Bauernhöfe müssen Eventcharakter bieten

Trend-Urlaub in Niedersachsen: Landtourismus hoch im Kurs

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Beatrice te Beek (links) und ihre Schwester Michaela Preuß genießen die ruhige Zeit auf dem Land. Den beiden Frauen tun es Tausende von Erholungssuchenden gleich.

Landkreis Diepholz/Engeln - Von Ulf Buschmann. Ferien auf dem Land stehen hoch im Kurs. Die Botschaft offizieller Statistiken bestätigen Anbieter in der Region. Die klassischen Ferien auf dem Bauernhof indes gibt es nicht mehr – unter anderem deshalb, weil sich die Sicherheitsvorschriften für die Rinder-, Schweine und Geflügelzucht geändert haben.

„Komm her!“ Wenn Andreas Schmitz die Tiere auf der Weide ruft, betont er das „o“ besonders lang. Die Esel Max und Moritz trotten langsam heran. Es folgen das Pferd Dixy und das Shetlandpony Anna. Andreas Schmitz und sein Sohn Patrick haben etwas Gras ausgerissen und füttern die Tiere damit. Sie lassen sich genussvoll streicheln. „Dies ist eigentlich der Bereich meiner Tochter“, sagt Schmitz Senior, „sie kümmert sich bei uns um die Reitferien.“

Seit knapp 30 Jahren können Menschen auf dem Angel- und Freizeithof der Familie in Weseloh Urlaub machen. Junge Familien, Wochenend-Camper und Fischfreunde treffen sich auf dem ausgedehnten Areal. Reitferien sind ein kleiner Teil des Angebots. Es gibt auch ein Heuhotel, eine Minigolf-Anlage, Ziegen. Vor allem die Angelteiche ziehen jedoch Gäste an. Mit diesem Mix ist Familie Schmitz nun in der dritten Generation erfolgreich. Für 2018 seien 10 000 Gäste angestrebt worden, erklärt Schmitz: „Die haben wir schon längst überschritten.“

Klassischer Bauernhof ist Vergangenheit

Landtourismus ist in ganz Deutschland ein lohnendes Geschäft – wieder. Bis vor rund zehn Jahren hatten es die heimischen Anbieter schwer, sich gegen andere Urlaubs- und Freizeitziele in Europa und der Welt durchzusetzen. Dies hat sich laut neuester Untersuchungen gedreht. Die Menschen würden angesichts der Unsicherheiten in der Welt lieber im eigenen Land Urlaub machen. Wer einen guten Mix anbietet, auf die richtige Zielgruppe setzt und sich geschickt vermarktet, hat gute Chancen, um erfolgreich zu sein.

Angebote zum Ausspannen in ländlicher Umgebung gibt es außer bei Schmitz in Weseloh einige: unter anderem den Spargelhof King, den Eschenhof sowie Büntemeyer und Lehmkuhl in Syke und den Hof Frien in Uchte. Sie haben sich in den vergangenen Jahren komplett umstellen müssen. Den Grund dafür nennt Kris Peperkorn, bei Büntemeyer und Lehmkuhl für die Vermarktung des Gäste- und des Ferienhauses zuständig: „Den klassischen Bauernhof gibt es nicht mehr.“ Dies habe unter anderem mit den Vorschriften für die Rinder-, Schweine- und Geflügelzucht zu tun, ergänzt Karl-Wilhelm Mayland-Quellhorst, Betreiber des Hof Frien: „In die hochmodernen Anlagen kommt kein Fremder rein.“

Tiere wie die Ziegen auf dem Angel- und Freizeithof Weseloh sind nach wie vor der Renner – insbesondere bei den Kindern.

Um vor allem Kindern den Kontakt mit Tieren zu ermöglichen, setzen Menschen wie Mayland-Quellhorst und Peperkorn auf Streichelzoos und ähnliches. Oder eben auf Reitangebote wie bei den Schmitz. Dort gibt es Rot- und Dammwild und eine kleine Ziegenfamilie. Peperkorn und Mayland-Quellhorst weisen zudem auf die Notwendigkeit von Angeboten mit Eventcharakter hin. Hierzu zählen ihrer Meinung nach Kartbahn, Seilgarten und Spielplätze für Kinder.

Ferien auf dem Lande bedeutet heute zudem, bestimmte Zielgruppen zu bewerben. Beispiel Eschenhof in Heiligenfelde: Betreiber Jörg Einhaus und seine Mutter, Geschäftsführerin Gisela Einhaus, bieten schon seit Jahren keine klassischen Ferien auf dem Bauernhof mehr an. Stattdessen haben sie ihren Schwerpunkt auf die Vermietung inklusive Service ihrer Räumlichkeiten an der Clueser Straße gelegt. Familien, Freundeskreise, Betriebe und Vereine nennt die Seniorchefin als Zielgruppe. Dies ist auch bei den anderen Anbietern ein wesentlicher Teil des Geschäfts – so etwa auf dem Spargelhof King. Magdalena King nennt als Zielgruppe ihres „großen Hauses“ nicht nur Familien, sondern auch Studenten.

„Wir können unsere Tiere mitbringen“

Sie und andere Interessenten stoßen auf die regionalen Anbieter in erster Linie via Internet. Seit einigen Jahren gibt es den Verein „Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande“ mit seinem Portal www.bauernhofferien.de. Dort finden sich auch die Betreiber aus der Region – allerdings wohl nicht mehr lange. So verlässt der Hof Büntemeyer und Lehmkuhl die Plattform. „Die Leute nehmen den direkten Vermarktungsweg“, begründet Peperkorn diesen Schritt.

Angel- und Freizeithof-Betreiber Schmitz setzt darüber hinaus darauf, über Mundpropaganda weiterempfohlen zu werden. So sind zum Beispiel Beatrice te Beek aus Steierberg und Michaela Preuß mit ihren Männern auf den Hof in Weseloh gestoßen. Seit fünf Jahren kommen die beiden Schwestern regelmäßig in die Gegend. Einen Grund dafür, warum sie ausgerechnet zu Familie Schmitz kommen, nennt Beatrice te Beek: „Wir können unsere Tiere mitbringen.“

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