Jugendamt will Zusatzleistung zahlen

Landkreis Diepholz sucht dringend Pflegeeltern

Kinder in Not erhalten in Pflegefamilien Entwicklungschancen.
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Kinder in Not erhalten in Pflegefamilien Entwicklungschancen.

Sie übernehmen, wenn die leiblichen Eltern sich nicht um ihre Töchter und Söhne kümmern können – und im schlimmsten Fall zur Gefahr für sie werden: Pflegeeltern bieten Kindern in Not einen geschützten Rahmen und neue Entwicklungschancen.

Landkreis  Diepholz – „Der Landkreis Diepholz sucht immer Pflegeeltern“, beschreibt Michael Albers (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, den großen Bedarf. Er begrüßt es, dass Pflegeeltern künftig eine elterngeldähnliche Zusatzleistung erhalten können, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Pflegeeltern-Bewerber müssen in einer gefestigten Lebenssituation sein

Das ist Konsens im Fachausschuss – nicht nur, weil andere Landkreise (wie Hildesheim, Nordheim und Goslar) diese Leistung bereits anbieten. Sondern vor allem, weil Bewerber fehlen. „Die Gewinnung und Qualifizierung belastbarer Pflegepersonen gestaltet sich schwierig, da die Zielgruppe – Familien, Paare, Einzelpersonen vorwiegend mittleren Alters mit gefestigter Lebenssituation sowie persönlicher und pädagogischer Eignung – bereits vielfältige Familien- und Erziehungsaufgaben sowie berufliche Anforderungen zu leisten haben“, erläutert das Jugendamt in einem Arbeitspapier zur Sitzung.

Mehr Geld für Kitas

9,1 Millionen Euro gibt der Landkreis Diepholz in diesem Jahr für die Kita-Betreuung aus – im kommenden Jahr werden es 9,4 Millionen Euro sein. 7 836 Mädchen und Jungen nutzen zurzeit einen Platz. Für den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, Michael Albers, erfreuliche Zahlen. Denn sie machten deutlich, dass die Zahl der Kindergartenkinder in etwas mehr als vier Jahren um 1 138 gestiegen sei. Außerdem gebe der Landkreis den Kommunen, die ja die Kreisumlage zahlen, etwas zurück. 

Die Gesellschaft hat sich gewandelt: „Die früher typische Konstellation in Bewerberfamilien mit einem in Vollzeit berufstätigen Elternteil und dem zweiten in der Regel nicht oder nur geringfügig berufstätigem Elternteil ist kaum noch gegeben“, weiß das Jugendamt. Jetzt gilt vor allem: „Einschränkungen der Berufstätigkeit werden in der Regel während der Elternzeit hingenommen und mit daran anschließenden Teilzeitarbeitsmodellen verbunden. Dies führt zu rückläufigen Bewerberzahlen bei anhaltend hoher Nachfrage für die Unterbringung jüngerer Kinder in Vollzeitpflege.“

Zusatzleistung für Pflegeeltern soll sechs bis zwölf Monate lang gezahlt werden

Das Jugendamt will deshalb alle nur denkbaren Möglichkeiten ausschöpfen, um das Modell Pflegeeltern attraktiv zu machen. Ein Baustein: Die elterngeldähnliche Zusatzleistung – ein Betrag zwischen 300 und 800 Euro –, die die hauptbetreuende Pflegeperson monatlich erhalten soll. Voraussetzung: Sie muss direkt vor der Aufnahme des Pflegekindes mindestens drei Monate erwerbstätig gewesen sein. Und sie muss ihre Erwerbstätigkeit für den Bewilligungszeitraum dieser Zusatzleistung „tatsächlich, vollständig und durch Nachweis des Arbeitgebers belegt“ ruhen lassen.

Für sechs bis zwölf Monate zahlt das Jugendamt dann diese Leistung: „Dadurch soll ein angemessener Zeitraum zum Bindungsaufbau zwischen Kind und Hauptbetreuungsperson gewährleistet werden.“ Nimmt diese Kraft zeitgleich mehrere Pflegekinder auf, „besteht der Anspruch nur einfach“. Bei zeitversetzter Aufnahme eines weiteren Kindes verlängere sich der Leistungszeitraum um maximal zwölf Monate, „längstens bis zur Vollendung des achten Lebensjahres dieses Kindes“, so die Verwaltung.

Derzeit gibt es etwa 180 Pflegefamilien im Landkreis Diepholz

Die Zahlung ist dabei an das bisherige Netto-Einkommen besagter drei Monate gekoppelt, exakt 67 Prozent davon umfasst die elterngeldähnliche Zusatzleistung. Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld werden nicht berücksichtigt, es besteht kein Rechtsanspruch.

„Wir haben rund 180 Pflegefamilien im Landkreis“, so Michael Albers. Nach Überprüfung der Kreisverwaltung hätten im vergangenen Jahr 15 von ihnen diese Zusatzleistung erhalten können. Das hätte rund 68 000 Euro gekostet. Deshalb soll im kommenden Haushalt ein Betrag von 70 000 Euro für das neue Modell eingeplant werden – außerdem mehr Geld für Erstausstattungen sowie notwendige Einrichtungsstücke. Bisher zahlt der Landkreis 360 Euro für Kleidung und Ausstattung sowie 770 Euro für Einrichtungs-Notwendigkeiten. Seit mehr als 20 Jahren seien diese Beiträge nicht erhöht worden, so die Kreisverwaltung. Künftig sollen sie an die Pflegesätze gekoppelt werden. Damit steigen sie nun in der niedrigsten Altersstufe der Pflegekinder auf 571 sowie 1 142 Euro.

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