Seuchengefahr ist groß

Wildschwein-Population enorm angestiegen: Jäger wollen handeln

Landkreis Diepholz - Wildschweine stürmen durch Heide (Schleswig-Holstein), im Hamburger Norden zieht eine Rotte marodierend durch mehrere Vorgärten, auf Usedom leisten sie den Strandbesuchern ungefragt Gesellschaft und bei Rathenow kollidiert ein ICE mit einer Gruppe der Borstentiere.

Wildschweine erobern sich ihren festen Platz in den Medien – und gefühlt bereits ganz Deutschland. Aber stimmt dieser Eindruck mit der Realität überein?

Kreisjägermeister Cord-Hinrich Hespe bestätigt das. Schuld an dem enormen Anstieg der Population seien die zwei, drei lauen Winter der vergangenen Jahre. Im Landkreis Diepholz finden die Tiere zudem weite Flächen und genügend Futter. Ideale Bedingungen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: „628 Wildschweine wurden 2016/17 im Landkreis geschossen. Das sind über 100 mehr als im Vorjahreszeitraum.“

Aus diesem Grund werden die Jäger aktiv: „Wir rufen nun auch massiv dazu auf, Bachen zu schießen.“ Aber, und das betont Hespe ausdrücklich: „Keine Muttertiere.“ Da die Bachen bei guten Bedingungen beinahe das ganze Jahr über werfen können, ist es nicht ganz leicht herauszufinden, welche von ihnen gerade Frischlinge haben. Deswegen müssen die Jäger ganz genau hinschauen, ob das Tier bereits Zitzen hat. Bachen können übrigens schon mit einem Jahr werfen und drei bis zehn Kleine zur Welt bringen. Die Saison der größeren Jagden hat bereits im Oktober begonnen und wird bis Januar dauern.

Hohe Seuchengefahr

„Wir müssen jetzt den Bestand reduzieren“, so Hespe. Denn die Seuchengefahr ist hoch, da die Afrikanische Schweinepest bereits in Tschechien nachgewiesen wurde und durch Menschen auch nach Deutschland eingeschleppt werden könnte. „Ein Lastwagenfahrer wirft an einer Raststätte ein angebissenes Butterbrot über den Zaun, und das Wildschwein holt es sich“, konstruiert Hespe ein Beispiel. 

Das infizierte Wildschwein wiederum könne die Krankheit auf Hausschweine übertragen, die daran zugrunde gingen. Für den Landwirt wäre das eine Katastrophe, da er nach dem Tod eines Tieres keines aus seinem Bestand mehr exportieren dürfte.

Auch Schweinepest denkbar

Außerdem können Wildschweine auch die klassische Schweinpest sowie den Aujeszky-Virus (Pseudowut) übertragen (siehe Infos unten). Letzterer kann auch Hunden und Katzen den Tod bringen. „Wird der Aujeszky-Virus in einem Bereich nachgewiesen, können wir dort keine ordentliche Jagd mit Hunden mehr machen, da das Risiko für unsere Vierbeiner zu groß ist“, sagt Kreisjägermeister Hespe. Für Menschen seien die Erkrankungen unbedenklich. Auch die Gefahr für Menschen durch Wildschweinangriffe ist laut Hespe sehr gering, es sei denn, man gerät zwischen eine Bache und ihre Frischlinge oder begegnet einem kranken oder verletzten Tier.

Der Grund, warum im Moment die Schweine umherziehen und – wie kürzlich – vor einen ICE laufen, sei das Ende der Erntesaison, erläutert Hespe. Die dichten Maisfelder stünden nicht mehr, und die Tiere suchten neue Behausungen.

Ein tödlicher Virus

Die Aujeszkysche Krankheit (AK), auch Pseudowut genannt, ist eine Viruserkrankung, die vorrangig bei Schweinen auftritt und erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen kann. AK ist laut dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anzeigepflichtig. Deutschland gilt seit 2003 als frei von AK bei Hausschweinen. 

Untersuchungen zeigten jedoch, dass der Virus bei Wildschweinen in vielen Bundesländern vorkomme, so das Landesamt. Der Krankheitsverlauf beim Schwarzwild sei oft unauffällig, die Tiere seien latent infiziert. 2011 wurden demnach die ersten positiven Befunde bei Wildschweinen in Südost-Niedersachsen bekannt. 

Die AK befällt aber nicht nur Schweine, sondern auch Wiederkäuer sowie Hunde und Katzen. Für diese Tierarten ist eine Infektion immer tödlich. Es gibt keine Impfmöglichkeit. Die Ansteckung erfolgt meistens über die Aufnahme von rohem Fleisch oder Innereien infizierter Wildschweine oder durch den Kontakt mit Exkrementen und Sekreten.

juk

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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