Mehr Raum für Zweiräder

Landesstraße in Bruchhausen-Vilsen hat nach Sanierung Schutzstreifen für Radfahrer

Gestrichelte Seitenlinie auf frisch asphaltierter Straße
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An der neugestalteten Bassumer Straße haben Radfahrer einen eigenen Verkehrsraum, den Autofahrer aber mitnutzen dürfen.

Br.-Vilsen – Die Bassumer Straße ab Kreisel ist endlich wieder frei, freuen sich Einwohner wie Pendler. Doch kaum sind die Baken verschwunden, kommt erster Unmut auf. Was soll die gestrichelte Linie am Straßenrand? Ein Radweg? „Lebensgefährlich“, meint ein Leser. Tatsächlich ist das ein Schutzstreifen. „Die Fahrbahn der Landesstraße 202 wird nicht nur erneuert, sie erhält auch ein stimmiges Verkehrskonzept, vor allem für Radfahrer“, erklärt Jürgen Callies, Sachgebietsleiter Straßenentwurf bei der Niedersächsischen Straßenbaubehörde in Nienburg.

Radfahr-Schutzstreifen nennt sich das Konstrukt, das auch in anderen Orten zu sehen, in und um Bruchhausen-Vilsen aber neu ist. Radfahrende sollen, müssen ihn aber nicht benutzen, führt Ingo Büntemeyer aus. Bei der Polizei Inspektion Diepholz ist er für das Sachgebiet Verkehr zuständig.

Eine gestrichelte Linie trennt innerorts, wenn dort höchsten 50 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf, den Raum auf der Straße für Kraftfahrzeuge und Radfahrende. Unter diesem Begriff vereint die Polizei alle Radfahrer, seien es „normale“ Radler, Pedelec-Nutzer oder Rennradfahrer. Nach der jüngsten Änderung der Verkehrsordnung müssen Kraftfahrer mindestens eineinhalb Meter Abstand zu ihnen halten. Die Linie macht diese Breite sichtbar.

Der Schutzstreifen soll Radfahrer, die aus Richtung Kreisel kommen, auf derselben Straßenseite bis zur Bruchhöfener Straße führen. Dort können sie die viel befahrene Straße an der Bedarfsampel queren und ihren Weg Richtung Bundesstraße auf dem jüngst erneuerten Radweg fortsetzen. Dieser ist durch einen Grünstreifen von der Landesstraße getrennt; dort können Radfahrer unbehelligt von Autofahrern unterwegs sein.

Ab Kreisel teilen sich Radfahrer mit Personen- und in dieser Passage vor allem auch Lastkraftwagen die Straße. Begegnen sich zum Beispiel zwei Lkw auf der Höhe eines Radfahrers, muss der Lkw-Fahrer den Gegenverkehr passieren lassen, bevor er den Radler in ausreichendem Abstand überholt. Das kleine Einmaleins jeder Führerscheinausbildung.

„Genau das wird aber doch nicht passieren“, fürchtet ein Leser, der sich vor allem um Schulkinder sorgt. Aber nicht nur sie, alle dürfen den neuen Geh-Radweg auf der bebauten Seite weiterhin benutzen. In beiden Fahrtrichtungen, betont Jürgen Callies. „Der Schutzstreifen soll Radfahrern mehr Verkehrsraum und eine klare Führung vorgeben“, sagt Ingo Büntemeyer. Die Markierung lenkt das Augenmerk der Kraftfahrer auf die Radfahrer, erläutert Jürgen Callies den Gedanken hinter dieser noch jungen Maßnahme.

Doch der Schutzstreifen sei kein „gesonderter Verkehrsraum“. Vierräder aller Art dürfen die Linie überqueren und den Streifen mitbenutzen. Halten oder gar Parken sei aber strikt verboten. An der Bassumer Straße dürfte dazu kein Bedarf bestehen. Außerdem sei die gestrichelte Linie nicht das Maß aller Dinge. „Autofahrer müssen zum Radfahrer mindestens eineinhalb Meter Abstand halten“, erinnert Ingo Büntemeyer. Im Zweifelsfall sei es unerheblich, ob die Außenkante des rechten Außenspiegels auf Höhe der Linie ist, es zähle der tatsächliche Abstand zum Radler. „Radfahrende sollten sich auf dem Schutzstreifen also nicht zu sicher fühlen“, räumt der Polizeisprecher ein, betont aber, dass die Polizei an genau dieser Verkehrsführung mitgeplant habe.

Grundsätzlich neu ist es für die Sanierung der L202 ja nicht aufgestellt worden, aber modernisiert, wo möglich. Neu ist damit nicht nur der Radfahrschutzstreifen, neu sind auch sogenannte taktile Maßnahmen am Kreisverkehr. Pflastersteine mit besonderer Beschaffenheit sollen sicht- und gehbehinderten Menschen das Queren der Überwege erleichtern. „Jede Rille und Absenkung erfüllt eine bestimmte Aufgabe“, weist Jürgen Callies auf die Veränderung hin. Um das Leben der schwächeren Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen.

Diese Idee mag aufgehen, wenn alle Beteiligten mit den neuen Möglichkeiten umzugehen wissen. „Wir haben da vielleicht die ,Fachidioten-Brille‘ aufgehabt‘“, meint Jürgen Callies. Die Behörde wisse um die Vorteile, habe sie aber (noch) nicht kommuniziert. „Für uns ist die Baumaßnahme noch nicht abgeschlossen“, sagt er im Gespräch. Im Bereich Lange Straße geht es noch monatelang weiter. Spätestens, wenn alles fertig ist, sollen Piktogramme den Radfahr-Schutzstreifen auch eindeutig erkennbar machen.

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