Aufführung der Graf-Friedrich-Schule

Schüler machen Theater: Lektion fürs Leben

Im ernsten Thema der zweiten Schauspielgruppe der GFS geht ein Sozialexperiment schief. Hier üben die „Schüler“ ihren exklusiven Gruß, der sie zu etwas Besonderem machen soll.

Diepholz - Von Louisa Manholt. Ganz schön professionell wirkten die Laiendarsteller der Graf-Friedrich-Schule (GFS) im Diepholzer Theater. Die beiden Kurse des Fachs Darstellendes Spiel der 11. Klasse führten ihre Arbeitsergebnisse des Schuljahres auf. Zwei Stücke, die unterschiedlicher kaum sein konnten und dennoch Gemeinsamkeiten aufwiesen.

Die Aufführungen lockten 250 Menschen in den Theatersaal, der damit zur Hälfte gefüllt war. Nicht nur Mitschüler und Eltern interessierten sich für die beiden Darbietungen.

Während die Gruppe von Carolin Schüle, Lehrerin an der GFS, ein selbstgeschriebenes Stück namens „Alle in einem Haus“ aufführten, entschied sich die Gruppe von Klaus Stolle, ebenfalls Lehrer an der GFS, für die Theaterfassung des Romans „Die Welle“.

„Alle in einem Haus“ entsprang dem Wunsch, dass alle Kursteilnehmer mitmachen können. So entstand die Stückidee, dass man typische Stereotype darstellen möchte. Schnell kam der Gedanke, dass diese Charaktere, denen man überall begegnen könnte, in einem Haus zusammenleben könnten und man kleine Geschichten um sie schrieb. Alle 24 Schüler schlüpften in eine der Rollen.

Humorvoll und kritisch

Humorvoll und doch kritisch stellten die Schülerinnen und Schüler typische Familiensituationen dar, die die Probleme der heutigen Gesellschaft reflektierten. Da gibt es die Single-Eltern, die es mit Online-Dating versuchen, damit sie nicht mehr allein sein müssen. Die Kinder finden das aber peinlich. 

Es gibt die Neider, die sich fragen, warum alle Anderen so tolle Sachen haben und sie selbst nicht, bis sie sich entscheiden, ein teures Auto zu kaufen, um damit angeben zu können. Im Haus lebt auch die Familie, die eigentlich keine Familie mehr ist. Er liebt sie nur des Geldes wegen und kommt nur hin und wieder vorbei, um sich Geld zu leihen. 

Die Tochter rebelliert, hört laute Musik und kümmert sich auch sonst nicht um das Familiengeschehen und der Sohn, der intelligenter ist als alle anderen, hat auch kein Interesse am Familienleben. Auch die älteren Mieter des Hauses haben ihre Probleme. Vor allem mit der Modernisierung. Alles ist plötzlich englisch wie „Coffee-to-go“ oder die Apps in Handys, wodurch keiner mehr miteinander spricht, sondern nur noch schreibt. Natürlich ist das alles die Schuld der Ausländer, „von denen es jetzt mehr denn je gibt“.

Tanzeinlagen zwischendurch

Zwischen einzelnen Szenen wurden die Zuschauer mit Tanzeinlagen amüsiert oder aber zum Nachdenken gebracht, indem noch einmal die wichtigen Aspekte der Gesellschaftskritik nacherzählt wurden.

Die vielfältigen Szenen des Hauses hatten nicht alle ein Ende und auch nicht immer ein gutes. Denn wie das Leben so ist, endet nicht alles glücklich und zufrieden. Die Bemühungen des zusammen entworfenen Stückes, das auch außerhalb des normalen Unterrichts noch weiter vorangetrieben wurde, wurde von den Zuschauern mit lautem Applaus gewürdigt.

Nach einer Pause wurde das etwas längere Stück „Die Welle“ aufgeführt. Schon vor einer Woche präsentierten die Schülerinnen und Schüler die Theaterfassung des gleichnamigen Romans in der Haupt- und Realschule Twistringen.

Geschichtsunterricht im Zentrum

Im Zentrum steht eine Klasse im Geschichtsunterricht von Bella Ross. Beim Thema Nationalsozialismus kommt die Frage auf, wieso sich niemand dagegen gestellt hätte, das wäre immerhin der gesunde Menschenverstand gewesen. Die Lehrerin überlegt sich zu Hause, wie sie das den Schülern näherbringen kann und versucht sich an einem Experiment. 

Am nächsten Morgen beginnt sie mit Disziplinübungen: Gerade sitzen und beim Antworten aufstehen und zügig antworten. Schnell gewöhnt sich die Klasse an die neue Situation, es gefällt ihr sogar, da sie ein Gefühl von Zusammenhalt bekommen. Selbst der Außenseiter ist nun Teil der Klassengemeinschaft. 

Aus den anfänglichen Übungen wird schnell eine Bewegung namens „Die Welle“ mit exklusivem Slogan und Gruß. Die Klasse versucht auch, Schüler aus anderen Klassen zu Anhängern zu machen. Niemand bemerkt, dass das Experiment anfängt, sich zu verselbstständigen. Nur eine Schülerin legt Widerspruch ein, wird aber ignoriert. 

Schüler wird verprügelt

Als es schließlich dazu kommt, dass ein Schüler verprügelt wird, weil er der Bewegung nicht beitreten möchte, erkennt Lehrerin Ross, dass es Zeit ist, allem ein Ende zu setzen. Sie versammelt alle „Welle“-Mitglieder und zeigt ihnen, dass sie nicht anders waren als damals die Nazis und blind einem Befehlshaber gefolgt sind. Die Schüler sind schockiert und haben ihre Lektion fürs Leben erhalten.

Die Darsteller halten die Botschaft ihres Stücks für so wichtig, dass sie sich dazu bereiterklärt haben, es nach den Ferien an anderen Schulen erneut aufzuführen.

Auch diese Darbietung wurde vom Publikum mit tosendem Applaus wertgeschätzt. Im Anschluss erhielten Stolle und Schüle von ihren Schülern einen großen Blumenstrauß und eine kurze Dankesrede.

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