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Mit Bus aus Diepholz in die umkämpfte Ukraine

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Von: Eberhard Jansen

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Aus Lemberg in der umkämpften Ukraine holte Andreas Pörschke (vorn im Pullover) 73 Flüchtlinge ab. Am Montagabend gegen 18.45 Uhr kam sein Bus in Diepholz am Rathaus an.
Aus Lemberg in der umkämpften Ukraine holte Andreas Pörschke (vorn im Pullover) 73 Flüchtlinge ab. Am Montagabend gegen 18.45 Uhr kam sein Bus in Diepholz am Rathaus an. © Jansen

Diepholz – Ein Bus aus Deutschland war am Bahnhof in Lemberg (Lwiw) seit Tagen nicht mehr gesehen worden. Zu gefährlich ist angesichts der Kriegshandlungen den weitaus meisten privaten Helfern die Fahrt in die Ukraine geworden – auch in diesen westlichen Teil des Landes nahe Polen. Der Diepholzer Andreas Pörschke und ein zweiter Fahrer riskierten es.

Sie holten 73 Menschen aus der von Russland angegriffenen Ukraine – darunter ein schwerbehindertes Kind.

In Lemberg hörten die Bus-Insassen aus der Ferne Einschläge von Bomben oder Raketen. Doch Andreas Pörschke winkt ab: „Das war nicht gefährlich.“ Der zweite Fahrer Hans-Günther Winkeler sah das etwas anders: „Mir war schon mulmig“, berichtete der Osnabrücker von verminten Brücken und von Straßensperren mit Maschinengewehr-Stellungen auf dem Weg nach Lemberg. Am Montagabend endete Pörschkes zweite Ukraine-Hilfstour. Gegen 18.45 Uhr kam der Bus am Diepholzer Rathaus an.

73 Flüchtlinge nach Deutschland gebracht

Bei seiner ersten Fahrt hatte der tatkräftige Unternehmer Ukraine-Flüchtlinge aus Polen nach Deutschland geholt – schon kurz nach Kriegsbeginn. Jetzt fuhr der 53-Jährige mit einem größeren Bus in das von Russland angegriffene Land.

Den doppelstöckigen Bus hatte Pörschke gebraucht kaufen können. Für 49 000 Euro war das Fahrzeug dem engagierten Diepholzer angeboten worden, der in Wallenhorst eine Anlagenbau-Firma betreibt und mit Blockheizkraftwerken erfolgreich ist. 20 000 Euro hatte er selbst gezahlt, 29 000 Euro waren durch Spendenaufrufe bei Facebook und durch Unternehmensspenden zusammengekommen. Nach einigen Wartungsarbeiten bekam der schwarz-weiße Reisebus noch die große Aufschrift „Diepholz-Help-Ukraine“ und den Hinweis auf die heimischen Handballerinnen „HSG Lady Lions“, deren Sponsor Andreas Pörschke ist.

Am Samstagmittag startete der Bus am Rathaus in Diepholz. Als Sachspenden waren Medikamente und viele andere Waren an Bord. Nach einer kurzen Hotel-Übernachtung in Polen war der Bus am Sonntagvormittag am Ziel in Lemberg, berichtete Pörschke der Kreiszeitung. Am Lemberger Bahnhof nahm der Diepholzer die Flüchtlinge auf – fast ausschließlich Frauen und Kinder.

Schwer behindertes Kind

Auch eine Familie mit zwei Kindern stieg ein, eines davon schwer geistig und körperlich behindert. Der Familienvater im wehrpflichtigen Alter bekam bei der Ausreise aus der Ukraine zunächst Probleme. Nach langen Diskussionen und dem Hinweis, dass seine Frau es mit dem schwerbehinderten Mädchen nicht allein schaffe, durfte er ausreisen. Für das Kind hatte Pörschke während seiner vielen Handytelefonate eine Gastfamilie in Rhauderfehn gefunden. Für den Transport dorthin stand ein Spezialfahrzeug auf dem Rathausmarkt in Diepholz bereit. Die Gastmutter ist Pflegekraft in einer Behinderteneinrichtung.

Mit Beifall empfangen

Mehrere der zunächst etwa 73 Flüchtlinge im Bus wollten unterwegs aussteigen – in Breslau, Potsdam, Magdeburg und Lehrte verließen insgesamt etwa 20 den Bus. Mit 45 Menschen, zwei Hunden und einer Katze an Bord kam Andreas Pörschke am Abend in Diepholz an. Dort warteten schon die von ihm mit Hilfe von Freunden und Facebook organisierten Gastfamilien auch aus dem Landkreis Vechta. Sie empfingen nicht nur die Geflüchteten mit Beifall, sondern auch Andreas Pörschke und Fahrer Hans-Günter Winkeler.

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