Neues Album veröffentlicht

Diepholzerin Annie Bloch: „Musik ist weder Hobby noch Beruf“

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Die Diepholzerin Annie Bloch stellt am 22. November ihr neues Album „Floors“ vor.

Nach dem Abitur zog die Diepholzerin Ann-Christin Bloch nach Irland, um dort Musik zu studieren. Als sie zurückkam, war aus Ann-Christin plötzlich Annie geworden. Die heute 24-Jährige hat die Kirchenorgel von damals um Gitarre und Stagepiano ergänzt. Annie Bloch macht jetzt Indie-Pop. Die Fragen stellte Luka Spahr.

Am 22. November erscheint dein zweites Album „Floors“. Machen wir es mal so: Wer dieses Album mag, mag auch?

Hm, schwierig. Ich würde sagen: Wer dieses Album mag, der geht gerne mit Socken über Teppich, fährt gerne Bahn und liebt Gitarren.

Warum?

Wir haben die Sachen im Sommer aufgenommen. Eigentlich bin ich voll der Herbst- und Wintermensch und die Songs wurden auch ursprünglich im Winter geschrieben. Deswegen wollte ich sie auch in einer dunklen Jahreszeit veröffentlichen. Der Prozess des Aufnehmens war dabei ziemlich besonders. Wir haben in einer Scheune aufgenommen, die super Lo-Fi (Mit geringer Klangtreue, Anm. d. Red.) war. Da war ich auf jeden Fall immer in den Proben und bei den Aufnahmen auf Socken. Irgendwie assoziiere ich das damit.

Auf deinem ersten Album „In Between“ ging es unter anderem um deine Zerrissenheit zwischen Deutschland und Irland. „Floors“ steht für…?

Lustigerweise ist die Thematik da ähnlich. Allerdings auf eine andere Art. Es geht auf „Floors“ viel um Liebe und um Freundschaft. Bei manchen Songs geht es etwa darum, einfach mal auf dem Boden, im Englischen: floor, zu liegen und traurig zu sein. Andererseits finde ich auch dieses Bild superschön von einem großen Haus mit verschiedenen Ebenen, die auf englisch ebenfalls floors heißen. Da leben verschiedenste Menschen zur gleichen Zeit, aber nicht zusammen.

Am 20. September kam mit „Pouring“ bereits die erste Single deines neuen Albums raus, am 25. Oktober folgte mit „Too Drunk To Talk“ dein erstes Musikvideo. Würdest du dich mittlerweile als Profi-Musikerin bezeichnen?

(Lacht) Ja, ich würde mich heute schon als Profi bezeichnen. Aber nicht nur bezüglich meines Könnens. Profi kommt ja von professionell. Und professionell bedeutet für mich auch: Es ist ein Beruf und ich meine es ernst. Für mich geht es da um die Herangehensweise. Profi bedeutet für mich nämlich auch, die professionelle Arbeit von anderen Leuten in Anspruch zu nehmen, Geld zu investieren und Dinge abzugeben an Menschen, die das viel besser können als ich.

Du bist von Diepholz zum Studium nach Cork in Irland gegangen und wohnst heute in Köln. Wie hat dich deine Zeit im Ausland verändert?

Ich glaube, für mich hat das Künstlerische an der Musik in Irland erst so richtig angefangen, Sinn zu ergeben. Das verbinde ich auch immer noch alles sehr stark mit dem Land. Ich würde nicht sagen, dass ich durch meinen Auslandsaufenthalt ein anderer Mensch geworden bin und als dieser jetzt wieder in Deutschland lebe. Eher, dass ich mich ein wenig geöffnet habe und jetzt auch so bleiben will.

Auch deine Band ist heute international zusammengesetzt. Gab es da anfangs Schwierigkeiten?

Es war in dem Moment auf jeden Fall viel leichter, aus meinem eigenen Kopf herauszukommen. Ich fand es zum Beispiel viel leichter, Sachen auf englisch zu kommunizieren. Die erste Band, die ich in Irland hatte, bestand auch aus Freunden, wodurch es ein sehr guter Rahmen war, um Dinge auszuprobieren. Noch spannender als die Internationalität – im Grunde funktionieren ja alle Musiker ähnlich – fand ich aber, die unterschiedlichen Musik- und Lernstile zusammenzuführen. Vor allem bei dem neuen Album hatte ich ein paar Klassiker dabei, ein paar Jazzer, ein paar Popleute und dann aber auch welche, die einfach nur nach Gehör spielen. Die Klassiker wollen dann zum Beispiel jedes Detail genau sortiert haben, denken über alles ganz anders nach und haben auch oft schon eine genaue Klangvorstellung. Ich fand das dann total spannend, das alles zusammenzuführen.

Wie blickst du heute auf deine Entscheidung von damals, ein Musikstudium zu beginnen und damit gewissermaßen dein Hobby zum Beruf zu machen?

Ich glaube, für mich war das nie eine Entscheidung. Das ist eher so, wie wenn man sich verliebt. Witzigerweise habe ich immer das Gefühl, dass Musikersein eigentlich weder Hobby noch Beruf ist. Ich finde es immer schade, wenn das so betrachtet wird. Oft wird gesagt: Das ist doch toll, wenn du Musik machst, und etwas tust, dass dir Spaß macht. Es ist aber nicht immer nur Spaß und auch sehr viel, sehr harte Arbeit – sowohl körperlich als auch mental. Andersrum ist es aber auch ein Privileg, etwas so Sinnstiftendes machen zu dürfen.

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