Landrat: Stehen zu Krankenhäusern

Eine Option für die Zukunft: Neue Zentralklinik im Kreis Diepholz nicht ausgeschlossen

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Investitionen in die Kliniken unterstützt der Landkreis seit Jahren – als Beitrag zur Gesundheitsvorsorge.

Landkreis Diepholz – Mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser in Deutschland sind zu klein und sollten deshalb geschlossen werden. Diese Empfehlung der Bertelsmann-Stiftung hat Dienstag für Diskussionen gesorgt.

Wie diese Empfehlung zu werten ist und welchen Stellenwert die Kliniken in Bassum, Sulingen und Diepholz auch in der Zukunft für den Landkreis Diepholz haben, dazu nimmt Landrat Cord Bockhop im Interview Stellung. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Bockhop, die Bertelsmann-Stiftung hat mit ihrer Empfehlung, von knapp 1400 Kliniken rund 800 zu schließen, für Aufruhr gesorgt. Die Krankenhäuser Sulingen, Diepholz und Bassum gehören zu den kleineren Kliniken. Wie bewerteten Sie die Einschätzung der Stiftung?

Es ist schon erstaunlich, dass die Bertelsmann-Stiftung für alle Probleme dieser Welt eine Patentlösung bereit hält. Für alles und jedes hat die Bertelsmann-Stiftung Tipps, aber trägt nie selbst Verantwortung. Demgegenüber gibt es viele Fachleute im Gesundheitsbereich, die Verantwortung tragen und deren Einschätzung ich deshalb viel mehr traue.

Dem Landkreis Diepholz sind seine Kliniken lieb und teuer. Was investiert er allein in diesem Jahr?

In den vergangenen Jahren haben wir immer rund acht Millionen Euro an die Krankenhäuser gegeben – davon etwa die Hälfte für Investitionen. In diesem Jahr haben wir 2,3 Millionen Euro als Zuschuss und drei Millionen Euro als Investitionsförderung eingeplant.

Cord Bockhop 

Sind Finanzspritzen dieser Größenordnung auch für die kommenden Jahre geplant?

Eindeutig: Ja! Solange der Bedarf besteht, beweisen wir unsere Haltung zur Gesundheitsversorgung im Landkreis Diepholz auch mit dieser finanziellen Unterstützung.

Haben die drei Kliniken an ihren Standorten also auch langfristig Bestand?

Die Standortdiskussion ist zwar beliebt, hilft aber selten weiter. Der Kreistag hat meiner Einschätzung nach zurzeit nur eine geringe Motivation, über strukturelle Veränderungen der Standorte zu diskutieren, wenn dies nicht notwendig ist. Welche äußeren Einflüsse aber noch auf uns hereinprasseln, wissen weder der Kreistag noch ich. Die personelle Situation ist überall im Gesundheits- und Pflegebereich schwierig. Wenn der Landkreis aber Strukturen diskutieren muss, dann bleibt es aber bei meiner Aussage und Einschätzung der vergangenen Monate: Wir werden nicht noch einmal über eine Schließung einzelner Krankenhäuser sprechen. Wenn, dann wird es ein neues Krankenhaus geben.

In der Diskussion um die Zukunft der Krankenhäuser flackerte immer wieder die Idee eines Zentralkrankenhauses im Herzen des Landkreises auf. Sie ist also nicht endgültig zu den Akten gelegt?

Genau! Wenn es soweit ist, werden wir über Zentralisierung sprechen. Aber selbst wenn heute ein solcher Auftrag an die Kreisverwaltung gegeben würde, haben andere Landkreise bereits gezeigt, dass so etwas acht, neun oder auch zehn Jahre dauert. Allerdings gäbe uns das die Möglichkeit, auch endlich wieder über Geburtshilfe, Kinderklinik und vielleicht sogar über die Behandlung von Schlaganfällen zu sprechen. Aber auch bei einer Zentralisierung wird es schwierig werden, zusätzliche neue Angebote aufzubauen. Bitte fragen Sie mich nicht nach dem Standort für ein neues Gebäude. Das sollte man zum jetzigen Zeitpunkt den Biertischen, den Schlangen an der Kasse oder denjenigen überlassen, die sich politisch damit noch profilieren wollen. Hilfreich ist das jetzt nicht. Und der Standort ist auch die letzte zu beantwortende Frage.

Pflegepersonal und Ärzte sind gleichermaßen knapp – bundesweit. Im Klinikverbund sind zurzeit insgesamt 48 Stellen offen, darunter 14 für Ärzte sowie 25 für Pflege- und Assistenzkräfte. Ist es Zeit für eine Personalgewinnungs-Strategie?

Unsere Geschäftsführung geht bei der Personalgewinnung auch jetzt schon strategisch vor. Die beste Unterstützung erhält unser Geschäftsführer von den Kolleginnen und Kollegen in unseren Kliniken, die begeistert ihre Arbeit verrichten. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung in diesen Tagen, weil ein Familienmitglied dort behandelt und versorgt wird, die Qualität der Arbeit von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegerinnen und Pflegern unserer Kliniken zu schätzen.

Was könnte die Kliniken im Landkreis Diepholz nachhaltig stärken?

Wenn ich jetzt als Einzelperson die Patentlösung aus der Tasche ziehe, was die Bertelsmann-Stiftung mit ‘zig Leuten vergeblich versucht hat, dann wäre das sicher vermessen. Aber: Wir müssen weiter daran arbeiten, dass unsere Bevölkerung auch unsere Kliniken nutzt, und dass unsere niedergelassen Ärzte eng mit den Kliniken zusammenarbeiten – und umgekehrt. Außerdem müssen die Arbeitsbedingungen für Ärzte und Pflegepersonal weiter verbessert werden. Die Zusammenarbeit im Netzwerk mit den Pflegeeinrichtungen muss ausgebaut werden. Wir müssen noch mehr im Bereich Gesundheit und Pflege ausbilden – und auch ausländische Arbeitskräfte für diesen Bereich weiter anwerben. Wir müssen alle dazu noch sehr viel beitragen und uns weiter entwickeln – und dabei lokale, regionale und individuelle Lösungen suchen.

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