Basis für Zukunftsstrategien

Geodaten: Der Landkreis besteht aus 21,5 Milliarden Laserpunkten

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Das digitale Oberflächenmodell (DOM) bildet die Lebenswelt mit Häusern, Bäumen und Straßen punktgenau ab – und kann damit Grundlage für die Lärmschutzplanung sein.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Es ist eine beeindruckende Zahl: Aus sage und schreibe 21,5 Milliarden (!) Laserpunkten besteht die Lebenswelt Landkreis Diepholz. Es sind Punkte, die eine Brücke in die virtuelle Welt schlagen. Will heißen: Aus ihnen entstehen – mit den entsprechenden Programmen – Modelle, aus denen Kommunen, Planer und Firmen Zukunftsstrategien erarbeiten können. Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung liefert ihnen die Basis dafür.

„Geodaten-Manager“ in der Regionaldirektion Sulingen-Verden ist Stephan Brunek als Produktverantwortlicher im Dezernat II Geodatenmanagement. Seinen Berufsalltag prägen digitale Gelände- und Oberflächenmodelle. Sie liefern elementare Fakten für die Lebenswelt-Gestaltung – für Natur- und Hochwasserschutz zum Beispiel, oder für effektive Lärmschutz-Konzepte.

Voraussetzung dafür ist ein punktgenauer Abdruck der realen Gegebenheiten. Genau der entsteht durch zwei verschiedene Verfahren: Zum einen durch Laserscanning und zum anderen durch Luftbilder, aus denen messtechnisch verwertbare Orthophotos entstehen. Damit beauftragt das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung private Unternehmen. Unterwegs sind deren Flugzeuge grundsätzlich im Frühjahr, wenn die Bäume noch unbelaubt sind.

Das Laserscanning für den Landkreis Diepholz ist längst abgeschlossen. Eine Cessna 206 hat aus einer Flughöhe von 660 Metern mit dieser Technik bereits vor drei Jahren diesen gesamten Landkreis-Lebensraum vermessen – an insgesamt sechs Tagen. 129 Flugstreifen in West-Ost-Richtung sind dabei entstanden. Weil die Messtechnik rechteckige Bilder liefert, gehen sie noch über die Landkreis-Grenzen hinaus. Exakt 2130 Quadratkilometer seien überflogen worden, berichtet Stephan Brunek.

Alle drei Jahre werden neue Bilder gemacht

Das Ergebnis: 134 Dateien, die Spezialisten des Landesamtes in Hannover für die Weiterverarbeitung in der Regionaldirektion Sulingen-Verden aufbereitet haben. Zur Verfügung stehen Stephan Brunek und seinen Mitarbeitern jetzt auch die Orthophotos aus dem gesamten Landkreis Diepholz. 

Sie waren zu einem großen Teil im Jahr 2017 angefertigt worden, der Rest folgte bei Befliegungen im vergangenen Frühjahr. Ihre Aktualität aber ist begrenzt: Weil sich örtliche Gegebenheiten immer wieder ändern, werden nach jeweils drei Jahren neue Bilder angefertigt.

Aber wie hängen nun Laserdaten und Orthophotos zusammen? Das lässt sich am besten mit dem Google-Maps-Prinzip erklären, bei dem sich zur klassisch gezeichneten Ortskarte das reale Satellitenbild hinzuschalten lässt. Aber: Die Verarbeitung der Geodaten ist deutlich komplexer, betont Stephan Brunek. Sie müssen exakt mit den realen Gegebenheiten übereinstimmen – Grundvoraussetzung für ihre Nutzung bei so wichtigen Projekten wie Brücken- oder Straßenbauplanungen.

Eine Reliefdarstellung hilft etwa beim Hochwasserschutz

Eines haben die beiden Modelle, die den Alltag im Geodatenmanagement der Regionaldirektion prägen, gemeinsam: Sie bilden die Lebenswelt in 3D ab. Das digitale Geländemodell (DGM) beschreibt die Oberfläche durch räumliche Koordinaten und eine repräsentative Menge von Geländepunkten.

Wie ein Relief wirkt das virtuelle Modell mit seinen optisch aufbereiteten Höheninformationen. Damit ist das DGM Basis für Hochwasserschutz-Planungen und wird laut Stephan Brunek auch für den Naturschutzbereich oder bei Wiedervernässungsplänen im Moor eingesetzt – also dort, wo es um Luft, Boden und Wasser geht. Verwenden lässt sich das DGM genauso für Funknetz-Planungen.

Geht es jedoch um Schallschutz oder den Ausbau von Straßen, liefert das sogenannte digitale Oberflächenmodell, kurz DOM, wichtige Planungshilfen. Denn es besteht aus einem gleichförmigen Gitter mit Höhenpunkten, die sowohl die Geländeoberfläche als auch Vegetation, Bebauung und andere von Menschenhand geschaffene Objekte darstellen – nicht aber Autos oder sonstige bewegliche Dinge.

Ein Atlas für alltägliche Bedürfnisse soll entstehen

Zurzeit arbeitet Stephan Brunek mit seinen Kollegen an einem großen Projekt von landesweiter Bedeutung. Denn die Regionaldirektion Sulingen-Verden erstellt im Auftrag des niedersächsischen Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Regionale Entwicklung den sogenannten „Daseinsvorsorgeatlas“. Alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs – wie zum Beispiel Schulen, Kindergärten oder Arztpraxen – sollen sichtbar werden.

Es ist ein Handwerkszeug für politische Entscheidungen: Wie verändern sich die Wege und die Versorgung für die Bürger, wenn die Arztpraxis in einem Ort mangels Mediziner schließt? Diese und viele andere Fragen mehr lassen sich mit diesem Atlas beantworten. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant.

Informationen sind für Bürger zugänglich

Wer wissen will, wo sich im Landkreis Diepholz Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und viele andere Einrichtungen befinden, wird aber schon heute fündig. Denn in seinem Geoweb präsentiert der Landkreis bereits eine Fülle von räumlichen Informationen.

Standorte zu den verschiedensten Themen lassen sich dort abfragen – von Auto und Verkehr über Bildung und Kultur, Elektromobilität, erneuerbare Energien, Freizeit und Tourismus, Jagdreviere, Jugend und Soziales, Natur und Landschaft sowie anderes mehr.

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