Chancengleichheit im Bildungssektor

Schüler zahlen weiterhin für Schulbus: „Es tut sich einfach nichts!“

Ein junger Mann und eine junge Frau sitzen um einen runden Tisch und lächeln in die Kamera.
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Kritisieren die Politik scharf: Georg Beverborg und Pia Dannhus.

Landkreis Diepholz – Der Frust ist groß. Sehr groß. Die niedersächsische Landesregierung ist auf einem guten Weg, die Schülerinnen und Schüler mit einem „leeren Versprechen“ langfristig zu verärgern. Es geht um die stufenweite Ausweitung des kostenfreien Schülerverkehrs auf die Sekundarstufe II (ab Klasse 11). Der Kreisschülerrat wendet sich in dieser Sache nun mit Anträgen an den Landkreis und die Landesregierung.

„Es tut sich einfach nichts. Man versucht, etwas zu ändern, es tut sich nichts“, klagt Pia Dannhus, Vorsitzende des Kreisschülerrats. Ende April hatte der Kreiselternrat eine entsprechende Forderung geäußert (wir berichteten), doch seitdem ist weder auf Landes- noch auf Kreisebene etwas geschehen. Auf Kreisebene war dabei schon 2019 nach einem Antrag der Linken diskutiert worden, ob das Vorhaben umsetzbar sei, allerdings wurde damals geäußert: Dem Land vorgreifen, sei keine sinnvolle Taktik, da eine Erstattung der Kosten nicht möglich sei, wenn der Kreis sich vorher für die Ausweitung des kostenfreien Schülerverkehrs entscheide.

So weit, so verständlich. Doch mit nur noch gut einem Jahr Zeit bis zur nächsten Landtagswahl verlieren die Schülerinnen und Schüler die Geduld. „Schüler betrifft es nicht, aus welcher Ecke das Geld kommt“, erklärt Georg Beverborg, Mit-Vorsitzender des Kreisschülerrats, energisch.

Was viele seiner Altersgenossen betreffe: Nach dem Wechsel in die Sekundarstufe II fallen monatlich etwa 80 Euro für die Beförderung an. Und natürlich gebe es für sehr bedürftige Familien Fördertöpfe, aber es gebe eben auch diejenigen, die laut Papier ausreichend Geld zur Verfügung haben, um die Summe zu stemmen. In der Realität nehmen die Jugendlichen aber wahr, welche Belastung ihren Familien dadurch entstehe. Welche Belastung sie mit ihrem Schulwunsch der gesamten Familie aufbürden.

„Wir dürfen auf gar keinen Fall dahin kommen, dass die Eltern sagen: ,Du machst nicht die weiterführende Schule.’“, warnt Beverborg vor einem möglichen Szenario. Dannhus zeigt aber noch ein weiteres, vielleicht sogar schlimmeres auf: Dass Schülerinnen und Schüler ihre Wünsche, Potenziale und Perspektiven aus dem Blick verlieren und von sich aus sagen, sie wollen kein Abitur machen – nicht, weil sie eine andere Vorstellung von ihrem Leben haben, sondern nur, um niemandem zur Last zu fallen.

Bildung soll mit Chancengleichheit einhergehen, argumentieren Dannhus und Beverborg in ihren Schreiben an Ministerpräsident Stephan Weil, Kultusminister Grant Hendrik Tonne, Landrat Cord Bockhop und Schulausschuss-Vorsitzenden Dietrich Struthoff. „Und diese wird gefährdet, wenn die genannten monatlichen Kosten anfallen. Wer sich das nicht leisten kann, ist oft auf Dritte angewiesen, um zur Schule zu kommen.“ Dies könne zu einem ungeregelten Schulbesuch bestimmter sozialer Schichten führen.

Auf Kreis- und Bundesebene steigen die Parteien in den Wahlkampf ein. Schülerinnen und Schüler würden es bevorzugen, die politischen Akteure würden nicht mit Plakaten und neuen Versprechen auftrumpfen, sondern darauf hinwirken, auf allen Ebenen alte Versprechen umzusetzen.

Neuwahlen

Im Kreisschülerrat standen Neuwahlen auf der Tagesordnung. Georg Beverborg (Gymnasium Sulingen) bleibt Teil der Vorsitzenden-Doppelspitze. Robin Heimbucher von der KGS Leeste wird die Position von Pia Dannhus (Von-Sanden-Oberschule Lemförde) übernehmen. Als Kreisschülersprechervertreter ist Vincent Myska (KGS Kirchweyhe) aus dem Gremium ausgeschieden. Seine Position übernimmt Naomi Mbiyeya vom Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen. Der Kreisschülerrat nimmt Projektanregungen, Meinungen zur Beförderung der Schülerinnen und Schüler sowie spezielle Anliegen per E-Mail an die Adresse kreisschuelerrat.diepholz @gmail.com entgegen.

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