänische Ausbildungsbescheinigung habe den Chef nicht interessiert. Silviu Roteunjeanu durfte zur Probe arbeiten und überzeugte dabei. Seine Anstellung hatte für den Betrieb einen positiven Nebeneffekt. Viele von Silviu Roteunjeanus Landsleuten, die in Diepholz und Umgebung leben, kommen in diese Werkstatt, wenn sie Probleme mit ihrem Auto haben. Denn der 36-Jährige spricht ihre Sprache.

Deutsch hat er auch schnell gelernt, spricht es nach drei Jahren in Aschen nahezu perfekt. Auch seine beiden Töchter Antonia (10) und Carla (5) haben keine Sprachschwierigkeiten. Ihre 29-jährige Mutter Georgina Iulia tut sich etwas schwerer. Die Hausfrau hat fast nur durch ihren Minijob in einem Diepholzer Fitnessstudio Kontakt zu anderen und Gelegenheit, die deutsche Sprache anzuwenden. Im Diepholzer Stadtteilhaus an der Moorstraße hat sie einen Mutter-Kind-Sprachkursus besucht. Doch dieser wird derzeit wegen der Coronakrise nicht fortgesetzt.

Silviu Roteunjeanu hat in Aschen und umzu viele Gelegenheiten, sein Deutsch weiter zu verbessern. Bei der Ortsfeuerwehr Aschen hat er gerade die erste Ausbildungsstufe zum Truppmann bestanden. Er will sich weiterhin in der Feuerwehr engagieren, die sich freut, mit ihm ein Mitglied mit Lkw-Führerschein zu haben. Der 36-Jährige will auch noch die Maschinisten-Ausbildung absolvieren. Eine Freiwillige Feuerwehr gibt es in seinem Heimatland nicht: „Da ist alles staatlich.“

Roteunjeanus ehrenamtliches Engagement beschränkt sich nicht auf die Feuerwehr. Der Neubürger hilft beim TSV Aschen, den Sportplatz zu pflegen, und ist aktives Mitglied im Sportfischereiverein Drebber.

Den Einstieg erleichterte damals sein Nachbar Albert Hain. „Ich habe ihn zu allen Vereinen geführt“, erzählt er. Aus der Nachbarschaft wurde eine Freundschaft der Familien Hain und Roteunjeanu. Karin Hain konnte als Aschener Schulsekretärin die kleine Antonia unterstützen.

In ihrem Heimatland war das rumänische Ehepaar seit Jahren nicht mehr. Vermissen Silviu und Georgina Roteunjeanu etwas? „Nur das warme Wasser des Schwarzen Meeres“, lacht Silviu. Nord- und Ostsee seien zu kalt, deshalb hätten sie vergangenes Jahr Urlaub in Kroatien gemacht.

In Deutschland haben sie als EU-Bürger ein Aufenthaltsrecht. Problemtisch ist, dass sie zur Verlängerung ihrer Pässe stets zur rumänischen Botschaft nach Berlin müssen. Deshalb streben sie an, die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen. Silviu Roteunjeanu: „Wir wollen zu 100 Prozent hier bleiben“.

Von Eberhard Jansen

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