Diskussion über ärztliche Versorgung und Krankenhäuser im ländlichen Raum

20 Minuten Anfahrt zur Praxis ist zumutbar

Ärztliche Versorgung im ländlichen Raum war am Montagabend Thema bei einer Veranstaltung der SPD Diepholz. Referent war der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Verden, Michael Schmitz (rechts) – hier mit dem Diepholzer SPD-Vorsitzenden Ingo Estermann. Foto: Jansen

Diepholz – Noch ist alles gut. Noch hat die Region Diepholz – mit der Kreisstadt, Barnstorf, Lemförde, Rehden und Wagenfeld – eine hausärztliche Versorgungsquote von 91,1 Prozent. Doch zieht man diejenigen niedergelassenen Allgemeinmediziner ab, die 63 Jahre und älter sind, also in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, sieht die Lage anders aus: Dann liegt die Versorgung nur bei 63,4 Prozent. „Ab 75 Prozent ist sie schlecht“, sagte Michael Schmitz, Geschäftsführer der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, Bezirksstelle Verden, am Montagabend bei einer Veranstaltung der SPD Diepholz. Die Kassenärztliche Vereinigung gebe viel Geld aus, um dieses Problem beispielsweise durch verschiedene Förderungen für sich neu niederlassende Mediziner zu lösen.

Trotz des viel diskutierten Themas „medizinische Versorgung“ – denn auch die Zukunft der heimischen Krankenhäuser gehört dazu – war der Besuch der 90-minütigen, öffentlichen Diskussion im Vereinsheim der SG Diepholz mit 17 Teilnehmern überschaubar.

Als Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist Michael Schmitz Fachmann für niedergelassene Ärzte. Das Thema Krankenhäuser gehört nur mittelbar zu seinem beruflichen Gebiet. Er stellte zunächst die Situation der ärztlichen Versorgung im KV-Bezirk Verden dar, sprach sich für eine „Landarztquote“ aus und erklärte, dass die „Ärzteschwemme“ der 1980er Jahre nun im Rentenalter ist. Der seit etwa zehn Jahren spürbare Hausärztemangel entstehe auch dadurch, dass Krankenhäuser durch neue Arbeitszeitregelungen mehr Ärzte anstellen müssen und sich viele Mediziner stark spezialisieren. Grundsätzlich gelte für Patienten eine 15- bis 20-minütige Anfahrt mit dem Auto zur Hausarztpraxis als zumutbar. „Die Strukturen werden sich ändern“, so Schmitz. Ein Weg, dem Hausärztemangel zu begegnen, sei, dass speziell geschulte Arzthelferinnen Hausbesuche machen und sowohl sie als auch der Patient mit mobilen Geräte und Bildschirmen mit einem Arzt kommunizieren. „Dazu brauchen wir aber überall Breitband“, betonte der Verdener KV-Geschäftsführer.

Die Zukunft der kleinen Krankenhäuser wird auch im Landkreis Diepholz aktuell wieder diskutiert. Wie berichtet, ist der Bau eines großen zentralen Krankenhauses in den Bereich des Möglichen gerückt. Dänemark sei so vorgegangen, erklärte Schmitz. Dort habe man gleichzeitig das Rettungssystem stark ausgebaut, sodass auch in den Fahrzeugen intensive Behandlungen – beispielsweise von Schlaganfallpatienten – möglich seien.

Die Diskussion über den Bau eines Zentralkrankenhauses im Landkreis Diepholz stehe erst am Anfang, betonte der Diepholzer SPD-Vorsitzende Ingo Estermann, der auch Kreistagsabgeordneter ist.

„Führen Sie die Diskussion angstfrei“, sagte Michael Schmitz, „aber denken Sie immer an die Qualität.“ Eine Maximalversorgung sei in kleinen Häusern nicht möglich.

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