Bernd Öhlmann zur Situation der Innenstadt

„Nicht mehr Leerstände als andere Städte“

Bernd Öhlmann (53), Wirtschaftsförderer der Stadt Diepholz.

Diepholz - Die Diepholzer Innenstadt stellt sich der Konkurrenz durch das Internet. Für ihr Online-Konzept, an dem sich zunächst 30 heimische Händler beteiligen wollen, gewann Diepholz vergangenen Woche den bundesweit ausgeschriebenen Preis „Die digitale Innenstadt“ von Handelsverband Deutschland (HDE) und Ebay (wir berichteten ausführlich). Zur aktuellen Situation der Diepholzer Innenstadt sprachen wir mit Bernd Öhlmann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing (Wista) und somit Wirtschaftsförderer der Stadt Diepholz.

Stören Sie die vielen Ladenleerstände?

Das ist die falsche Fragestellung. Wir haben nicht mehr oder weniger als andere Städte und gerade wieder drei gefüllt. Freuen wir uns doch lieber über die vielen inhabergeführten Geschäfte, die wir momentan noch in Diepholz haben. Externe Besucher beneiden uns um die Individualität, denn die kennen bei sich vor Ort meistens nur noch Ketten.

Anders gefragt, wie wollen Sie die Ladenleerstände kurzfristig beseitigen?

Auch das ist leider nicht meine originäre Aufgabenstellung, sondern die der Immobilieneigentümer und der Immobilienmakler. Hätte ich für diese Fragestellung eine Patentlösung, wäre ich sicherlich ein bundesweit gefragter und sehr gut bezahlter Gesprächspartner. Die Problematik gibt es aber nicht nur bei uns in Diepholz.

Haben Sie eine Aufgabe im Zusammenhang mit der Innenstadt?

Natürlich – und zwar auf die vielfältigste Art und Weise! Seitens der Wirtschaftsförderung haben wir zum Beispiel bei vielen Innenstadtthemen sowohl intern als auch extern eine Art dauerhafte Kommunikations- und Moderationsrolle. Oberstes Ziel unsere Aktivitäten ist es, alle Beteiligten in dem jeweiligen Prozess auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Darüber hinaus ist es eine unserer Kernaufgaben, die Innenstadt der Stadt Diepholz strategisch für die Zukunft vor zu bereiten.

Klingt sehr nach Theorie, können Sie das etwas praxisorientierter erläutern?

Die Themen, die den innerstädtischen Facheinzelhandel nach wie vor bewegen sind unter anderem sinkende Taktfrequenz, steigende Kosten und sinkende Rentabilität pro Quadratmeter Handelsfläche, fehlendes und qualifiziertes Fachpersonal, kontinuierlich wachsender Druck durch Digitalisierung und Online-Handelsaktivitäten, nachlassende Kundenloyalität und fehlende Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Die Liste ließe sich sicherlich noch beliebig weiter führen, verdeutlicht aber schon in dieser Dimension die komplexe Problemstellung.

Wie würden Sie denn dann in diesem Zusammenhang das Zukunftsszenario für die Diepholzer Innenstadt beschreiben?

Ehrlich gesagt, für eine Stadt unserer Größe sehr gut. Diese Aussage mag unseren Bürgern zum heutigen Zeitpunkt vielleicht zu optimistisch und inhaltlich nicht greifbar erscheinen. Beschäftigt man sich aber tagtäglich objektiv mit diesem Thema und vergeudet nicht seine Zeit in populistischen „Ladenleerstands-Kommentaren“ in den sozialen Medien oder dem immer wiederkehrenden und langsam echt nervenden Diepholz/Vechta-Vergleich, dann wird man feststellen, dass wir hier am Standort Diepholz in den vergangenen Jahren eine strukturell gute Basis für die Zukunft – auch für die Innenstadt – erarbeitet haben. Gut Ding braucht halt Weile und manchmal muss man zuerst auch schmerzhaft durch das Tal der Tränen gehen, bevor sich notwendige Prozesse und Strukturen für alle Beteiligten nachhaltig verändern.

ej

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