Koordinatorin zieht nach ihren ersten Monaten Bilanz

Den letzten Weg gangbarer machen: Bewegte Zeiten für Hospizverein

+
„Nicht Sterbe-, sondern Lebens-Begleitung“: Christine Großpietsch ist hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins Dasein Barnstorf/Diepholz.

Bewegte Zeiten für den Hospizverein Dasein Barnstorf/Diepholz: Die Verschmelzung der beiden Teile – Barnstorf und Diepholz – ist formal erledigt. Nun gilt es, den neuen Verein mit Leben zu füllen, zu integrieren, den neuen Weg zu definieren und zu beschreiten. Ein weiterer großer Schritt: Seit April gibt es erstmals eine hauptamtliche Koordinatorin in dem Verein. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht Christine Großpietsch eine Bilanz ihrer ersten Monate in Diepholz und umreißt ihre Ziele.

Diepholz – Die entscheidende Weiche stellte sich vor fast zehn Jahren: 32 Jahre lang hatte Großpietsch als Krankenschwester in einem Akutkrankenhaus gearbeitet. Dann wurde ihr Mann schwer krank. Kollegen rieten damals: „Ruft doch den Hospizdienst.“

„Dadurch habe ich gemerkt, der Weg wurde etwas leichter, weil mir vieles abgenommen wurde“, berichtet Christine Großpietsch heute. Sie verbrachte einige Wochen mit ihrem Mann im stationären Hospiz. „Dort habe ich eine andere Pflege kennengelernt, als ich sie bislang kannte“.

Nach dem Tod ihres Mannes 2011 begann auch für sie eine Zeit des Umbruchs. Die Rückkehr in den bisherigen Beruf schloss sich aus: „Ich habe gemerkt: Das ist es nicht mehr für mich.“ 2014 fing sie bei einem ambulanten Hospizdienst an, wurde schließlich stellvertretende Leiterin. Christine Großpietsch ist mittlerweile ausgebildete Trauerbegleiterin, Palliativfachkraft und Pflegeberaterin. In Barsinghausen war sie eine von fünf Koordinatoren in einem viel größeren Team.

Und was führte sie trotzdem aus der Region Hannover in die „Provinz“? „Es war die Liebe“, sagt Großpietsch, die mittlerweile in Eydelstedt ein Zuhause gefunden hat.

Mit ihrer Initiativbewerbung beim hiesigen Hospizverein rannte sie offene Türen ein, denn dieser hatte seinerseits Pläne, die Vereinsarbeit mit einer „hauptamtlichen“ Kraft zu stärken. Zum einen, um die Ehrenamtlichen zu entlasten. Zum anderen sei eine gewisse Fachlichkeit wichtig, um die Refinanzierung durch die Krankenkassen zu sichern, berichtet Großpietsch: „Die Krankenkassen gehen erst in die Refinanzierung, wenn die ganzen Lehrgänge abgehalten sind.“

Die ersten Monate in Diepholz waren gekennzeichnet durch Einarbeitung, das Knüpfen von Netzwerken, Vorstellungsrunden. Großpietsch richtete eine Reflexionsgruppe ein, in der die Ehrenamtlichen einmal im Monat ihre Erfahrungen austauschen. „Dabei werden auch Lerninhalte vermittelt.“

Eine weitere Aufgabe ist das Zusammenführen der beiden Dienste Diepholz und Barnstorf. „Da sind wir noch dabei, das ist manchmal gar nicht so einfach, da die beiden eine unterschiedliche Geschichte haben“, räumt die Koordinatorin ein. Schon leichter war es da mit dem Logo für den neuen Verein, bei dem die „Verschmelzung“ im wahrsten Sinne des Wortes gelang: Aus Taube (bislang im Logo des Hospizvereins Diepholz) und offener Hand (bislang Barnstorf) wurde Taube in offener Hand.

„Wir haben ein gutes und engagiertes Team“, sagt die neue Koordinatorin, die weiß: ohne die Ehrenamtlichen geht es nicht: „Sie sind eine tolle Stütze.“

Derzeit gibt es 20 Ehrenamtliche mit einer Ausbildung zum Trauerbegleiter und zehn ohne Ausbildung; der Verein hat derzeit rund 250 Mitglieder.

Als Ziele für die kommenden Monate nennt die neue Koordinatorin: den Hospizverein bekannter zu machen, auch in den hiesigen Einrichtungen, mehr öffentliche Veranstaltungen. „Wir müssen diese Hürde brechen, dass die Menschen Angst vor dem Hospizdienst haben. Es geht darum, uns kennenlernen. Es geht darum, sich zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt, um sich dann besser entscheiden zu können.“

Christine Großpietsch spricht bewusst nicht von Sterbe-, sondern von Lebens-Begleitung: „Wir können den Weg gangbarer machen.“ Für Betroffene und Angehörige gleichermaßen.

Erreichbar ist der Hospizdienst unter: Ambulanter Hospizdienst Dasein Barnstorf/Diepholz, Lange Straße 38, Diepholz; Tel. 05441/5933716 oder 0179/4062020; Fax 05441/5933717; E-Mail: info@hospizdienst-dasein.eu

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trump: Türkei verkündet dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien

Trump: Türkei verkündet dauerhafte Waffenruhe in Nordsyrien

Schnuffi - verzweifelt gesucht

Schnuffi - verzweifelt gesucht

Tui setzt auf eigene Hotels und Ausflüge

Tui setzt auf eigene Hotels und Ausflüge

Der Fassmacher vom Burgenlandkreis

Der Fassmacher vom Burgenlandkreis

Meistgelesene Artikel

19-Jährige will Klimaschutz-Bewegung in Barnstorf gründen

19-Jährige will Klimaschutz-Bewegung in Barnstorf gründen

Geballte gute Laune der Majestäten und Gefolge

Geballte gute Laune der Majestäten und Gefolge

Hunderte Landwirte aus dem Kreis Diepholz auf den Straßen: „Die haben uns unterschätzt“

Hunderte Landwirte aus dem Kreis Diepholz auf den Straßen: „Die haben uns unterschätzt“

Wahl-Diskussion in Weyhe: Vier Bewerber wollen Nachfolger von Bovenschulte werden

Wahl-Diskussion in Weyhe: Vier Bewerber wollen Nachfolger von Bovenschulte werden

Kommentare