Apfelernte

Mundraub ist auf ausgewiesenen Flächen im Kreis Diepholz erwünscht

Frisch vom Baum am besten: Die ersten Äpfel in der Region sind reif.
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Frisch vom Baum am besten: Die ersten Äpfel in der Region sind reif.

Mundraub ausdrücklich erlaubt – das ist die Botschaft der gleichnamigen Organisation, die frei nach dem Motto „Pflück dein Glück“ zur Ernte auf ausgewiesenen Flächen aufruft. Einige davon liegen im Landkreis Diepholz. Reife Äpfel auf Wiesen oder am Straßenrand dürfen Bürger durchaus pflücken – wenn sie bestimmte Regeln beachten.

Landkreis  Diepholz – Seit Evas Zeiten gilt er als die verführerischste Frucht der Menschheitsgeschichte: Der Apfel ist nach wie vor das beliebteste Obst der Deutschen. 79  Prozent von uns verspeisen zumindest hin und wieder einen Apfel, meldet das Internetportal Statista. Zurzeit leuchten die ersten Früchte wieder am Straßenrand – aber darf man ohne schlechtes Gewissen zugreifen?

Absprache mit der Straßenmeisterei erwünscht

Egal, ob Äpfel oder Birnen: Grundsätzlich hat der Landkreis als Straßenbaulastträger nichts dagegen, wenn Obstfreunde sich an den Bäumen der Kreisstraßen bedienen. „Aber die Sicherheit muss unbedingt gewährleistet sein“, betont Stephan Maas als Leiter der Landkreis-Fachdienste Bauordnung und Städtebau sowie Umwelt und Straße. Will heißen: Keine Leitern aufstellen, die den Straßenverkehr behindern, und auch das eigene Fahrzeug mit dem gebotenen Sicherheitsabstand zur Straße parken.

Sicherheit hat auch an den Landesstraßen Vorfahrt. Deshalb hat Uwe Schindler als Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau am Standort Nienburg schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass sich Obstpflücker zuvor unbedingt an die zuständige Straßenmeisterei wenden sollten.

Heimstatt und Kirchdorf beteiligen sich an der Aktion Gelbes Band

Unabhängig davon besteht die Möglichkeit, auf privaten oder öffentlich geförderten Flächen Obst zu ernten. Wo, erfahren Interessierte zum Beispiel durch ein gelbes Band. Die gleichnamige Aktion ist ein Ernteprojekt des Zentrums für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen: Ein gelbes Band um einen Obstbaum geschlungen signalisiert, dass die Früchte abgeerntet werden dürfen. Die Standorte sind auf einer Internet-Karte abrufbar. Schon zwei sind dort für den Landkreis Diepholz vermerkt: eine Fläche in Heimstatt (Freistatt) und eine in Kirchdorf.

Rezept: Apfelmus mit Ahornsirup

Ein Kilogramm Äpfel waschen, schälen und das Kerngehäuse entfernen. In mundgerechte Stücke schneiden und mit 100 Millilitern Wasser in einen Kochtopf geben; den Saft einer Zitrone dazu. Das Ganze mit drei Esslöffeln Ahornsirup vermischen und zum Kochen bringen; eine halbe Vanilleschote mitkochen lassen (ersatzweise: einige Tropfen Vanille-Aroma) und die Mischung etwa 15 Minuten leise köcheln lassen. Vanilleschote entfernen, Mus mit dem Pürierstab cremig rühren oder durch eine Flotte Lotte geben. 

Erst im vergangenen Jahr war die Aktion Gelbes Band gestartet. Rund 1800 Bänder leuchteten demnach in ganz Niedersachsen verteilt. „Privatpersonen, Vereine und Kommunen haben Obstbäume an über 70 Standorten gekennzeichnet“, berichtet das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen – und hofft, die Zahlen im laufenden Jahr noch toppen zu können, denn die Ernte hat erst begonnen.

Selbstpflücken bedeutet Regionalität und Saisonalität

Dagegen hat die Aktion „mundraub“ bereits Tradition – nach eigenen Angaben als größte deutschsprachige Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften. Über die gleichnamige Internet-Plattform können Obstfreunde ihre Fundorte kartieren oder eigene Gruppen gründen – mit dem Ziel, Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität zu schaffen. In jedem Fall gelten bei „mundraub“ strikte Regeln dafür: 1. Beachte die Eigentumsrechte; 2. Gehe behutsam mit Baum und Natur um; 3. Teile die Früchte deiner Entdeckungen; 4. Engagiere dich bei der Pflege von Obstbäumen.

