Und manch einer fragt: „Wo ist die Bremse?“

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

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Beim gemeinsamen Fahrradfahren mit ihren Eltern lernen die Kinder am meisten.

Landkreis   Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Egal, ob das Kind zur Schule muss oder Freunde besuchen möchte – viele Eltern nutzen gern das Auto, um den Nachwuchs hinzubringen. Thomas Gissing, stellvertretender Polizeipressesprecher und Marco Niemann vom Team Verkehrssicherung des Landkreises Diepholz, würden sich wünschen, dass sie stattdessen öfter mal das Fahrrad aus der Garage holen und die Kleinen auf dem Rad begleiten.

Denn der Bundesverband der Deutschen Verkehrswacht hat in einer Befragung herausgefunden, dass bundesweit bis zu 14 Prozent der Grundschüler nicht über die für die Fahrradprüfung notwendige Motorik verfügen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise steigt nach Einschätzung von Experten die Zahl der Kinder, die die Anforderungen der Fahrradprüfung nicht erfüllen.

Auch im Landkreis Diepholz habe die „Fahrradfähigkeit“ über die Jahre nachgelassen, findet Gissing. „Wir appellieren natürlich an die Kinder, zu Hause zu üben und Touren zu machen – aber ob sie das dann umsetzen, steht auf einem anderen Blatt.“

Die Auswirkungen seien sichtbar, so Gissing. Er sieht Kinder, die sehr unsicher fahren, Probleme haben, das Gleichgewicht zu halten und teilweise überfordert sind, wenn sie sich umschauen oder Handzeichen geben sollen. Und manch einer fragt sogar: „Wo ist die Bremse?“ – und ist ganz perplex, wenn er erfährt, dass es zwei davon gibt.

„Nicht zu früh allein fahren lassen“

Es sei förderlich, Kinder schon vorher mit Roller oder Laufrad üben zu lassen, damit sie lernen, das Gleichgewicht zu halten. „Man sollte sie früh heranführen – aber keinesfalls zu früh allein lassen. Bis zum Ende der Grundschulzeit, also dann, wenn die Kinder ihre Fahrradprüfung ablegen, sollten Eltern den Nachwuchs begleiten.“

Das sieht auch der Bundesverband so, denn erst ab diesem Alter würden Kinder komplexere Verkehrssituationen erfassen können und mehr Bewegungssicherheit auf dem Rad bekommen.

Durch die Fahrradprüfung gefallen sind laut Gissing nur extreme Fälle, aber auch das komme kaum vor, denn, „wenn man merkt, dass das Kind noch nicht soweit ist, wird es gar nicht erst zur Prüfung zugelassen, um es nicht vor der Klasse bloßzustellen“.

Marco Niemann, der seit einem dreiviertel Jahr die Fahrradprüfung an den Schulen abnimmt, formuliert sein Fazit behutsam. „Da ich noch nicht so lange im Landkreis bin, kann ich noch keine Entwicklung beobachten. Es gibt tatsächlich Fälle, in denen Kinder Probleme mit dem Fahrradfahren haben.“ Insgesamt schildert er die Situation als „ausbaufähig“ aber nicht dramatisch.

„Die Kinder, die ein Rad haben, sind in der Regel auch sehr fit, weil sie es oft nutzen. Aber es hat eben nicht mehr jedes Kind ein Fahrrad und dann wird es natürlich schwierig“, so Niemann. „Wir sind ja nur zwei Tage an den Schulen und können da nicht alles auffangen, da wir uns vor allem mit der Verkehrserziehung befassen müssen.“

An der Motivation der Kinder scheitere es nicht, sagt Niemann. „Die brennen darauf, den Führerschein zu bekommen.“ Er wünscht sich, dass die Eltern das Fahrradfahren mehr begleiten und den Nachwuchs anregen, öfter in die Pedale zu treten. „Dadurch werden sie nicht nur sicherer auf dem Fahrrad, sie lernen auch Dinge, die im Straßenverkehr wichtig sind, wie Entfernungen richtig einzuschätzen.“

Aber Niemann weiß auch, dass man sich für solche Aktivitäten Zeit nehmen muss, und Zeit sei vor allem bei berufstätigen Eltern Mangelware.

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