Landkreis will mit Bildungsbericht neuen Kompass für Erfolge und Notwendigkeiten schaffen/Akuter Mangel an Sprachlernklassen

Bildung – Handwerkszeug fürs Leben und Standortfaktor

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Zielvereinbarung abgeschlossen: (sitzend v.l.) Landrat Cord Bockhop und Dr. Marco Schmidt (Transferagentur, Projektleitung) mit (stehend v.l.) Erster Kreisrat Wolfram van Lessen, Fachdienstleiter Oliver Netzband und Regine Prabel (Transfermanagerin).

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Sie ist das elementare Handwerkszeug für ein selbstbestimmtes, erfolgreiches Leben: Bildung. Ohne Gelerntes, ohne Wissen und ohne fundierte Kenntnisse lassen sich Menschen weder problemlos in die Arbeitswelt integrieren noch können sie Aufgaben erfüllen, um ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten. Andererseits ist die Wirtschaft dringend auf Fachkräfte und auf Auszubildende angewiesen.

Deshalb steht für Landrat Cord Bockhop völlig außer Zweifel: „Bildung brauchen wir als Standortfaktor.“ Genau die hat unendlich viele Facetten und Aspekte, begleitet die Menschen praktisch vom Kindergarten an – bis zum Lehr- oder Studienabschluss.

Aber wie effektiv ist Bildung im Landkreis Diepholz wirklich? Welche Faktoren fördern oder gefährden eine erfolgreiche Bildungsbiografie – und wo klaffen Lücken in der „Landkarte“ der Bildung? Antworten soll der kommunale Bildungsbericht des Landkreises Diepholz geben: Daten und Fakten, die durch regelmäßige Fortschreibung ein Bildungsmonitoring ermöglichen – und wie ein Kompass Bewährtes und Notwendigkeiten aufzeigen. Eine landesweite Erhebung hat zwar gezeigt, dass der Landkreis vergleichsweise wenige Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss hat. Laut Oliver Netzband, Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bildung, liegt der Landkreis Diepholz landesweit an zweitbester Stelle. Aber wie Bildung vor Ort wirklich „wirkt“, darüber gibt es noch keine systematischen und detaillierten Kenntnisse.

Mit Aufwand verbunden ist der Bildungsbericht deshalb, weil die Bildungsverantwortung in unterschiedlichen Händen – sprich auf unterschiedlichen Ebenen – liegt. „Wir machen Beton, das Land stellt die Lehrer“, formuliert es der Landrat. Will heißen: Der Landkreis ist für die sachliche Ausstattung der Schulen in seiner Trägerschaft zuständig, das Land für die Lehrkräfte und Bildungsinhalte. Für die Ausstattung der Grundschulen sorgen die Städte und Gemeinden, die Lehrkräfte stellt wiederum das Land. Die Bildung in Kindertagesstätten gestalten die Kommunen – im Auftrage des Landkreises.

Damit ein Austausch unter allen Akteuren und über Kreisgrenzen hinweg überhaupt möglich ist, hat der Landkreis Diepholz eine Zielvereinbarung mit der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement abgeschlossen.

Kennzahlen sind es, die künftig das „Bild“ der Bildung beschreiben sollen: Ein Kompass, nach dem die Steuergruppe Bildung und vor allem das Bildungsbüro des Landkreises Diepholz ihre Arbeit ausrichten können. Zum Beispiel, wenn es um das Thema Schulschwänzen geht.

Seit mehr als einem Jahrzehnt koordiniert das Bildungsbüro die Bildungsangebote des Landkreises. „Aber wir müssen uns personell neu aufstellen“, sagt Oliver Netzband. Dabei hofft der Landkreis auf finanzielle Unterstützung des Bundes – konkret auf Fördermittel aus dem Programm „Bildung integriert“. Das Geld fließt für den Auf- und Ausbau eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements.

Das ist umso wichtiger, als künftig auch Flüchtlinge passgenaue Bildung brauchen. Eines ist Landrat Cord Bockhop und Fachdienstleiter Oliver Netzband auch ohne Bildungsbericht längst klar: „Die Sprachlernklassen an den Schulen sind nicht annähernd ausreichend!“ Neue Lehrkräfte, die Deutsch als Zweitsprache vermitteln, gibt es nicht: „Der Markt ist leergefegt.“ Trotzdem müsse schnell eine Lösung her: „Wir müssen die Sprache vermitteln. Wenn die Standards nicht gegeben sind, dann müssen wir eben andere Wege gehen“, fordert der Landrat eine praxis-orientierte Lösung des Problems: „Es geht auch über spielerisches Lernen. Jeder der sich mit Flüchtlingen beschäftigt, vermittelt Sprachkenntnisse.“

550 neue Lehrkräfte für Sprachlernklassen habe Bildungsministerin Frauke Heiligenstadt 2016 landesweit angekündigt. „Zumindest die Hälfte könnten wir hier gut gebrauchen“, blickt Landrat Bockhop auf den akuten Bedarf im Landkreis Diepholz – und schlussfolgert: „Es muss Kompromisse bei den Standards geben.“ Deshalb wünscht er sich vom Land Geld für die Schulbudgets, „damit sich Schulen geeignete Kräfte selbst suchen können“.

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