Marlene Jaschke amüsiert brillant im fast ausverkauften Diepholzer Theater

Auch schlichte Witze als Lacherfolg und Kult

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Marlene Jaschke (alias Jutta Wübbe) und „Herr Griepenstroh“ am Dienstagabend auf der Bühne des fast ausverkauften Diepholzer Theaters.

Von Simone Brauns-Bömermann. Sie hat nie Probleme mit den Haaren vor ihrer Show, er auch nicht: Marlene Jaschke (alias Jutta Wübbe) und „Herr Griepenstroh“, ihr Pianist. Sie trägt seit Jahren den roten Filz-Hut, er ist haarlos. Sie trägt zudem das beige-braune Tante-Käthe-Kostüm, er Frack mit roten Socken und roter Schärpe. In Diepholz freuten sich beide einmal wieder sein zu dürfen – am Dienstagabend im fast ausverkauften Theater.

„Wissen Sie noch, Herr Griepenstroh, Sie erklärten mir letztes Mal, dass die Güllewagen gar nicht aus Diepholz kämen, sondern aus Vechta“. Volker Griepenstroh, der Mann am Klavier, muss es wissen, denn er stammt aus Diepholz.

Seine Ansicht fürs Publikum ist sein Rücken – bis auf die Verneigung am Anfang, einige verschmitzte Seitenblicke während der Show und die Verneigung am Schluss. Aber in der neuen Show singt er auch und darf einen chinesischen Satz aufsagen.

Marlene Jaschke ist die Subkultur der Heidi Kabel und beherrscht das Geschäft der Komödie brillant. Bei ihrem neuen Programm „Nie wieder vielleicht“ feiert sie ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und „30 Jahre Chefsekretärin bei Herrn Konrad, Chef des Schraubenhandel en gros ,Rieger, Ritter, Berger & Sohn‘“. Eine Frage treibt die Chefsekretärin, die zum Spaß in ihrer alten Zoohandlung ihren „Marktwert“ als Aushilfe testet, um: „Werden die neuen ägyptischen Investoren mich übernehmen?“. Denn der r Sohn von Rieger, Ritter, Berger hat die Firma verkauft.

Die gelernte Opernsängerin startet mit Edith Piafs Kultsong „Je ne regrette rien“ und umgibt sich in der Show mit Vorbildern wie Lilian Harvey („Lass mich einmal deine Carmen sein“) und Shirley Bassey („Big Spender“). Die Besucher erleben ein Wiederhören mit Frau Jaschkes Welt rund um die St.-Trinitatis- Kirche, wo Herr Griephenstroh Organist ist. Sie treffen ihre Schwester und deren Gatten Werner, Freundin Hannelore und Arbeitskollegen Siegfried Tramstedt. Nur Wellensittich „Waltraut“ ist bereits „da ganz oben“.

Bei Marlene Jaschke werden die schlichtesten Witze zum Lacherfolg, zum Kult. „Ein Dalmatiner steht an der Supermarktkasse. Fragt die Kassiererin: Sammeln Sie Punkte?“, das gefällt ihr und sie lacht herzhaft mit.

Ihr Clown-Talent versteckt Jutta Wübbe nicht hinter der klassischen roten Nase, sondern unter dem Hut ihrer Figur „Marlene Jaschke“. Ihr Humorrezept basiert auf guter Freundschaft mit ihrem Publikum. Frau Jaschke ist eine zeitlose Kunstfigur mit Anfängen in der Mitternachtsshow in Schmidts Tivoli in Hamburg. Seitdem kennt auch „Herr Griepenstroh“ sie. Beide sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Sie wartet, wenn er seine Zeit für die Soli und Improvisationen nutzt, er schaut beschämt auf die Tasten, wenn sie ihm allzu nahe kommt. Marlene Jaschke verpackt ihre Alltagssorgen in große Arien mit Koloraturen, Popsongs und Schlager, erklärt die Veränderungen der Warenkreisläufe, die Körperwelten in Hamburg, ihre Atemgruppe und atmet mit den Herrn Heinz und Hans im Publikum.

Doch sie bemerkt nicht die Fangruppe aus Barnstorf im Publikum (Christel, Sophie, Sabine, Andrea und Erika), die ihre „Waltrauts“ als Wellensittiche aus Stoff auf den Schultern tragen. Schade!

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