Nicht nur für Flüchtlinge

Fünf Diepholzer betreiben weiter ehrenamtlich die „Kleiderstube“

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Auch Bettwäsche hat die „Kleiderstube“ im Angebot. Ingrid Schilling und Barbara Preu (von links) versorgen hier eine junge Frau aus Guinea (Westafrika).

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Die junge Frau aus Guinea braucht nicht nur neue Kleidung, sondern auch Bettwäsche. „Ich habe ein großes Bett“, erklärt die Westafrikanerin, die als Flüchtling nach Diepholz kam. Ingrid Schilling hat passende Bezüge – wie alles, das es in der „Kleiderstube“ gibt, von Bürgern aus Diepholz und Umgebung gespendet.

Der große Ansturm ist zwar vorbei. Doch die „Kleiderstube“, die eine Gruppe Diepholzer ehrenamtlich an der Hinterstraße 15 betreibt, ist nach wie vor Anlaufpunkt für Flüchtlinge und andere Hilfsbedürftige.

Alle zwei Wochen öffnen Ingrid Schilling, Ingrid Kock, Barbara Preu, Bärbel Behnke-Drewes und Helmut Backer die Türen zum Obergeschoss des Hauses, das der evangelischen Kirche gehört. Das Erdgeschoss ist an die Caritas vermietet, oben kann die Gruppe ihre „Kleiderstube“ betreiben.

Deren Anfänge waren in der Garage der Diepholzer Familie Schilling. Dort sammelte Ingrid Schilling im Sommer 2015 – als die große „Flüchtlingswelle“ kam – spontan Kleidung und Haushaltswaren, die Bürger gespendet hatten. Kurz darauf konnte die Helfergruppe ihre „Kleiderstube“ im Haus an der Hinterstraße 15 eröffnen – zunächst im Erdgeschoss. Die Kirchengemeinde St. Nicolai hatte die benötigten größeren Räume zur Verfügung gestellt. „Drei Mal in der Woche hatten wir damals geöffnet“, berichtet Ingrid Schilling aus den Anfangszeiten, als es noch deutlich mehr Asylbewerber in Diepholz gab.

Bei der Kleiderausgabe an eine Flüchtlingsfamilie: Bärbel Behnke-Drewes und Ingrid Kock (rechts).

Heute leben in der Kreisstadt etwa 300. „Der Großteil stammt aus Syrien, Pakistan und Afghanistan“, berichtet die Stadtverwaltung: „Die Flüchtlinge sind in Zimmern, Wohnungen und Sammelunterkünften untergebracht, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen.“

Dort werden insbesondere Gegenstände für den Haushalt gebraucht. Die „Kleiderstube“ würde sich beispielsweise über Töpfe, Pfannen und andere Dinge für die Küche freuen. „Kleidung haben wir genug“, erklärt Ingrid Kock – auch eine Frau der ersten Stunde in der Diepholzer Flüchtlingshilfe.

Derzeit wird Sommerkleidung aus den Lagerbeständen des Vorjahres herausgeholt und in der „Kleiderstube“ einsortiert, wo sich nicht nur Flüchtlinge unter Aufsicht der ehrenamtlichen Betreiber bedienen dürfen: Auch Wohnungslose, die die Caritas betreut, und hilfsbedürftige Menschen aus Rumänien und Bulgarien, die in Diepholz leben, haben die Möglichkeit, Kleidung und anderes zu bekommen. Auch Möbel vermittelt die „Kleiderstube“ von Spendern an Flüchtlinge, die in eine eigene Wohnung ziehen.

Das Team, das von der Stadt Diepholz bei ihrem Neujahrsempfang im Januar für seine Tätigkeit offiziell geehrt wurde, freut sich auch, wenn es zu Haushaltsauflösungen eingeladen wird und dort Dinge für die „Kleiderstube“ mitnehmen kann.

Über die Jahre haben die fünf engagierten Helfer viele Asylbewerber kennengelernt und halten zu manchen weiterhin Kontakt. Von Integrationserfolgen und der Aufnahme von Ausbildungen und Berufstätigkeiten können sie ebenso berichten, wie von Menschen, die nur ihren Vorteil suchen und auch in der Kleiderstube fordernd auftreten.

Die Öffnungszeit der „Kleiderstube“ wurde schon im Januar 2018 auf 14-tägig umgestellt. „Pro Öffnung hatten wir im vergangenen Jahr durchschnittlich 15 bis 20 Besucher“, sagt Ingrid Schilling.

Der nächste Öffnungstermin, an dem auch Spenden im Haus Hinterstraße 15 angenommen werden, ist wegen des Feiertages 1. Mai bereits am Mittwoch, 24. April, von 15 bis 17 Uhr.

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