Alte Fachwerkgebäude auf Findlingen gebaut

Neues Haus auf 22 Pfählen entsteht an der Lohnstraße 4

Georg Türke mit Findlingen im Vordergrund.
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Mit den Findlingen, die seit der Zeit um 1690 die Basis für das Fachwerkhaus an der Lohnstraße 4 in Diepholz waren: Georg Türke, Bauleiter bei dem Neubau mit spezieller Pfahlgründung.

In Diepholz an der Lohnstraße entsteht derzeit ein Haus, das auf 22 Pfählen stehen wird - aus einem wichtigen Grund.

  • Wo ein historisches Fachwerkgebäude stand, dessen Basis Findlinge waren, entsteht in Diepholz an der Lohnstraße ein Neubau auf 22 Pfählen.
  • Damit die benachbarten historischen Häuser nicht durch Erschütterungen beschädigt werden, wendet die Firma ein spezielles Verfahren an.
  • Georg Türke: Teile der alten Häuser sacken im Bereich des Flusses Lohne ab - unabhängig vom Neubau.

Diepholz – Der Neubau eines Einfamilienhauses auf der Lohnstraße in Diepholz wird auf 22 Pfählen stehen. Für das Fachwerkgebäude aus den Jahren um 1690, das zuvor auf dem Grundstück stand, hatten die Erbauer Findlinge als Basis verwendet, um ein Absacken in den weichen Untergrund an dem Fluss Lohne zu verhindern. 

Das alte Haus stand seit Jahrhunderten auf Steinen. Um 1690 herum verwendeten Menschen beim Bau des Hauses Lohnstraße 4 in der Diepholzer Innenstadt etwa ein Dutzend Findlinge, um ein Einsacken des Fachwerkgebäudes in den weichen Boden im Bereich des Fließgewässers Lohne zu verhindern. Für Festigkeit zwischen den großen Natursteinen im Boden sorgten gemauerte Ziegel.

Jetzt ist dieses Haus in der Reihe der historischen Gebäude abgerissen. Der vorherige Besitzer des Hauses hatte Sanierungsversuche aufgegeben. Die Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert war offenbar zu schlecht. Die Lücke an der Lohnstraße 4 wird derzeit mit einer besonderen Technik geschlossen: Der Neubau eines Einfamilienhauses wird dort auf acht Meter langen Pfählen stehen.

Auf acht Meter langen Pfählen – hier beim Bohrvorgang – wird der Neubau an der Lohnstraße 4 in Diepholz stehen. Das Haus soll sich architektonisch an die alten Häuser anpassen.

Diese bohrte die Spezialfirma Robopfahl aus Dötlingen in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen aus den Niederlanden in den vergangenen Tagen in den Boden.

Der Untergrund war zuvor sondiert worden. Dadurch war klar: Die weiche, nicht tragfähige Schicht, wie sie an Fließgewässern häufig vorkommt, ist sechs Meter dick. Darunter ist fester Sand. Somit mussten die verpressten Stahlrohr-Bohrpfähle acht Meter lang sein.

Pfähle haben 17 Zentimeter Durchmesser

Die Pfähle haben einen Durchmesser von 17 Zentimetern. An der Basis sind sie auf 35 Zentimeter erweitert– durch Zementsuspension, die aus der Rohrkonstruktion austritt, wenn diese beim Bohren festeren Untergrund erreicht.

22 Pfähle ragen derzeit etwas aus dem Erdreich. Auf ihnen wird nun die Bodenplatte des neuen Hauses auf dem gut 140 Quadratmeter großen Grundstück befestigt.

Bohren ist erschütterungsfrei

„Das Bohren läuft erschütterungsfrei“, erklärte Diplom-Ingenieur Hans-Hermann Schweers, dessen Unternehmen Robopfahl sich auf Pfahlgründungen unter begrenzten Platzverhältnissen spezialisiert hat. Die Maschinen der Firma aus den Niederlanden sind extra klein. Auf dem extrem weichen Untergrund verlegte die Diepholzer Firma Diebau für diese Geräte sogenannte Baggermatratzen aus Hartholz.

Anders als beim klassischen Rammen von Pfählen wurde durch die in den Niederlanden entwickelte Spezial-Bohrtechnik die Standfestigkeit der beiden vermutlich ebenso alten Nachbar-Fachwerkgebäude nicht beeinträchtigt. Diese stehen auch auf dicken Steinen.

Mit diesem Fundament gibt es offenbar jetzt nach Jahrhunderten Probleme, die nichts mit dem Neubau zu tun haben: „Im hinteren, zur Lohne hin gelegenen Bereich der Grundstücke sacken die historischen Häuser ab“, sagt Georg Türke, der die Leitung beim Bau des neuen Einfamilienhauses durch einen Verwandten hat. Ihm selbst gehört das Tuchmacherhaus an der Lohnstraße 2, das er dem Verein „Kultur im Tuchmacherhaus“ als öffentliches Gebäude für Ausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung stellt.

Die Lohnstraße in Diepholz

Die Besiedelung der Lohnstraße in Diepholz geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Vermutlich reichte der Wohnraum in der Altstadt nicht mehr aus, sodass der Bau von 26 Hausstellen in der „Neustadt“ genannten Straße auf der Lohne-Insel notwendig wurde. Der Name Lohnstraße wurde erst 1834 amtlich eingeführt. Damals hieß der Fluss nicht die Lohne, sondern der Lohn oder Lohnstrom. (Quelle: www.tuchmacher-haus.de). Die meisten Häuser sind nach modernen Wohnbedürfnissen umgebaut. Das einzige Gebäude an der Lohnstraße, das innen noch original ist, sei das Tuchmacher-Haus, sagt Eigentümer Georg Türke.

Zum möglichen Absacken von Häusern an der Lohnstraße teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Akute statische bauliche Missstände sind der Stadtverwaltung zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt. Die Notwendigkeit für ein bauaufsichtliches Einschreiten wird daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesehen. Die Grundstücke und auch die angrenzenden Gewässerbereiche befinden sich in Privatbesitz.“

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