Inzidenz drei Tage in Folge über 100

Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Trotz 100er-Inzidenz bleiben Schulen und Kindergärten im Landkreis weiter offen. Die Corona-Kennzahlen geben laut Landkreis Diepholz keinen Anlass zu einer sofortigen Schließung.
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Trotz 100er-Inzidenz bleiben Schulen und Kindergärten im Landkreis weiter offen. Die Corona-Kennzahlen geben laut Landkreis Diepholz keinen Anlass zu einer sofortigen Schließung.

Donnerstagfrüh kam die Bestätigung des Landes Niedersachsen. Im Landkreis Diepholz hat der Corona-Inzidenzwert den dritten Tag in Folge die 100er-Marke überschritten. Dienstag: 115,6. Mittwoch: 112,9. Donnerstag: 116,1. Zeit für eine Pandemie-Bremse, so steht es in der entsprechenden Landesverordnung. Aber: Dort steht auch, dass die Kommunen einen Ermessensspielraum haben und von diesem macht der Landkreis Diepholz Gebrauch.

  • Im Landkreis Diepholz liegt der Corona-Inzidenzwert drei Tage in Folge über der 100er-Marke
  • Landrat Cord Bockhop will nicht vorschnell zur Notbremse greifen
  • Schulen und Kindergärten bleiben offen

Landkreis Diepholz – Landrat Cord Bockhop macht auf Nachfrage klar deutlich: „Schule und Kindergarten werden weiter stattfinden.“ Eine Ausnahme könne er sich natürlich vorstellen, dann nämlich, wenn in einer Einrichtung eine Epidemie ausbricht. Dann aber würde vorerst auch nur diese Einrichtung betroffen sein: „Ich halte eine flächendeckende Maßnahme des Landkreises oder des Landes nicht für angezeigt“, wiederholt Bockhop, was er schon seit Monaten als Maxime ausgibt. Ein weiteres Beispiel: Würden im Süden des Landkreises auf einen Schlag 200 Erntehelfer erkranken und der Inzidenzwert dadurch weit über 100 steigen, „muss ich doch in Weyhe nicht die Schule schließen“.

Corona-Hotspots zeichnen sich derzeit nicht ab.

Nun ist es aktuell so, dass in den allermeisten Kommunen in den vergangenen Tagen die Zahl der positiv getesteten Personen zugenommen hat. Ein Hotspot lässt sich nicht ausmachen, auch bestimmte Berufsgruppen fallen dem Landkreis derzeit nicht als Pandemietreiber ins Auge. Es stellt sich die Frage, ob nicht genau deshalb gehandelt werden müsste, eben weil keine Sicherheit besteht. Aber auch da ist der Landrat eindeutig. Die Politik darf sich nicht auf einen einzigen Wert versteifen: „Wir haben doch jetzt ein bisschen Erfahrung. Das spielt mehr eine Rolle als die Inzidenz. Das ist eher eine Alarm-Ampel, da schaut man dann, ob noch andere Dinge passieren.“

Und diese anderen Dinge stehen beim Landkreis jeden Morgen auf dem Prüfstand. „Wie viele Impfungen gab es? Wie hoch ist die Inzidenz? Wie sind die Beatmungskapazitäten? Wie viele Menschen mit Covid-19-Infektion sind auf der Intensivstation? Wie viele ohne?“ Jeden Morgen gebe es eine dezidierte nach allen Klinikstandorten gegliederte Meldung. Und auch wenn die Corona-Verordnung und die Diskussionen in Berlin alle den Inzidenzwert als Maß der Dinge in den Mittelpunkt stellen, müsse der Landkreis für den ihm zugestandenen Ermessensspielraum doch all diese weiteren Faktoren berücksichtigen, meint Bockhop. Insbesondere mit Blick auf die Klinikdaten urteilt der Landrat über die Inzidenz-Fokussierung deutlich: „Ein Jahr nach Pandemiebeginn ist das nicht mehr zweckmäßig.“

Nachmeldungen nach Ostern könnten für starken Anstieg verantwortlich sein

Ein weiterer Aspekt des Ermessensspielraums ist die Frage, ob die Inzidenz auf Dauer über der 100er-Marke bleibt. Das sieht Bockhop nicht als gegeben an: „Wir sind optimistisch, dass die Inzidenz sinken wird, weil Ostern vorbei ist und Nachmeldungen gekommen sind.“ Ja, das Land hat drei Tage in Folge einen Wert um die 115 bestätigt, aber das zeige ja eine Konstanz. „Springt die Inzidenz plötzlich täglich 20 Punkte nach oben – 110, 130, 150 –, dann werde ich Stopp sagen“, so Bockhop, aber für den Moment scheine es ihm eher realistisch, dass der Wert wieder sinkt, wenn die infektionsstarken Meldedaten der Nach--Osterzeit aus der Inzidenzermittlung herausfallen.

Springt die Inzidenz plötzlich täglich 20 Punkte nach oben – 110, 130, 150 –, dann werde ich Stopp sagen

Landrat Cord Bockhop

„Ich möchte lieber Verlässlichkeit haben“, argumentiert der Landrat. Würde er jetzt sofort die Regeln verschärfen und sie in der kommenden Woche dann wieder lockern, „das kann ich niemandem mehr erklären“.

Landkreise der Region stehen bezüglich Intensivbetten-Belegung in Kontakt

Wichtig sei der Kreisverwaltung neben dem Blick auf die eigenen Corona-Kennzahlen auch, mit den Nachbarn in Kontakt zu stehen. Würden andere Kreise an die Belastungsgrenzen ihrer Kliniken stoßen, bringe es im Landkreis Diepholz nichts, über Freiheiten nachzudenken, weil man eventuell am nächsten Tag helfen und Intensivplätze zur Verfügung stellen muss: „Das ist Solidarität in der Nachbarschaft, da gibt es keine Diskussion“, erklärt Cord Bockhop. Glücklicherweise sei davon aber derzeit nicht auszugehen, obwohl kein einziger Nachbarkreis unter der 100er-Marke für die Inzidenz liegt.

Das nimmt der Landrat zum Anlass, um zu erinnern, dass die Anstrengungen, die unternommen werden, dazu da sind, diejenigen zu schützen, die stark gefährdet sind. Für die bei einer Erkrankung eine hohe Lebensgefahr besteht. Tragischerweise gab es am Mittwoch erstmals seit fast einem Monat wieder einen Todesfall in Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion im Landkreis Diepholz, aber ins Verhältnis zu den Vormonaten gesetzt, mache sich die Impfkampagne deutlich bemerkbar. Ein Ignorieren des Inzidenzwertes ist auf keinen Fall angebracht, betont der Landkreis, ein Ignorieren anderer Faktoren aber auch nicht.

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