Landkreis nimmt neue Einsatz- und Rettungsleitstelle in Betrieb/Mehr Plätze

Startknopf gedrückt: Neue Technik für Notrufe

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Der große Moment: Landrat Cord Bockhop (rechts) drückt auf den symbolischen Knopf, um die neue Leitstelle in Betrieb zu nehmen. Darüber freuen sich (v.l.) Torsten Meyer als Leiter der Einrichtung und Klaus Speckmann als Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung.

Diepholz - Von Anke Seidel. Exakt um 10 Uhr lief am Mittwoch der erste Notruf über die neue Anlage. „Alles hat super geklappt!“, urteilt Torsten Meyer über die neue Technik in der Einsatz- und Rettungsleitstelle im Niedersachsenhaus Diepholz. Er muss es wissen. Schließlich hatte er diesen Notruf selbst gewählt – als Chef dieser lebenswichtigen Einrichtung und als Test für die neue Technik.

Rund 900000 Euro hat der Landkreis in die neue Leitstelle investiert – für Landrat Cord Bockhop gut angelegtes Geld. Denn die zehn Disponenten dieser Einrichtung arbeiten gemeinsam mit ihrem Chef Torsten Meyer an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod. Ob Verkehrsunfall oder Verdacht auf Herzinfarkt: Sie ordern umgehend und schnell passgenaue Hilfe – und sind oft selbst als Ersthelfer am Telefon gefragt. Denn die Zahl der Fälle, in denen die Disponenten den oft aufgeregten Anrufern Schritt für Schritt Anweisungen geben, wie sie einem Menschen in akuter Notsituation sofort helfen können, ist laut Landrat deutlich gestiegen.

Er nahm die „neue“ Leitstelle gestern offiziell in Betrieb – nach gründlichen Tests und Probeläufen. Schritt für Schritt verzahnten die Disponenten die neue und die alte Technik miteinander, arbeiten nun ausschließlich mit dem neuen System. „Wir sind in der digitalen Welt angekommen und offensiv damit umgegangen“, so der Landrat. Diepholz sei definitiv einer der ersten Landkreise in Niedersachsen, die flächendeckend mit Digitalfunk arbeiten, fügt Klaus Speckmann als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Sicherheit und Ordnung hinzu. In wenigen Wochen werde auch die Feuerwehr auf Digitalfunk umstellen. Dafür müssten etwa 1800 Geräte initiatisiert werden.

In der Leitstelle war der erste „echte“ Notruf am Mittwoch um 10.18 Uhr eingegangen: Im Sulinger Land war ein Radfahrer gestürzt und brauchte dringend medizinische Hilfe.

Welches Rettungsfahrzeug wo zur Verfügung steht, das können die Disponenten mit der neuen Technik auf einen Blick verfolgen: Ein großer Monitor zeigt an, welches Fahrzeug wo unterwegs ist – entweder zu einem Einsatz oder auf der Rückfahrt.

Das Herzstück dieser Technik, die alle nur denkbaren Sicherheitsaspekte berücksichtigt, befindet sich in einem komplett neu gestalteten Technik- und Serverraum. 4000 (!) Meter Kabel bilden die „Herzschlagader“, die diesen Technikraum mit dem neuen Leitstellenraum verbindet.

Drehscheibe für alle 112-Noteinsätze im Landkreis Diepholz ist der Leitstellenraum im ersten Obergeschoss des Niedersachsenhauses. „Dort befinden sich fünf vollwertige Arbeitsplätze mit jeweils fünf Monitoren für die Disponenten, die rund um die Uhr die unter der Telefonnummer 112 eingehenden Notrufe für Feuerwehr und Rettungsdienst annehmen und für eine schnelle Alarmierung der benötigten Einsatzkräfte sorgen“, so Klaus Speckmann.

Damit verfügt die „neue“ Leitstelle über zwei Arbeitsplätze mehr als die alte. Eine Investition in die Zukunft, denn die Einsatzzahlen werden nach Einschätzung der Fachleute weiter steigen: „Schon im vergangenen Jahr waren rund 28000 Einsätze zu koordinieren“, hieß es gestern.

Bereits im Frühjahr war die Notstromversorgung der Leitstelle komplett erneuert worden, „damit sie auch im Falle eines größeren Stromausfalls uneingeschränkt einsatzbereit bleibt“.

Kooperationspartner der Diepholzer Einsatz- und Rettungsleitstelle ist die Leitstelle in Verden. Ist eine dieser beiden Einrichtungen überlastet oder nur eingeschränkt erreichbar, springt die andere ein. Wie Verden für Diepholz, nachdem ein Bagger 2012 zwei Telefonleitungen gekappt hatte – und Diepholz für Verden, nachdem es dort eine Bombendrohung gegeben hatte, ebenfalls 2012.

Mit der neuen Technik führt die Diepholzer Rettungsleitstelle auch eine neue Telefonnummer ein: Unter 05441/19222 regeln die Disponenten den qualifizierten Krankentransport direkt – eine elementare Telefonnummer also für Arztpraxen, Seniorenheime und Kliniken.

Speckmann: „In den vergangenen Monaten erfuhren die Mitarbeiter der Leitstelle in mehreren Schulungen alles Wichtige über die neue Kommunikationstechnik und das neue Einsatzleitsystem.“ Technisch gesehen arbeiten beide Systeme getrennt voneinander – aus Sicherheitsgründen. „Die bisherige Technik einschließlich des Analogfunks bleibt als Rückfallebene erhalten“, so Speckmann.

Bei der Konzipierung der neuen Leitstelle habe man bewusst auf einen teuren Berater verzichtet und gemeinsam sowie im Team nach passgenauen Lösungen gesucht und alle nur denkbaren Wechselfälle des Lebens durchgespielt, hieß es gestern. So verfügt der Leitstellenraum über eine automatische Staubabsauganlage, damit kein brummender Staubsauger die oft lebenswichtigen Telefonate in der Leitstelle stört.

Die Investitionskosten von rund 900000 Euro würden im Vergleich zu anderen Leitstellen „im moderaten, sogar eher im niedrigen Bereich liegen“, hieß es es gestern. „Wir haben pro Bürger 4,50 Euro investiert“, rechnete der Landrat vor. Es gebe Landkreise, die das Doppelte ausgegeben hätten.

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