Thorsten Hoppe rettet Australier das Leben und ist auf seiner Hochzeit dabei

Ein „neuer Bruder“ auf der anderen Seite der Erde

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Thorsten Hoppe mit einem Foto, das ihn zusammen mit Daniel bei seinem Besuch in Australien zeigt.

Diepholz - Von Sven Reckmann. Es war eine schwierige Operation, nicht ungefährlich, unter Vollnarkose in einem Hamburger Klinikum, als Thorsten Hoppe vor zehn Jahren Stammzellen spendete, um einem kranken Menschen zu helfen.

Aber er bereute es keine Sekunde – bis heute: Denn die Spende rettete einem an Leukämie erkrankten Jungen das Leben und sie führte jetzt, ein Jahrzehnt später, zu einer emotionalen Reise nach Australien, um als Gast bei der Hochzeit dieses jetzt jungen Mannes dabei zu sein.

Rückblende: Im Rahmen der Aktion „Hilfe für Marvin“ hatte sich Hoppe, der damals noch in Barnstorf wohnte, typisieren lassen. Die Blutdaten des damals 21-Jährigen kamen in das Deutsche Stammzellenregister Dessau. Durch einen internationalen Abgleich wurde entdeckt, dass seine körperlichen Merkmale zu denen eines an Leukämie erkrankten Jungen in Australien passen. Mit der Hilfe Thorsten Hoppes solle dieser Junge eine neue (Lebens-) Chance bekommen.

Dazu musste sich Hoppe einem aufwendigen Eingriff unter Vollnarkose im Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf unterziehen. Doch er zögerte keine Sekunde. Nach dem Eingriff, den Hoppe problemlos überstand, wurden die Stammzellen nach Australien geflogen. Näheres über den Empfänger wusste Hoppe damals noch nicht.

Regelmäßiger E-Mail-Kontakt

Wie immer in solchen Fällen, besteht für Spender und Empfänger erst nach zwei Jahren die Möglichkeit, direkten Kontakt aufzunehmen.

Das tat Hoppe dann auch. Nach zwei Jahren kam ein regelmäßiger E-Mail-Kontakt zustande, berichtet Hoppe heute. Er lernte Daniel aus Australien kennen, den Jungen, dem er das Leben gerettet hatte.

Jetzt, fast genau zehn Jahre nach der Spende, stand ein großes Ereignis ins Haus: die Hochzeit Daniels, der mittlerweile 26 Jahre alt ist. Thorsten Hoppe wurde dazu eingeladen.

Zusammen mit seiner Frau Nadine reiste Hoppe, der mittlerweile in Diepholz wohnt, nach Australien. Nachdem sie acht Jahre nur per Internet in Kontakt waren, sahen sie sich nun zum ersten Mal.

„Etwas verhalten“ sei das erste Aufeinandertreffen gewesen, erinnerte sich Hope mit einem Schmunzeln an die erste Begegnung im Airport von Brisbane. Immerhin hatten die Deutschen stolze 27 Stunden Reisezeit in den Knochen.

Aber das Eis war bald getaut. Daniel hatte ein Besuchsprogramm vorbereitet. Man war in den zehn Tagen des Besuchs viel unterwegs, genoss die weitläufige Landschaft, besuchte Daniels Eltern.

Und dann war da natürlich die Hochzeit mit seiner Courtney. War bis dahin die rettende Knochenmarkspende eher am Rande thematisiert worden, so stand bei den 60 Hochzeitsgästen der Gast aus „Germany“ nun besonders im Mittelpunkt.

„Ich habe einen zweiten Sohn dazubekommen“

In seiner Rede auf das Brautpaar ging Daniels Vater auch auf die Rolle Hoppes ein, darauf, dass ohne ihn diese Hochzeit nie stattgefunden hätte und er brachte seine tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck. Als alles schon den Tränen nahe war, sagte er: „Ich habe einen zweiten Sohn dazubekommen“.

„Da waren bei allen Beteiligten natürlich die Dämme offen“, erinnert sich Hoppe lächelnd an diesen emotionalen Moment, in dem die Tränen flossen.

Für Thorsten Hoppe, waren diese Erlebnisse in Australien einmal mehr die Bestätigung dafür, alles richtig gemacht zu haben. „Definitiv!“ antwortet er auf die Frage, ob ihm die Spende ein gutes Gefühl gegeben habe. „Das war eine goldrichtige Entscheidung.“ Seine Geschichte versteht er auch als Motivation für andere, sich typisieren zu lassen, um als Knochenmark- oder Stammzellenspender Leukämiepatienten zu helfen.

Ein Wiedersehen mit Daniel und Courtney soll es spätestens in vier Jahren geben, dann in Diepholz. „Dann haben meine Frau und ich unseren zehnten Hochzeitstag“, sagt der 32-Jährige.

Wenn die Töchter (drei und sechs Jahre alt), die jetzt noch bei Oma zu Hause bleiben mussten, ein bisschen größer sind, wollen sie zu Viert nach Australien reisen.

Der Kontakt wird also nicht abreißen zu seinem „neuen Bruder“ auf der anderen Seite des Erdballs.

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