Ein Selbstversuch 

Einkauf ohne Plastikmüll: „Nein, das dürfen wir nicht!“

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Plastik für jeden: In den Obst- und Gemüseabteilungen fallen die großen Rollen mit den Gratis-Plastiktüten ins Auge.  

Landkreis - Von Janna Silinger. Die Ozeane sind voller Plastikmüll; PET-Flaschen, Seifentuben, Strohhalme und Tüten. Die Lage ist so dramatisch, dass die EU-Politiker dagegen mit Hilfe von Verboten einiger Produkte nun vorgehen möchten. Es ist die Woche der Nachhaltigkeit. Ein guter Zeitpunkt auch für uns Konsumenten, etwas zu tun. Mir scheint am logischsten, im Einkauf von Lebensmitteln auf Verpackungen aus Plastik zu verzichten.

Für ein paar Hintergrundinformationen versuche ich, verschiedene Filialleiter von großen Supermarktketten zu befragen. Leider wollen sie mir keine Antworten geben. Also gehe ich los.

Ich besuche drei konventionelle Supermärkte und einen Biomarkt. Das ist der Plan. Ich weiß natürlich, dass es in Supermärkten so gut wie unmöglich ist, plastikfrei einzukaufen. Aber bei aufmerksamer Beobachtung ist der unnötige Gebrauch erschreckend. Die Märkte werfen umsich mit den Gratistütchen und die Kunden greifen zu. Das ist einfach, man muss nicht schon zu Hause an den Stoffbeutel denken. In den ersten drei Läden bietet sich mir das gleiche Bild. Bestimmt die Hälfte der Produkte in der Gemüseabteilung ist in Plastikbehältern, Netzen, oder Folien verpackt. Einige Obstsorten, Paprika oder Karotten werden auch einzeln angeboten. Blumenkohl, kleine Tomaten, Salate oder Zwiebeln sind allesamt in Plastik gehüllt. Im Bioladen sieht das ein bisschen besser aus, obwohl auch dort meinem Empfinden nach zu viele Gemüsesorten in Folie oder Netze gewickelt sind.

Bis zum Tresen und nicht weiter

Ich versuche, an den Frischetheken Fleisch und Käse zu kaufen und die Produkte direkt in meiner Tupperdose mitzunehmen. Die Reaktion: „Nein, das dürfen wir aus hygienischen Gründen nicht.“ Dann aber die Überraschung und es folgt von zwei der vier Verkäuferinnen ein „aber wir könnten das schon irgendwie regeln.“ Ich darf dann die Tupperdose auf den Tresen stellen. Und die Verkäuferinnen legen die Produkte hinein, ohne dass die Dose je den Tresen überquert. Genau das, erklärt mir eine sehr nette Mitarbeiterin, sei das Problem: Solange sich das Behältnis nur auf der Käuferseite befindet, ist es möglich. Das geht bei Käse, festem Fleisch, nicht aber bei eingelegten Produkten, die tropfen. Es ist also keine optimale Lösung. „Wir arbeiten aber zur Zeit daran“, sagt sie mir.

In einem Supermarkt möchte ich mir noch einen Kaffee holen. Ganz in meinem Element, kaufe ich mir dazu einen wiederverwendbaren Becher. „Gut für das Gewissen“, heißt es auf dem Werbeplakat. Leider muss ich dann doch Müll produzieren, wegen der Zuckerpäckchen, der Milchdöschen und des Plastiklöffels zum Umrühren. Es fühlt sich kurz an, als sei jegliche Bemühung umsonst. Als müsste ich meinen Lebensstil radikal umstellen: Meinen Kaffee von nun an schwarz trinken? Für die Figur wäre das sicherlich von Vorteil, aber das Müllproblem wäre dadurch nicht gelöst.

Ins Umland fürs gute Gewissen? 

Der plastik- beziehungsweise sogar verpackungslose Einkauf ist wohl nur möglich und sinnvoll, wenn man – am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln – bis nach Bremen oder Hannover zu speziellen verpackungsfreien Geschäften fährt. Dafür muss man jedoch deutlich mehr Zeit und Geld einkalkulieren. Das ist für viele nicht machbar, für mich auch nicht.

Dann sehe ich eine junge Frau, die zwei der Gratisplastiktüten aus dem Laden trägt. In der einen eine Möhre, in der anderen ein Pfirsich. Dazu einen „Coffee to go“ mit Plastiklöffel. Innerlich verurteile ich sie. Dann fällt mir ein, dass ich gestern zum Mittagessen einen Salat aus einer Plastikschale mit Plastikgabel gegessen habe. Dazu gab es Dressing aus einem Plastikbeutelchen.

Erst jetzt habe ich angefangen, auf meinen Plastikkonsum zu achten. Und auch wenn es für mich nicht immer möglich ist, 100 Prozent zu verzichten, kann ich mein Bestes geben.

Nachhaltigkeit

Vom 30. Mai bis 5. Juni wurde die Europäische Nachhaltigkeitswoche (ESDW) begangen. Diese europaweite Initiative hat zum Ziel, Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen, die zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, sichtbarer zu machen. Daher stellen wir einige Aktivitäten von Kommunen und Bürgern im Landkreis Diepholz vor, die Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen – oder eben nicht. Nachhaltig leben ist eine Herausforderung. Hier geht es zur Übersicht.

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