„Der See ist krank“

Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung besucht Dümmer See

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Gemeinsam für die Gesundung des Dümmers: Jörg Prante (von links), Hans-Heinrich Schuster, Dr. Conrad Ludewig, Karin Beckmann und Cord Bockhop.

Lembruch - Von Julia Kreykenbohm. Bei ihrem ersten Besuch am Dümmer See hatte Karin Beckmann strahlendes Wetter bekommen. Doch der See empfing die Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung am Montag mit einem schmalen Blaualgenteppich am Ufer, der, wenn der Wind günstig stand, auch geruchstechnisch wahrzunehmen war.

Fast so, als wolle der Dümmer die Worte von Hans-Heinrich Schuster vom Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bekräftigen: „Der See ist krank.“

Und deshalb bemühen sich zurzeit viele „Doktoren“ um ihn, entwickeln „Therapien“, die ihn gesund machen sollen. Über diese wollte sich Beckmann vor Ort erkundigen, damit sie das ein oder andere Wort in Hildesheim einlegen kann, wenn es um mögliche Zuschüsse für den Dümmer geht.

Das große Problem sei, dass viele Projekte, die für den See angeschoben werden, von der Bevölkerung kaum wahrgenommen würden, erklärte Landrat Cord Bockhop, der ebenso wie Dr. Conrad Ludewig vom Amt für regionale Landesentwicklung und Jörg Prante (NLWKN) zum Ortstermin erschienen war. Denn diese Projekte spielen sich auf Osnabrücker Seite ab, wo die Hunte fließt, die die Nährstoffe in den Dümmer schwemmt.

Landwirte werden eingebunden

„Seit 2012 gibt es Beratungen für Landwirte, für die 150.000 Euro pro Jahr bereitgestellt werden“, weiß Schuster. Dabei geht es unter anderem um das Begrünen von Flächen oder bessere Technik beim Verspritzen der Gülle. Außerdem verspricht man sich viel von dem Schilfspolder, der an der oberen Hunte gepflanzt werden und bis zu sechs Tonnen an Nährstoffen herausfiltern soll. Insgesamt wird der Polder sich auf 200 Hektar erstrecken. Für die ersten 125 Hektar arbeiten die Verantwortlichen an einem Entwurf, so dass 2018 der Antrag auf Realisierung gestellt werden kann.

Ein weiteres Projekt ist das Ansiedeln von mittleren und kleinen Fischen. Zurzeit dominieren die Brassen und Karpfen, die auch die Wasserpflanzen fressen. „Würde man einen Teil von ihnen abfischen, könnten sich die Pflanzen erholen, die wiederum als Nahrung für die kleinen und mittleren Tiere dienen. Diese fressen auch die Larven der Zuckmücken.“ Dieser Punkt lag Bockhop am Herzen, der der Landesbeauftragten von den Unannehmlichkeiten berichtete, die die kleinen Plagegeister den Gästen des Sees und seiner Umgebung bereiten.

Kollision verschiedener Interessen

Problem: Bei diesem Vorhaben kollidieren – wie so häufig – verschiedene Interessengruppen. „Bei solchen Konflikten dürfen wir nicht warten, sondern müssen das Gespräch suchen und dann eine Entscheidung treffen. Allen werden wir es wohl sowieso nie recht machen können“, erklärte Bockhop.

„Da es noch eine Weile dauern wird, bis die Maßnahmen greifen, müssen wir versuchen, die Betriebe hier zum Durchhalten zu motivieren“, meinte Beckmann. Das könne gelingen, in dem man die Umgebung weiter aufwerte, zum Beispiel durch Spielgeräte oder Bars, um das Urlaubsfeeling zu stärken, so der Landrat. „Schon kleine Summen sind hilfreich, um Angebote zu schaffen“, hieß es in Richtung Beckmann.

Obwohl das Ökosystem des Sees erkankt ist, ist die Qualität des Wasser gut, was durch kleine Sofortmaßnahmen wie einen Zaun bewirkt wird, der die Enten vom Ufer fernhält. „So wird die Keimbelastung gesenkt“, erklärt Schuster. Aber Zaun oder Einsatz von Nitraten, die die Geruchsbelästigung beseitigen, sind nur Symptombehandlungen. Bis die „Therapien“ greifen, wird wohl noch viel Huntewasser in den See fließen. Oder wie Beckmann sagte: „Die Dümmer-Sanierung läuft – aber dauert.“

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