Nach sieben Jahren wird im Diepholzer Krankenhaus wieder ein Kind geboren

Überraschung in Klinik: Baby statt Blinddarm

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Erleichtert und glücklich sind Mutter und Kind nach der überraschenden Geburt ebenso wie das Team um Dr. Malan.

Diepholz/Cornau - Von Sven Reckmann. Mit Magenkrämpfen lässt sich Julia Spreen am Samstagnachmittag in die Diepholzer Klinik bringen. Da ist die 25-Jährige aus Cornau noch felsenfest davon überzeugt: „Ich bin alles, aber nicht schwanger!“ Vielleicht macht der Blinddarm Probleme? Stunden später ist sie eine geschaffte, überwältigte, aber auch glückliche Mutter einer kleinen Tochter.

Dr. Dariusz Malan ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Diep-holz. Am Sonnabend gegen 17 Uhr wird er telefonisch zu einem Notfall in die chirurgische Ambulanz des Alexianer-Klinikums Diepholz gerufen. „Blutung in der Schwangerschaft“, heißt es da. Das Problem: Die Patientin verneint, schwanger zu sein.

„Da sprechen mich heute natürlich alle drauf an“, lacht Julia Spreen, „aber ich habe wirklich nichts gemerkt.“ Am Morgen war sie noch ganz normal zur Arbeit gegangen, hatte sieben Stunden am Tresen einer Bäckerei bedient. Später meldeten sich dann die „Magenkrämpfe“. Mit der Mutter geht es vorsichtshalber in die Diepholzer Klinik.

Dort steht für Dr. Malan rasch fest: Die von Schmerzen geplagte junge Frau ist nicht nur schwanger, sondern die Geburt steht sogar kurz bevor. Geschätzt: 35. Schwangerschaftswoche. Eine Verlegung ist nicht mehr möglich und eine Geburtshilfeabteilung gibt es hier seit vielen Jahren nicht mehr. Malan trommelt das gesamte medizinische Personal zusammen, das in der Klinik zu dieser Zeit Dienst tut. Es beginnen dramatische Minuten und Stunden.

Die Geburt muss improvisiert werden. „Wir haben natürlich keinen Wehenschreiber mehr“, berichtet Malan, keinen Kreißsaal, keine medizinische Geräte, die notwendig wären. „Wir haben gerade einen kleinen Raum, in dem wir untersuchen können, nichts für eine Entbindung.“

Per Ultraschall gelingt es dem Arzt, die Herztöne zu untersuchen. „Aus der Schwester wurde eine Hebamme, aus dem Anästhesiearzt ein Kinderarzt“, erinnert sich Malan mit leuchtenden Augen.

Und dann der große Moment: Sophie ist da. 2520 Gramm, 50 Zentimeter. „Sie war rosig, und es war für alle eine große Freude“, so Malan.

Im Laufe des Abend wurden die Kleine und ihre Mutter nach Vechta ins St. Marienhospital gebracht.

Julias Freund Sascha (27) erfährt die Nachricht als erstes von Julias Oma und ist selbstredend gewaltig „von den Socken“, erzählt Julia Spreen. Auch er macht sich natürlich auf den Weg in die Klinik.

Heute sollen Mutter und Kind, beide sind wohlauf, nach Hause entlassen werden, ins Elternhaus nach Cornau.

Auch dort war die Überraschung und die Freude natürlich groß. Wo andere Familien monatelang Zeit haben, die Grundausstattung anzuschaffen, musste es bei Spreens allerdings innerhalb von Stunden gehen. „Die Nachbarn haben ganz toll mitgeholfen“, ist Julia Spreen dankbar. „Wir haben ganz schnell alles zusammenbekommen, vielen Dank an unseren Freudes- und Bekanntenkreis“, sagt die „plötzliche Oma“ Cornelia Spreen. „Wir sind stolz auf unsere Nachbarn.“

Vor sieben Jahren schloss die Geburtshilfestation der Diepholzer Klinik die Pforten. Dass nun nach all den Jahren wieder ein Kind „Klinik Diepholz“ in der Geburtsurkunde stehen hat, ist eine unglaubliche Geschichte.

Absolut emotional, bewegend und unvergesslich wohl für alle Beteiligten war dieser Moment. Ein Moment der – wie es der Zufall will – eben genau in diese Zeit passt, in der die Diskussionen um die heimische Kliniklandschaft für Ängste und Sorgen bei den Mitarbeitern sorgt. „Vielleicht macht das die Entscheider nachdenklich“, meint Dr. Malan mit ruhiger Stimme. „Vielleicht war das ein Symbol dafür, wie sehr hier alle bereit sind, Menschen zu helfen.“

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