Neue Spielregeln für Landwirte

Blühende Landschaften: Der Niedersächsische Weg soll spürbar mehr Arten- und Naturschutz schaffen. Landwirte sind gespannt auf die praktische Umsetzung.
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Blühende Landschaften: Der Niedersächsische Weg soll spürbar mehr Arten- und Naturschutz schaffen. Landwirte sind gespannt auf die praktische Umsetzung.

Der Niedersächsische Weg bedeutet für die rund 2 000 Landwirte im Landkreis Diepholz Neuland und neue Spielregeln. Künftig entschädigt sie das Land für die Einhaltung ökologischer Vorgaben. Kreislandwirt Wilken Hartje stellt klar: Ob das für alle Beteiligten verlässlich funktioniert, das muss die Praxis zeigen.

Landkreis Diepholz – „Ist der Niedersächsische Weg die Lösung, ein Teil der Lösung – oder ein Teil des Problems?“ Diese Frage hatte Kreislandwirt Wilken Hartje für Mittwoch auf die Tagesordnung des Kuratoriums für Wirtschaftsberatung gesetzt. Doch coronabedingt fiel diese Tagung des Dachverbands landwirtschaftlicher Organisationen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg aus. Das bedauert der Kreislandwirt umso mehr, als er mit Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu), einen der Akteure dieses Wegs eingeladen hatte. Der Landtag hat das neue Konzept mittlerweile beschlossen – und damit handfeste Veränderungen für die Landwirte.

Rund 2 000 von ihnen bewirtschaften im Landkreis Diepholz knapp 130 000 Hektar Fläche. Dabei müssen sie künftig ökologische Vorgaben einhalten, die mit Flächenreduzierungen und Ernteeinbußen verbunden sind. Dafür entschädigt sie das Land finanziell. Eine Lösung, an der das Landwirtschafts- und das Umweltministerium gemeinsam mit den Landwirtschafts-Organisationen und Naturschützern gearbeitet haben.

Wilken Hartje ist „zufrieden, dass man miteinander spricht und einen gemeinsamen Weg geht“. Aber Sektkorken knallen bei den Landwirten noch lange nicht: „Man feiert erst, wenn alles wirklich tragfähig ist“, sagt der Kreislandwirt – und freut sich jetzt auf einen Austausch mit dem Nabu-Landesvorsitzenden im Frühjahr, wenn die Tagung des Kuratoriums für Wirtschaftsberatung nachgeholt wird: „Dann kann man ja schon einmal eine erste Bilanz ziehen.“

Welche Entschädigungssummen die Landwirte erhalten, das ist zurzeit noch völlig unklar. Denn so unterschiedlich wie die Wirtschaftsschwerpunkte und die Lage der Flächen der Landwirte, so unterschiedlich ist ihre Betroffenheit. Deshalb könne man zu den Summen noch nichts sagen, so Hartje. Elementar aber sei: „Es muss verlässlich und plausibel sein“, wenn Landwirte auf die Bewirtschaftung von Flächen – zum Beispiel an Gewässerrandstreifen – und auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten.

Druck hatte das Volksbegehren Artenvielfalt ausgeübt, dessen Initiatoren den Arten- und Naturschutz in Niedersachsen gesetzlich verankert wissen wollten. Dafür hatte das Bündnis auch im Landkreis Diepholz Unterschriften gesammelt. Die Akteure werten ihren Einsatz als Erfolg: Allein im Landkreis Diepholz hatten bis zum 1. November 3 262 Menschen den Forderungskatalog des Aktionsbündnisses unterzeichnet. „Ohne das Volksbegehren hätte es den Niedersächsischen Weg und die Beschlüsse im Landtag niemals gegeben. Das ist ein guter Tag für den Naturschutz und ein großer Erfolg für das Volksbegehren!“, so Sylvia Holste-Hagen als eine Sprecherin des Aktionsbündnisses.

Sie ist überzeugt: Nur der Druck durch das breite Volksbegehren-Bündnis habe alle an einen Tisch mit den Umweltverbänden gebracht. „Auch wenn wir nicht zu 100 Prozent unsere Ziele erreicht haben, so sind die beschlossenen Änderungen im Naturschutz-, Wald- und Wassergesetz eine deutliche Verbesserung für die Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen“, so Sylvia Holste-Hagen.

Als Pächter von Landesflächen müssten sich Landwirte auf eine ganz neue Wirtschaftsweise einstellen, so der Kreislandwirt, weil dort besonders strenge ökologische Vorgaben gelten würden. Gleichwohl: „Niedersachsen ist Agrarland Nummer eins – und soll es auch bleiben.“ Fakt sei, dass Niedersachsen mit seinem neuen Weg deutlich über dem EU-Standard liegen werde.

„Weltweit liegen Welten dazwischen“, so Hartje. Entscheidend sei, dass im Landeshaushalt verlässlich genügend Geld für die Zahlungen an die Landwirte bereitgestellt werde. Diese Verlässlichkeit müsse auch gegeben sein, sollte der Niedersächsische Weg auf Bundesebene ausgeweitet werden.

Grundsätzlich würden die Landwirte – wie andere Berufsgruppen auch – lieber von eigener Leistung und eigenen wirtschaftlichen Erfolgen leben: „Man möchte nicht am Subventionstropf hängen, und man möchte nicht immer Bittsteller sein.“

Von Anke Seidel

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