Aber es gibt auch andere Organisationen, die kostenloses Obst zum Selbstpflücken anbieten – wie der Naturschutzbund (Nabu) in Syke. Dessen Mitglieder pflegen zum Beispiel eine große Streuobstwiese in Bassum-Eschenhausen. Im vorderen Bereich dieser Fläche dürfen sich, so der stellvertretende Nabu-Vorsitzende Ulf Walek auf Anfrage, Obstfreunde gern bedienen – und sich mit haushaltsüblichen Mengen versorgen. Leider mussten die Naturschützer auch schon erleben, dass Unbekannte mit Lastwagen auf der Fläche ernteten, war von Ulf Walek zu erfahren.

Nabu setzt auf Streuobstwiesen

Die große Fläche im hinteren Bereich mit ihren 174 Obstbäumen ist für den Nabu reserviert: „Wir legen Netze unter die Bäume, schütteln die Äpfel herunter und bringen sie am selben Tag noch zur Mosterei“, sagt Ulrich Walek. Den Apfelsaft verkauft der Nabu, das Geld fließt in die Pflege der Streuobstwiese, die sich im Besitz der Stadt befindet.

Woher kommen Äpfel im Supermarkt?

Allein 192 533 Tonnen Äpfel werden aus Italien in die Bundesrepublik importiert, meldet das Internetportal Statista. Immerhin 64 671 Tonnen kommen aus den Niederlanden und 43 274 Tonnen aus Polen – und sogar 3 600 Tonnen aus China. Außerdem gehören neuseeländische Äpfel zum Angebot.

Immerhin: Zwei von zehn Äpfeln kommen aus Deutschland, meldet das Wissenschaftsforum Welt der Wunder. Allein im Alten Land werden, so gibt diese Region nicht ohne Stolz bekannt, 265 000 Tonnen Äpfel pro Saison geerntet. Die Apfelsaison endet Anfang November.

Eine weitere Streuobstwiese pflegt der Nabu am Hohen Berg in Syke. Dort übernimmt diese Aufgabe die Nabu-Jugend – nach dem Apfelsaft-Prinzip. Das Gelände sei eingezäunt, aber im östlichen Bereich stehe eine Fläche für alle interessierten Selbstpflücker zur Verfügung, so der stellvertretende Nabu-Vorsitzende. Er verweist außerdem auf eine weitere Pflückmöglichkeit auf einer Fläche hinter Möbel Wagner in Syke-Barrien.

Selbstversorgung ist ein Beitrag zum Klimaschutz

Im Süden des Landkreises hat die Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz eine Streuobstwiese angelegt – im Bereich „Auf den Bröken“ am Rande zur nordrhein-westfälischen Gemeinde Stemwede. Mehr als 300 Obstbäume gedeihen dort – darunter Apfel-, Birnen- sowie Hauszwetschgen- und Mirabellen-Bäume. Dort sind zahlreiche regionstypische Apfelsorten aufgepflanzt und auf Informationstafeln beschrieben. Pflücken erlaubt – aber nur für den eigenen Genuss und nicht in größeren Mengen.

„In Nordwestdeutschland wurden ab 1830 in größerem Umfang Obstbäume gepflanzt. Die Obstbäume wurden meist zur Eigenversorgung benötigt. Sie waren in geschlossenen Flächen fast immer in Hofnähe aufgepflanzt“, erläutert die Stiftung Naturschutz auf ihrer Internet-Seite. „Durch Auslese von Zufallssämlingen entstanden regionale und lokale Obstsorten. Sie waren besonders gut an Boden und Klima angepasst.“

Wer heute die Möglichkeit zur Selbstversorgung in haushaltsüblichen Mengen nutzt und regionale Verwertung praktiziert, leistet schon einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz: „Regionale Lebensmittel liegen im Trend. Sie sind frisch, saisonal und klimafreundlicher als Produkte, die über weite Strecken transportiert werden“, erläutert das Internetportal food-monitor. Auch in diesem Sinne ist der Slogan der Organisation „mundraub“ zu verstehen: „Pflück dein Glück.“

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