941 ausländische Bewohner und noch Hilfsbedarf

Moorstraße in Diepholz ist kein Brennpunkt mehr

Vor dem Stadtteilhaus an der Moorstraße: Quartiersmanager Carsten Tellbach mit André Pfennig vom Jugendbüro, Hauswirtschafterin Romy Arndt und „Bufdi“ Kenneth Jockheck (von links) sind ein Teil des Teams.
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Vor dem Stadtteilhaus an der Moorstraße: Quartiersmanager Carsten Tellbach mit André Pfennig vom Jugendbüro, Hauswirtschafterin Romy Arndt und „Bufdi“ Kenneth Jockheck (von links) sind ein Teil des Teams.

Diepholz – Äußerlich ist (fast) alles gut: Das Stadtteilhaus ist eine zeitgemäße Anlaufstelle, die Moorstraße ist umgestaltet und frisch saniert, der Spielbereich und Treffpunkt „Regenbogenland“ wird gut genutzt. Und auch in andere Projekte – wie in den Multifunktionsraum an der Mühlenkampschule – hat die Stadt Diepholz mithilfe des Programms „Soziale Stadt“ in dem Quartier viel investiert. Ein sozialer Brennpunkt wie in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren ist die Moorstraße nicht mehr. Aber: „Die Probleme der Menschen hier sind nicht vom Tisch“, sagt Quartiersmanager Carsten Tellbach.

Er hat nach wie vor viel zu tun. Der 57-Jährige ist Ansprechpartner für die Bewohner des Stadtteils, von denen viele nicht oder nicht gut Deutsch sprechen können. Er hilft beim Ausfüllen von Formularen, beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen und bei Behördenkontakten, schreibt Begleitbriefe und organisiert Veranstaltungen im Stadtteilhaus.

Viele aus Rumänien und Bulgarien

Von den 1 806 Bewohnern des Quartiers sind 941 Ausländer, geht aus einer Statistik der Stadt Diepholz hervor, davon 702 EU-Ausländer. Während früher vorwiegend Flüchtlinge und in der Zeit davor zugezogene Russlanddeutsche den Großteil der Bewohner des Bereiches Moorstraße ausmachten, sind es heute vorwiegend Familien, Paare und Alleinstehende aus Rumänien und Bulgarien: fast alle Arbeitskräfte für die Fleischindustrie in Südoldenburg. Sie bleiben gern unter sich, was das Lernen der deutschen Sprache nicht fördert, ist die Erfahrung von Carsten Tellbach.

Er sieht einen langfristigen Unterstützungsbedarf für die Menschen im Quartier und macht sich Sorgen um die Zukunft, denn das Programm „Soziale Stadt“ von Land Niedersachsen und Bund, das seit 2020 „Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten“ heißt, läuft im Jahr 2023 aus. Eventuell wird es verlängert. 2008 war Diepholz mit ihrem Gebiet „Willenberg / Lüderstraße“ in dieses Städtebauförderungsprogramm aufgenommen worden. Der teilweise negativ belastete Begriff „Moorstraße“ wurde bei der Namensgebung vermieden.

Durch das Programm waren nicht nur die vielen Investitionen im Quartier möglich, wobei die Stadt Diepholz stets ein Drittel der Kosten zu tragen hatte – die anderen Teile übernahmen Land und Bund.

Quartiersmanager hat viel zu tun

Aus diesem Programm wird auch die Stelle des Quartiersmanagers bezahlt – auf Umwegen. Carsten Tellbach ist beim Verein Stadtteilladen angestellt, der die Personalkosten von der Stadt Diepholz ersetzt bekommt. Tellbach nimmt auch andere Aufgaben für den Stadtteilladen wahr – wie die Veranstaltungsorganisation. Besonders viel Unterstützung brauchten die Anwohner im Jahr 2018. Damals wurden fast alle Wohnblocks an eine andere Eigentümergesellschaft verkauft. Bei den Nebenkostenabrechnungen habe es danach viele Probleme gegeben, so der Quartiersmanager. Viele Betroffene wandten sich an Carsten Tellbach im Stadtteilhaus. Inzwischen hat sich diesbezüglich offenbar vieles geklärt. Seitdem es die beim Diakonischen Werk organisatorisch angesiedelte Beratungsstelle „Akzeptanz“ Ende 2019 geschlossen worden war, kommen laut Tellbach deutlich mehr Ratsuchende ins Stadtteilhaus.

Stadtteilhaus-Statistik

Für das Jahr 2019 weist die Statistik des Stadtteilladens 3 485 Besucher aus. Im Corona-Jahr 2020 mit einer mehrwöchigen Schließung wurden 1 856 Besucher gezählt, in diesem Jahr bislang 1 422.

Im 2016 fertiggestellten Stadtteilhaus an der Moorstraße 6 sind Räume für kleine Veranstaltungen und Treffen, die auch Vereine mit thematisch passenden Zielen nach Absprache nutzen können. Und dort ist das Büro des Quartiersmanagers mit Praktikanten und Bundesfreiwilligendienstleistenden („Bufdis“).

Dass der Verein Stadtteilladen im Stadteilhaus seinen Sitz hat, führt gelegentlich zu begrifflicher Verwirrung. Einen Raum im Stadtteilhaus nutzt das Jugendbüro der Stadt Diepholz, das von hier aus das Angebot in der Münte („Café Freiraum“), die Ferienprogramme und anderes organisiert.

Fester Ansprechpartner wichtig

Für die Bewohner des Quartiers sei wichtig, dass sie einen festen Ansprechpartner haben, zu dem sie Vertrauen aufbauen können und der viele kennt. Deshalb möchte Carsten Tellbach gern über 2023 hinaus Quartiersmanager bleiben. Die Finanzierung der 30-Stunden-Stelle ist wegen des 2023 auslaufende Förderprogramms jedoch noch offen. Carsten Tellbach hofft, dass die Mitglieder des neuen Diepholzer Rates die Notwendigkeit erkennen und sich rechtzeitig Gedanken darüber machen.

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