Ein neuer Stadtteil für eine Woche 

Kinder und Jugendliche bauen an Hüttenstadt auf Lüderbusch  

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Bitte recht freundlich: Tom hat dem Fotografen von der Zeitung gleich mal sein Arbeitsgerät entführt, um seine stolze Crew (Mara, Merle und Charlotte, v.l.) vor ihrer neuen Hütte zu fotografieren.

Diepholz - Von Sven Reckmann. Auf Lüdersbusch hört es sich in diesen Tagen wieder an, als hätte ein ganzes Heer von Zimmerleuten Einzug gehalten: Es wird geklopft, gehämmert und gesägt, dass sich die Balken biegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Zum 29. Mal geht dort der Bau der Hüttenstadt über die Bühne. Knapp 120 kleine und nicht mehr ganz so kleine Leute sind wieder mit von der Partie; die Hüttenstadt zählt seit Jahren zu den beliebtesten Angeboten im Ferienspaß-Programm des Jugendbüros.

Die Kinder im Alter zwischen neun und zwölf Jahren bauen in kleinen Gruppen noch bis Freitag an ihrem Projekt. Morgens um 10 Uhr beginnen die Bauarbeiten, um 17 Uhr werden die Hämmer beiseitegelegt. In der Nacht zu Freitag übernachten die Bauarbeiter in der Hüttenstadt.

Bennet aus Diepholz ist mit seinen sechs Jahren natürlich zum ersten Mal dabei. „Ganz gut“ gefällt ihm die Hüttenstadt, „ich habe heute schon zwei Eis gegessen“, berichtete er. Gespannt ist er auf Donnerstag, wenn er und seine Kumpels dort übernachten können. „Und am Freitag holen uns unsere Eltern wieder ab“, schiebt Leon hinterher.

Mit vereinten Kräften wird zugepackt.

Bei den älteren Teilnehmern sind die Dimensionen der Hütten schon größer, werden die Häuser in einer Art Fertigteilbauweise zusammengesetzt. Ein Flachdachhaus will Mathias mit seinem Team bauen, „das wird mit 100-prozentiger Sicherheit noch heute fertig“, sagt er bestimmt. Zwei Türenwollen sie einbauen, „eine normale und eine für die verbündeten Nachbarn.“

Dass die Hütten im Anschluss wieder abgebrochen werden, macht ihm nichts aus: „Finde ich nicht so schlimm.“

Zwei junge Syrer, die vor etwa einem Jahr nach Diepholz gekommen sind, bauen ebenfalls fleißig mit. Dass ihr Haus ordentlich aussieht, hat einen einfachen Grund: Ihr Vater ist gelernter Tischler und lässt es sich nicht nehmen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Da sieht man, dass er Ahnung hat“, sagt ein Helfer anerkennend.

Hier muss wohl schnell noch ein anderes Brett her, sonst zieht’s rein.

Die Organisation läuft einmal mehr wie am Schnürchen. Das liege auch daran, dass es für die verschiedenen Bereiche Verantwortliche gibt, erklärt Danilo Sodogé vom Jugendbüro, sodass sich nicht jeder um alles kümmern muss. Als Bauleiter fungiert Wolfgang Reimann, für die Bereiche Haus, Küche beziehungsweise Tresen sind Maike Ulbricht, Sonia Winkler und Claudia Warnke zuständig.

Aber ohne die etwa 30 Helfer würde der Betrieb nicht so laufen. André Pfennig vom Jugendbüro, stilecht mit dem Zimmermannshammer ausgerüstet, lobt das Miteinander. Vermitteln, wenn mal „Zoff“ herrscht, helfen und trösten bei kleineren Wehwehchen – die Helfer bringen sich aktiv ein. „Die Motivation ist ganz hervorragend“, sagt Pfennig. Und nicht selten sieht man manche von ihnen als Helfer auch bei anderen Veranstaltungen von Jugendbüro oder Stadtteilhaus wieder.

Etwa 120 Kinder und Jugendliche arbeiten auf Lüdersbusch an der „Hüttenstadt“.

Ein großes Lob geht einmal mehr an die Mitwirkung des städtischen Bauhofes, der das Bauholz für die Hüttenstadt-Konstrukteure herantransportiert und den Bauplatz vorbereitet hatte. Das DRK stellte ein Zelt zur Verfügung und auch die Zusammenarbeit mit anderen Lieferanten sei sehr gut. Das Schützenkorps, das sonst hier sein Domizil hat, ist auch mit von der Partie: Peter Brehme bietet ein Schießen an, bei dem es kleine Preise zu gewinnen gibt.

Heute wird noch an den hölzernen Unterkünften gearbeitet. Morgen, vor der letzten Nacht des Dorfes, ist ein buntes Programm vorbereitet: Ein Clown hat sich angekündigt, ein Talentwettbewerb und ein gemeinsames Grillen verkürzen die Zeit bis zur spannenden Nachtwanderung. Nach Einbruch der Dunkelheit wird ein Lagerfeuer entzündet.

Wer in seiner Hütte übernachten will, kann das tun, aber auch unter dem festen Dach der Schützenhalle werden Quartiere vorbereitet.

„Da sind wir alle mit dabei“, sagt Mathias und schlägt den nächsten Nagel ein.

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