Diepholzer Mumie gibt neue Rätsel auf: Studenten-Gag oder Souvenir?

Kinder-Pfeil, Plastikknochen und ein echter Schädel

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Nur Kinderspielzeug: Die mysteriöse Pfeilspitze im Kopf der Diepholzer Mumie ist wohl keine Mordwaffe.

Diepholz/Hamburg - Von Martin Sommer. Zuerst sah es nach einem mysteriösen Dachbodenfund aus, dann nach einem möglichen Kapitalverbrechen. Neueste Untersuchungen an der Diepholzer Mumie geben dem Fall erneut eine spektakuläre Wende: In dem echten menschlichen Schädel entdeckten Hamburger Gerichtsmediziner eine Spielzeug-Pfeilspitze. Und bei den weiteren Skelettteilen handelt es sich um Plastikknochen.

Doch damit nicht genug: Unter den Textilbandagen war das Knochensammelsurium in handelsübliche Küchen-Papiertücher eingewickelt, berichtete Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, gestern auf Anfrage. Die Gebeine seien „besonders präpariert“ gewesen, so dass sie auf Röntgenaufnahmen wie Knochen erschienen. Sie waren in ihren natürlichen Positionen angeordnet. Bei Plastikknochen und Haushaltstüchern handelt es sich eindeutig um neuzeitliche Produkte. Noch ungeklärt ist hingegen die zeitliche Einordnung des menschlichen Schädels. Frühere Hinweise auf ein biblisches Alter von etwa 2.000 Jahren hätten sich mittlerweile zerschlagen, sagte Gaebel.

Lesen Sie auch, auf welche spannende Weise die ersten Erkenntnisse zur Diepholzer Mumie gemacht wurden.

Woher stammt der Kopf also? Zwei Möglichkeiten drängen sich auf: Ägyptische Fälscher könnten das Potpourri für den touristischen Antiquitätenmarkt angefertigt haben. Eine solche Praxis sei Jahrzehnte lang gängig gewesen, sagte die Ägyptologin Regine Schulz, Direktorin des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museums. „Mumien waren, das muss man ganz klar sagen, ein Handelsgut.“

Bei der falschen Mumie könnte es sich aber auch um einen studentischen Scherz handeln. Wie Staatsanwalt Gaebel berichtete, gibt es einen regelrechten, legalen Knochenmarkt für die Mediziner-Ausbildung. Findige Studenten hätten also die Möglichkeit haben können, für irgendeinen Anlass oder als Gag eine realistisch wirkende Mumie herzustellen.

Der Finder der Mumie, der Diepholzer Zahnarzt Lutz Wolfgang Kettler, fand die neuen Erkenntnisse gestern nur „unerklärlich – wie viele Dinge in der Angelegenheit.“

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