Mehr Einbürgerungen im Landkreis

Nach Brexit: Briten wollen deutschen Pass

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Landkreis Diepholz - Von Katharina Schmidt. Großbritannien will die EU in knapp zwei Jahren verlassen – und wird deswegen selbst verlassen. Viele Briten, die in Deutschland leben, kehren ihrem Heimatland zumindest auf dem Papier den Rücken. Die Zahl der eingebürgerten Personen aus dem Vereinigten Königreich ist 2016 in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr um 368 Prozent gestiegen. Das hat das Statistische Landesamt ermittelt. Laut der Behörde haben sich noch nie so viele Briten einbürgern lassen. Auch im Landkreis Diepholz hinterlässt der Brexit Spuren.

„Wir haben vermehrt Briten, die sich einbürgern lassen“, hat Rolf Napp beobachtet. Er ist Leiter des Teams Personenstandwesen bei der Kreisverwaltung. In der Zeit vor dem Brexit hat es ihm zufolge so gut wie keine Einbürgerungen von Menschen aus Großbritannien gegeben.

Mittlerweile ist im Landkreis Diepholz jeder Achte, der den deutschen Pass will, Brite. Damit belegt das Vereinigte Königreich Platz zwei auf der Liste der häufigsten Herkunftsländer. „Die kommen alle wegen dem Brexit“, berichtet Napp von Gesprächen mit den Antragstellern.

In diesem Jahr haben exakt 19 Briten einen Antrag auf Einbürgerung bei der Kreisverwaltung gestellt. Im vergangenen Jahr waren es 14.

In der Regel sind die Antragsteller älter als 50 Jahre und leben schon lange in Deutschland. Rolf Napps Eindruck: „Das sind Leute, die auf ihre alten Tagen kein Theater mehr haben wollen, was ihren Aufenthalt angeht.“

24 türkische Antragssteller gelistet

Nur türkische Staatsangehörige beantragen im Landkreis öfter den deutschen Pass als Briten. 24 Türken hat das Team Personenstandswesen in der Übersicht aller Antragsteller in diesem Jahr bisher gelistet.

Zu den Top vier der Einbürgerungsnationen zählen zudem Syrien und Polen. Rückläufig ist Napp zufolge die Zahl der Vietnamesen und Indonesier, die per Urkunde Deutsche werden. Aus diesen Nationen seien inzwischen fast alle eingebürgert worden, die eingebürgert werden konnten.

Insgesamt beantragen bei der Kreisverwaltung jedes Jahr Menschen aus 30 bis 40 Ländern die deutsche Staatsbürgerschaft. In diesem Jahr sind bei den Mitarbeitern bisher 155 Einbürgerungsanträge eingegangen. Teamleiter Napp schätzt, dass die Zahl bis zum Jahresende auf knapp 240 ansteigen wird. 2016 zählten die Verwaltungsmitarbeiter 226 Formulare – also deutlich weniger.

Ablehnungsquote liegt bei etwa fünf Prozent

„Die Ablehnungsquote beträgt etwa fünf Prozent“, informiert Napp. In den meisten Fällen muss die Behörde Ausländer wegen ungeklärter Identitäten zurückweisen. Manchmal seien die Papiere wirklich nicht vorhanden – oft würden sie aber bewusst zurückgehalten, sagt Napp.

Er sieht viel Arbeit auf die Kreisverwaltung zukommen, sollten viele Flüchtlinge in nicht allzuferner Zukunft nach acht Jahren rechtmäßigem Aufenthalt in Deutschland Anträge auf Einbürgerung stellen.

In ganz Niedersachsen bekamen laut dem Statistischen Landesamt im vergangenen Jahr 8 519 Personen einen deutschen Ausweis. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von knapp sieben Prozent.

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