Neues Gerät für Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen

Erstmals in Diepholz: Defibrillator unter der Haut

Oberarzt Dr. Thomas Calvelage aus der Kardiologie setzte gestern an der Alexianer Klinik Diepholz erstmals einen Subkutanen Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator ein. Links der etwas kleinere, herkömmliche Defibrillator.
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Oberarzt Dr. Thomas Calvelage aus der Kardiologie setzte gestern an der Alexianer Klinik Diepholz erstmals einen Subkutanen Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator ein. Links der etwas kleinere, herkömmliche Defibrillator.

Diepholz - Das Gerät verhindert den plötzlichen Herztod. Dabei hat der neue Subkutane Implantierbare Cardioverter-Defibrillator (S-ICD) viele Vorteile. Er ist aber mit rund 12000 Euro auch etwa viermal so teuer wie herkömmliche Defibrillatoren, wird daher noch selten angewandt und und kommt zunächst für jüngere Patienten mit speziellen Herzerkrankungen in Frage. Im Herzkatheter-Labor der Alexianer Klinik Diepholz wurde gestern erstmals ein S-ICD eingesetzt.

Empfänger war ein etwa 54 Jahre alter Mann mit einer schweren Herzerkrankung, dem der plötzliche Stillstand des lebenswichtigen Pumporganes drohte. Der Operateur, Dr. Thomas Calvelage, Oberarzt der Kardiologie in der Alexianer Klinik Diepholz, war bei der ersten Implantation nicht allein. Ihm zur Seite stand Dr. Mark Banysch, Viszeralchirug am Klinikum Krefeld der Alexianer, sowie ein Techniker des amerikanischen Medizingeräteherstellers. Calvelage: „Alles ist gut verlaufen.“

Das Gerät überwacht den Herzrhythmus und normalisiert diesen bei Bedarf durch einen elektrischen Impuls. Entscheidender Vorteil des S-ICD: Das Elektrodensystem wird nicht über die Blutgefäße ans Herz angeschlossen, sondern liegt direkt unter der Haut. Der Impuls erfolgt über den Aufbau eines Stromfeldes im Herzbereich. So sind Komplikationen weitgehend ausgeschlossen. Davon profitieren insbesondere Patienten, die zu Infektionen bei Sonden oder zur Gerinselbildung neigen.

Gerade bei jüngeren Patienten, die im Lauf ihres Lebens mehrere Operationen wie Aggregatwechsel und Sonden-Revisionen erfahren müssen, ist die Implantation direkt unter der Haut sinnvoll. So ist bei dem S-ICD das Entfernen einer defekten Elektrode ohne technischen Aufwand und ohne Risiko möglich. Bei einem herkömmlichen Defibrillator-Implantat mit Drähten im Gefäßsystem ist hingegen unter Umständen ein Eingriff in einem herzchirurgischen Zentrum erforderlich.

Bei der Implantation des S-ICD wird an der linken Brustseite neben dem Brustkorb ein kleiner Schnitt gelegt und eine Tasche für den Impulsgeber des Systems geformt. Links des Brustbeins erfolgen zwei weitere kleine Schnitte, durch die die Elektrode unter der Haut platziert wird.

Die Nachsorge erfolgt in der kardiologischen Ambulanz und unterscheidet sich nicht von der nach herkömmlichen Implantation. Nach Erfahrung der Spezialisten gewöhnt sich jeder Patient schnell an das System und empfindet es als beruhigend zu wissen, dass das Gerät ohne Drähte in den Venen und am Herzen den Zustand überwachen und regulieren kann.

Durch enge Kooperation mit den Spezialisten des Alexianer Klinikums Krefeld nun kann auch das Team der Alexianer Klinik Diepholz mit Chefarzt Dr. Michael Höge dieses neuartige Verfahren im Landkreis Diepholz und für die Landkreise Vechta und Nienburg vorhalten.

Im Herzkatheter-Labor der Alexianer Klinik Diepholz, das für Notfälle rund um die Uhr mit einem Kardiologen besetzt ist, werden pro Jahr etwa 100 Schrittmacher eingesetzt – davon 30 Defibrilatoren der herkömmlichen Art. Das neue System werden Patienten nach individueller Entscheidung des Ärzteteams bekommen. Oberarzt Dr. Calvelage hat seit 15 Jahren Erfahrung mit der Schrittmacher-Implanation.

ej

www.klinikverbund.de

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